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Antibabypille: Pause bei der Antibabypille: Mussten Millionen Frauen wirklich für den Papst bluten?

21 Tage Hormone nehmen, sieben Tage Pause machen und bluten: Das ist seit 60 Jahren die monatliche Routine für Millionen Pillen-Anwenderinnen. Doch die Pausen sind nach Ansicht von Experten unnötig. Warum also wurden sie überhaupt eingeführt?

Eine Packung Antibabypille liegt auf dem Tisch

Die katholische Kirche hat seit jeher Problem mit Verhütung - doch sie ist nicht der Hauptgrund für die monatliche Einnahmepause

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Die Fakultät für Sexual- und Fortpflanzungsmedizin am Royal College in London macht seit Tagen Schlagzeilen. Der Grund: Das Institut hat diesen Monat neue Richtlinien in Bezug auf die Antibabypille veröffentlicht – und die besitzen Sprengkraft. Nach Angaben der Fakultät birgt die 7-Tage-Pause bei Einnahme der Pille keine gesundheitlichen Vorteile. Frauen könnten daher in Absprache mit ihrem Gynäkologen selbst entscheiden, ob sie die Pause möchten – oder die Pille einfach durchnehmen und die Monatsblutung wegfallen lassen.

Die Meldung sorgte weltweit für Schlagzeilen. Was dabei jedoch oft vergessen wurde: Wirklich neu ist diese Einschätzung nicht. Unter anderem der Berufsverband der Frauenärzte wies schon im Jahr 2004 – also vor 14 Jahren darauf hin -, dass die monatliche Einnahmepause "in Hinblick auf Sicherheit und Verträglichkeit der Pille zu keiner Zeit erforderlich" ist. Das sind eigentlich gute Neuigkeiten für Frauen, die während der Einnahmepause mit Krämpfen, Kopfschmerzen und sonstigen Nebenwirkungen zu kämpfen haben.

Doch in der aktuellen Diskussion drängt sich eine Frage auf: Wenn die Blutung nicht nötig ist - warum wurde sie dann überhaupt eingeführt?

Seit Tagen geistert dazu eine Theorie durchs Netz. Aufgestellt hat sie John Guillebaud, ein Professor am University College in London. Er sprach mit dem Telegraph über die Gründe für die Pillen-Pause – und schob der katholischen Kirche den Schwarzen Peter zu. "Der Frauenarzt John Rock dachte sich (die Pause) aus, weil er hoffte, dass der Papst die Pille akzeptieren und die Verwendung bei Katholiken genehmigen würde. Rock dachte, wenn die Pille den natürlichen Zyklus nachahmen könnte, dann würde der Papst zustimmen."

Verwechslung mit Schwangerschaft

So schön diese Anekdote auch scheinen mag – ganz zutreffend ist sie offenbar nicht. Die Einführung der 7-Tage-Pause hatte nach Angaben des "Guardian" einen anderen Grund. Frühe Pillenpräparate waren demnach wesentlich höher dosiert als moderne Antibabypillen. Das steigerte das Risiko für Nebenwirkungen wie Übelkeit, darunter auch Morgenübelkeit. Das wiederum interpretierten frühe Pillen-Anwenderinnen als Anzeichen einer möglichen Schwangerschaft. Sie hörten folglich auf, die Pille zu nehmen und entdeckten, dass sie doch nicht schwanger waren. So entstand die Empfehlung für die 7-Tage-Pause – quasi als eine Art früher Schwangerschaftstest.

Wahr ist aber auch, dass die Pillen-Erfinder die Kirche davon überzeugen wollten, die neue Verhütungsmethode für Katholiken zuzulassen. Das begründeten sie aber nicht mit der monatlichen Blutung, sondern mit den Hormonen, die in der Pille stecken. Die Erfinder argumentierten, dass die Pille Gebrauch von Hormonen macht, die der Körper auch natürlicherweise produziert – und dass die Schwangerschaftsverhütung demnach auch auf eine gewisse Weise natürlich sei.

Risiken der Antibabypille

Was in der ganzen Diskussion aber nicht vergessen werden sollte: Die Aufhebung der Empfehlung für eine Pause bedeutet nicht, dass die Pille keine Nebenwirkungen hat. Die Verhütung mit der Antibabypille birgt gesundheitliche Gefahren, etwa ein erhöhtes Risiko für Venenthrombosen bis hin zu Depressionen. Ob und wie die Pille eingenommen wird – mit oder ohne Pause – sollte immer mit dem Frauenarzt besprochen werden.

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Quellen:

Guardian / Berufsverband der Frauenärzte e.V. 

ikr