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Online-Plattform "Meal Train": Werdende Eltern bitten Nachbarn um Hilfe – und merken nicht, wie peinlich sie sind

Auf der Online-Plattform "Meal Train" kann man für Freunde in Not ein Inserat schalten, damit Nachbarn ihnen mit einer Mahlzeit aushelfen können. Ein junges Paar, das gerade ein Baby bekommen hat, nutzt diesen Service nun und hat dabei ziemlich dreiste Ansprüche.

Millennial-Eltern bitten Nachbarn bei "Meal Train" um dreiste Hilfe

Wenn jemand schwerkrank ist, frisch operiert oder auch gerade ein Kind bekommen hat, kann die tägliche Zubereitung von Mahlzeiten ein echter Kraftakt werden. Umso schöner, wenn man Hilfe aus der Nachbarschaft erhält. Die US-amerikanische Online-Plattform "Meal Train" ist dazu gedacht, dass Menschen ein Inserat für Freunde oder Bekannte aufgeben können, damit hilfsbereite Nachbarn ihnen in ihrer Notsituation mit Gerichten und Lebensmitteln aushelfen können. Das Konzept sieht nicht vor, für sich selbst eine Anzeige online zu stellen – vor allem nicht ohne triftigen Grund. 

Ein junges Paar hat das offensichtlich nicht abgeschreckt, selbst einen "Meal Train" für sich zu eröffnen, weil es ein Baby erwartet. Natürlich kann die Geburt eines Kindes frischgebackene Eltern überfordern und es ist vollkommen legitim, um Hilfe zu bitten – aber bereits vor der Geburt? Weil es sein könnte, dass man sich überfordert fühlen wird? Jim und Alex haben derart dreiste Ansprüche an die Helfer, dass ihr Inserat gerade auf Twitter viral geht. Dort hatte ein User Ausschnitte davon geteilt und seinen Ärger rausgelassen. 

Post von Millennial-Eltern geht auf Twitter viral

In einem Online-Netzwerk, in dem Nachbarn sich gegenseitig über Einbrüche und der gleichen informieren, habe jemand Folgendes gepostet, schreibt er: "Meine Frau und ich werden ein Baby bekommen. Ich starte einen 'Meal Train', weil es unser erstes Kind ist und keiner von uns beiden weiß, was auf uns zukommt." Dazu einen Link zum "Meal Train". "Es stellte sich heraus, dass sie tatsächlich vollkommen Fremde um Hilfe bitten – mit der am meisten nach Millennial klingenden Formulierung, die ich je in meinem Leben gesehen habe", schreibt der User, der sich JJ nennt, auf Twitter. Dazu postet er einen Screenshot der Anzeige: "Als werdender Vater eiere ich gerade durch einen Haufen von Gefühlen. Auf der einen Seite natürlich Freude und Aufregung. Auf der anderen Seite ist große Angst!. Wovor ich am meisten Angst habe, ist nicht genügend Schlaf zu bekommen und deswegen nicht in der besten Geistesverfassung zu sein, um meiner Frau die Unterstützung zu bieten, die sie braucht, um sich von der Geburt zu erholen." Deswegen bitte er um Hilfe in Form von Essen – bevor man es bringe, sei es nett nachzufragen, ob dem Paar vielleicht sonst noch etwas fehle.

JJ schreibt, er habe versucht, nichts Schlechtes zu denken. Vielleicht sei ja in etwa gemeint "Wenn ihr zu viel Lasagne gemacht habt, würden wir uns freuen". Aber nein. Es gibt es eine Liste mit mehr als 30 Rezepten, mit denen sie gerne bekocht würden. Darunter ziemlich fancy Sachen wie "Geröstete Süßkartoffel-Wraps mit karamelisierten Zwiebeln und Pesto" oder "Kürbis-Karotten-Eintopf mit Quinoa". Die Wunschliste klingt wie die Speisekarte in einem Hipster-Restaurant. Dazu schreiben sie, dass sie Zucker vermeiden und auf Bioqualität achten. "Alex mag wirklich keinen Kartoffelbrei. Aber noch mal: Es muss nicht unbedingt Essen sein. Schreibt mir eine SMS und vielleicht könnt ihr vorbeikommen und staubsaugen, den Abwasch machen oder mit dem Hund Gassi gehen", heißt es in dem Inserat weiter.

"Meal Train"-Service sei missbraucht worden

Twitter-User JJ ist vollkommen außer sich: "Dieser Typ toppt das alles damit, dass er uns erzählt, wir können uns für einen Tag eintragen und mit ihm simsen, damit sie entscheiden können, ob sie Leute sehen wollen oder nicht. Wir dürfen ihnen ein Gericht kochen und es ihnen in eine Kühlbox in ihrem Garten packen, weil sie nicht davon gestört werden wollen, zur Tür zu gehen." Denn tatsächlich steht eine solche Anweisung im Inserat ganz zum Schluss. "Wenn ich ihnen keine Eier gegen das Haus werfe, verdiene ich einen Preis", kommentiert JJ die Unverschämtheit.

Milliennials – das sind ihre Problem: "Selfie oder kein Selfie machen"

Unter seinem Twitter-Post regen sich auch andere User über die Dreistigkeit des Paares auf. Der "Meal Train"-Service sei für Freunde in Not und nicht für werdende Eltern, die es anscheinend nicht hinkriegen, sich auf ein Baby vorzubereiten. Auch in den Medien wird diskutiert. Die "New York Post" hat einen Screenshot der kompletten Anzeige hochgeladen, die Original-Anzeige ist inzwischen aber offline. JJs Post wurde mittlerweile tausendfach geliked und retweetet.

"Ich liebe diese Vorschläge wie 'Dunkle Schokolade (70 Prozent)' und 'frische Früchte'. Das ist nicht mal etwas, das man zubereitet, sie bitte Leute darum, ihnen Schokolade zu kaufen", macht sich JuliusKoetsier lustig.

"Ich habe Krebs im Stadium vier und lebe alleine, und ich würde nie erwarten oder keinen Fremden gar darum bitten, auch nur irgendetwas deratiges für mich zu machen. Diese Leute sind gestört", schreibt Phyllis.

"Der Typ hätte die Zeit, die er dafür verschwendet hat, Rezeptvorschläge zu posten, dafür nutzen können, sich auf die Vaterschaft vorzubereiten oder einen ganzen Kühlschrank voller Mahlzeiten zu kochen", fasst Juliet Williams klug zusammen.

"Das sind solche 'white-ass'-Millennials. Ich kann sie mir genau vorstellen: Er hat einen Bart und trägt eine Strickmütze, sie hat grüne Haare und einen Nasenring, und ihre Eltern 'verstehen sie einfach nicht'."

Mehr Klischee geht kaum ...

Das ist vielleicht auch eines der Probleme, warum dieses Inserat so viele Menschen verärgert. Auf der einen Seite ist es natürlich vollkommen okay, um Hilfe zu bitten, wenn man überfordert ist. Auf der anderen Seite ist es sehr fraglich, ob Fremde tatsächlich um zuckerfreien Bio-Quinoa-Eintopf und 70-prozentige Zartbitterschokolade bitten sollte ... (Mal abgesehen davon, dass sie alle Millennial-Klischees erfüllen, gegen die so viele junge Menschen jeden Tag ankämpfen.)

Millennial-Eltern bitten Nachbarn bei "Meal Train" um dreiste Hilfe

Quellen: Twitter / "New York Post" / Meal Train

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