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"Fear of Missing Out": Hilfe! Jetzt hat es auch mich erwischt: FOMO, die ständige Angst, etwas zu verpassen

Vielleicht steckt hinter der nächsten Ecke die coolere Party, der bessere Job, das heißere Date. Viele Millennials haben FOMO, die Angst, das Beste zu verpassen - und verpassen so ihr Leben. Unsere Community-Autorin hat diese Angst belächelt - bis es sie selbst traf.

Von NEON-Community-Mitglied Mirjam B.

FOMO: Eine Frau hängt über einem Zaun, um auf die andere Seite zu schauen

Ist das Gras auf der anderen Party vielleicht grüner? Immer mehr Millennials leiden an FOMO, der Angst, ständig etwas zu verpassen.

Getty Images

"Wir wissen noch nicht, ob er überhaupt kommt. Er ist ein typischer Fall von FOMO." - "Bitte was?!", entgegne ich meinem Bruder völlig verwirrt. FOMO - das hört sich für mich an wie eine unheilbare Krankheit oder etwas, das man sich beim Geschlechtsverkehr einfängt.

Bevor ich mir weiter Sorgen um den Unbekannten machen kann, welcher vielleicht oder vielleicht auch nicht auf die Weihnachtsparty von meinem Bruder und seiner Freundin kommt, klärt mich mein Bruder auf. FOMO bedeutet "Fear of Missing Out", also die Angst etwas zu verpassen. Vor allem betroffen sei wohl die jüngere Generation, die Generation Y.

Die Millennial-Krankheit: FOMO

Mein Bruder lässt das Thema recht schnell wieder fallen, als ob es das Normalste auf der Welt wäre, dass man als junger Erwachsener heutzutage ständig  Angst hat, etwas zu verpassen. Amüsiert über den Begriff, aber auch gleichzeitig etwas nachdenklich, schlendere ich mit den beiden weiter in Mainz am Rhein entlang. Ich bin gespannt auf die Feier, auf die Leute. Ich habe heute kein FOMO. Ich weiß ja schließlich auch nicht, was ich theoretisch alles verpassen könnte.

Fast ein halbes Jahr später, nachdem ich meine Prüfungen geschrieben habe und die Semesterferien fast vorbei sind, liege ich zu Hause im Schwarzwald bei meinen Eltern im Bett und bekomme kein Auge zu. Warum? Es hat mich erwischt und zwar richtig. Nein, ich bin nicht etwa verliebt oder habe die Grippe. Ich habe FOMO. Ich bin noch nicht einmal wieder zurück in der Stadt, in der ich eigentlich wohne und studiere, und mich beschleicht schon jetzt das Gefühl, ich könnte alles Erdenkliche verpassen, wenn ich nicht zu Semesterbeginn jede Party mitnehme.

Ich rolle innerlich mit den Augen. So ein Quatsch. Logisch betrachtet ist es unmöglich, auf jede Party zu gehen, die an einem Abend steigt. Vermutlich sind mindestens die Hälfte davon totale Reinfälle und von den anderen 50 Prozent nochmal mindestens vierzig zu überlaufen oder die Musik ist schlecht und und und. Nach meinen Berechnungen bleiben dann noch 10 Prozent übrig, die wirklich gut sind. Aber woher weiß ich vorher, welche das sind?

Kein Wunder, dass immer mehr junge Menschen an Depressionen und Angststörungen erkranken, bei dem Druck, der entstanden ist. Und damit meine ich nicht die vielen Partys. Ich meine die Unmengen an Möglichkeiten, die jeder hat. Im Studium, im Job, in der Freizeit, in der Partnerwahl. Diese Aufzählung ließe sich unendlich weiterführen. Wie soll man denn da noch wissen, was das Richtige ist? Ich weiß es nicht.

Gibt es hinter der nächsten Ecke etwas Besseres?

Eigentlich logisch, dass jeder denkt, er könnte etwas verpassen. Es könnte ja hinter der nächsten Ecke schon etwas Besseres, etwas Passenderes, etwas Schöneres warten. Aber ist das wirklich so? Oder weiß einfach niemand so richtig, was er will? Geht es wirklich noch darum, sich zu steigern und immer mehr zu sehen und immer mehr zu erleben? Oder geht es am Ende nur ums Prinzip? Um sagen zu können: "Ich war dieses Jahr auf Bali, anstatt - dem Budget eines Studenten würdig - am Bodensee?"

Ich glaube gerade heute, wo alles so schnelllebig ist und sich ständig etwas verändert, wo alle immer dem neuesten Trend hinterherrennen, sollten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Und das sind meiner Meinung nach die Familie und die engsten Freunde. Menschen, die uns kennen und denen wir Zeit und Liebe schenken sollten. Denn egal, was wir verpassen: Am Ende bereuen wir es am meisten, die Gelegenheiten nicht genutzt zu haben, unsere Familie zu sehen oder mit ihnen zu sprechen, wenn sie einmal nicht mehr da sind. 

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