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Zu viele Möglichkeiten: Millennial-Problem Nummer eins: So trifft man Entscheidungen

Vielen Millennials steht eine solche Fülle von Möglichkeiten offen, dass sie davon überfordert sind. Oft sind junge Menschen davon sogar so erschlagen, dass sie in eine Art Schockzustand verfallen. Eine Psychotherapeutin erklärt, wie man zu Entscheidungen gelangen kann.

Verschlossene Türen

Zu viele Optionen sorgen bei Millennials für Verwirrung

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Über Millennials kursieren viele Vorurteile und Verallgemeinerungen – manche mehr, manche weniger richtig. Die Menschen zwischen 20 und 35 sind dann wahlweise faul, unsicher, pleite oder unpolitisch. Tatsächlich aber scheint es so zu sein, dass sich die Millennials deutlich bewusster mit ihren Problemen auseinandersetzen als die Generationen vor ihnen und sich bei der Lösung auch professionelle Hilfe holen.

Zum Beispiel von Tess Brigham, die in den USA als Psychotherapeutin arbeitet und dabei – wie sie selbst sagt – zu 90 Prozent Millennials betreut. Für "CNBC" hat sie über ihre Erfahrungen mit diesen Klienten geschrieben und dabei auch enthüllt, was das Nummer-eins-Problem der Generation ist. Dabei handelt es sich keineswegs um Finanzsorgen, Partnersuche oder Minderwertigkeitskomplexe. Die meisten Millennials, die zu ihr kommen, schreibt Brigham, sagten: "Ich habe zu viele Möglichkeiten und kann mich nicht entscheiden, was ich tun soll. Was ist, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?"

Millennials: In der Freiheit gefangen

So frei in der Lebensgestaltung war noch keine andere Generation. Wen man heiratet, wo man lebt, welchen Beruf man ergreift – das war in den Jahrzehnten zuvor in großen Teilen vorgegeben. Millennials können entscheiden, welchen Weg sie einschlagen. Das aber überfordert viele, frei nach dem berühmten Satz von Franz Kafka: "Ich bin frei, und deshalb bin ich gefangen." Zu viele Möglichkeiten, zu viele Informationen, zu viel Druck – so landen junge Menschen schnell in einer Art Schockstarre, die sie daran hindert, überhaupt irgendeine Entscheidung zu treffen.

Die Verwirrung ist perfekt, das Stresslevel steigt, und wer weiter zwischen den Stühlen steht, obwohl er weiß, dass er sich schon längst festgelegt haben müsste, fühlt sich nur noch schlechter. Wer eine Entscheidung getroffen hat, hat immerhin schon einmal diesen Prozess hinter sich – die Unsicherheit bleibt aber oft. Nicht selten entpuppt sich diese Festlegung als eine schlechte Entscheidung und sorgt für noch mehr generelle Unzufriedenheit mit der Situation. 

Zuerst einmal gut über alles nachdenken

Tess Brigham empfiehlt deshalb allen, die an "Entscheidungsmüdigkeit" leiden, sich zunächst einmal eingehend mit sich selbst zu beschäftigen: "Wenn wir uns dazu zwingen, über unsere Gefühle, unsere Worte und unser Verhalten nachzudenken, beginnen wir zu verstehen, was uns wirklich beschäftigt und was wir wirklich wollen." Wer sich in Ruhe Gedanken über seine Situation macht, trifft mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine schlechte Entscheidung.

Diese Wahrscheinlichkeit lässt sich weiter reduzieren, indem man sich genau mit seinen Optionen auseinandersetzt. Was sind die wichtigsten Faktoren, die bei einer Entscheidung zu berücksichtigen sind? Was würde sich ändern? Was kann im schlimmsten Fall passieren? Nicht alle diese Fragen lassen sich beantworten, und nicht alles hat man unter Kontrolle. Die Dinge, die man selbst in der Hand hat, sollte man allerdings auch aktiv gestalten und sie nicht dem Zufall oder dem Willen anderer überlassen. Und dazu gehört zum Beispiel auch, wie man mit Entwicklungen, auf die man selbst keinen Einfluss hat, umgeht.

Entscheidungen sind befreiend – und Fehler zum Lernen da

Hat man sich eingehend Gedanken über alle Optionen gemacht, ist es schließlich Zeit dafür, eine Entscheidung zu fällen. Wie viel Zeit man dafür hat, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Hilfreich kann natürlich auch sein, sich Input von anderen zu holen. Wenn dann aber endlich die Entscheidung steht, kann das sehr befreiend sein.

Ob sie nun richtig war oder nicht – wer weiß das schon. Das wird die Zeit zeigen. Fürs Erste rät Tess Brigham dazu, auch die Unsicherheiten, die das Festlegen auf eine Option mit sich bringt, anzunehmen. "Ich sage meinen Patienten oft, dass es okay ist, sich Sorgen zu machen, solange man den Sorgen nicht erlaubt, sein Leben zu übernehmen." Wichtig sei erst einmal nur, dass sich die Entscheidung für die Person, die sie zu treffen hat, richtig anfühlt. Und wenn es nicht so hinhaut – auch Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen, sagt Brigham: "Man wird seine Entscheidungen in der Zukunft viel schlauer, weiser und selbstbewusster angehen."

Quelle: "CNBC"

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