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Meinung

Freizeitaktivitäten ohne Begleitung: Wer nichts alleine unternehmen kann, verpasst ganz oft das Beste!

Alleine auf ein Konzert, ins Kino oder in den Urlaub? Da bleiben viele lieber zu Hause. Damit berauben sie sich selbst aber einer Unmenge von schönen Erlebnissen.

Mann feiert allein

Party allein ist immer noch schöner, als sich hinterher darüber zu ärgern, etwas verpasst zu haben

Getty Images

Das Café in einer europäischen Hauptstadt hatte mich als Touristen gleich angesprochen. Ich hatte noch nicht gegessen und freute mich jetzt auf eine schöne lokale Spezialität. Schnell kam die Kellnerin herbei und legte zwei Speisekarten auf den Tisch. Das Problem: Ich saß alleine an diesem Tisch. Auf Englisch versuchte ich, der Bedienung klarzumachen, dass das auch so bleiben würde. Es war ein leicht peinlicher Moment für uns beide: Für sie, weil sie selbstverständlich davon ausgegangen war, dass nie jemand allein essen würde. Für mich, weil ich genau das vorhatte – und jetzt das Gefühl hatte, dass daran irgendwas falsch war.

Ist es aber nicht. Tatsächlich gehen laut einer Umfrage 72 Prozent der befragten Männer und 57 Prozent der Frauen regelmäßig oder zumindest gelegentlich allein essen. Daran ist nichts Verwerfliches, und doch scheint es verpönt zu sein, solche Dinge alleine zu unternehmen. Wer allein ist, um den muss man sich Sorgen machen. Dabei stehen viel eher Menschen, die nichts alleine unternehmen können und wollen, in der Gefahr, das Beste im Leben zu verpassen.

Viele trauen sich nicht, allein loszuziehen

Ob Kino, Konzert, Urlaub, Theater oder Fußballspiel – die gesellschaftlich akzeptierte Variante für solche Freizeitangebote ist es, sie zu zweit oder in der Gruppe zu besuchen. Bei den Ticketautomaten einer großen Kinokette, die im Eingangsbereich auch digital Karten verkauft, sind zwei Eintrittskarten die Standardeinstellung. Alles andere scheint eine Abweichung von der Norm zu sein. Das ist schade, denn so werden Menschen, die sich auch alleine unter Leute wagen, implizit stigmatisiert.

Vielen fällt es ohnehin schon schwer genug, sich ohne Begleitung zu einem gesellschaftlichen Event zu begeben. Es ist erstaunlich, wie unsicher manche sonst sehr selbstbewussten Personen bei dem Gedanken an einen Konzert- oder Kinobesuch allein werden. "Das würde ich mich nicht trauen", sagen dann Menschen, die schon von zehn Meter hohen Klippen ins Meer gesprungen sind. Das Rezept ist doch aber eigentlich ganz einfach: Man hat Lust auf etwas, man geht hin, man freut sich. Egal, ob jemand anderes dabei ist oder nicht.

Schränkt euch doch nicht selbst ein!

Natürlich ist es meistens schöner, wenn jemand mitkommt. Einen schönen Urlaub, einen lustigen Film oder ein intensives Konzert mit jemandem zu teilen, schafft eine Verbindung zwischen den Personen. Lieber zu zweit als allein irgendwohin zu gehen – dagegen ist nichts einzuwenden. Schwierig wird es allerdings, wenn wir uns selbst einschränken, weil wir für Dinge, die uns interessieren, keine Begleitung finden und dann darauf verzichten. Warum sollte man tolle Sachen verpassen, nur weil gerade niemand anders Zeit oder Lust hat?

Im Zweifelsfall ist es doch immer noch besser, alleine ein tolles Konzert mitzuerleben als gar nicht hinzugehen. Man kann sich hinterher auch Videos auf Youtube davon anschauen und sich ärgern, nicht dort gewesen zu sein. Aber man muss es nicht, wenn man einfach die Dinge durchzieht, auf die man Bock hat – ohne sich dabei von anderen abhängig zu machen.

Manchmal ist allein sogar besser als zu zweit

Und so schlimm ist es nun auch nicht. Die Wartezeiten und Pausen sind manchmal etwas nervig. Wenn es aber losgeht, das Theaterstück, das Konzert oder der Film, dann ist doch egal, wer gerade sonst noch dabei ist. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann ohnehin nach vorne – und wenn das, was du dir dort gerade anschaust, richtig gut ist, gibt es sowieso nur noch die Band oder die Schauspieler und dich.

Natürlich könnte man auch versuchen, jemanden zu einer Veranstaltung zu überreden, auf die man selbst gerade total Lust hat. Das kann toll werden, kann aber genausogut nach hinten losgehen – so sehr, dass man sich im Nachhinein gewünscht hätte, lieber allein dort gewesen zu sein. Denn wenn man selbst gerade den Act auf der Bühne leidenschaftlich feiert und neben einem jemand steht, der sich mit Mühe zu einem unverbindlichen Lächeln durchringt, dann schmälert das auch die eigene Freude.

Wer sich davor scheut, auch mal alleine loszuziehen, sperrt sich quasi selbst ein. Aber der Schlüssel ist ja noch nicht weggeworfen – man kann es immer noch ausprobieren. Es warten tolle Erlebnisse. Und wenn es richtig gut läuft, lernt man dabei vielleicht sogar jemanden kennen, der dafür sorgt, dass man in Zukunft nicht mehr alleine hingehen muss.