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"House of Cards" Wie viel Donald Trump steckt denn nun wirklich in Frank Underwood?

Frank Underwood Donald Trump
Zwei Machtmenschen: Frank Underwood, fiktiver US-Präsident in der Serie "House of Cards" (l.), und Donald Trump, US-Präsident im echten Leben
© picture alliance/DPA
Zum Start der fünften Staffel von "House of Cards" haben die Macher endgültig ein Problem: Die Fiktion wurde von der Trump’schen Realität überholt. Wenigstens könne die Kultserie auf die besseren Autoren zurückgreifen, sagt Kevin Spacey.

Vor ein paar Jahren war Kevin Spacey in der Show des US-Late-Night-Talkers Stephen Colbert zu Gast und plauderte ein bisschen aus dem Nähkästchen seiner Erfolgsshow "House of Cards". Colbert fragte den Schauspieler, an wen er sich in seiner Rolle als Frank Underwood eigentlich wende, wenn er seine Monologe direkt in die Kamera halte. Spacey antwortete scherzhaft: "Donald Trump" – lange bevor der ernsthaft als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in Erwägung gezogen werden musste. Seitdem sei aber ziemlich deutlich geworden, dass Trump ganz und gar nicht auf die Worte von Underwood höre, so Spacey jetzt bei einem neuerlichen Besuch in Colberts Sendung.

Der Moderator merkt daraufhin an, dass Trump "ein bisschen Underwood" guttun würde – weil er dann zumindest "einen kleinen Plan" hätte. Warum das aber nicht so leicht sei, erklärt Spacey kurz und schlüssig: "Wir haben die besseren Autoren." Und die haben spätestens jetzt, mit dem Start der fünften Staffel der Kultserie ein kleines Problem: Die Realität in Form der Trump’schen Präsidentschaft hat die Underwood-Fiktion endgültig überholt.

"House of Cards": In jeder Staffel das gleiche Problem"

Es sei jedes Mal das gleiche Problem: Pro Staffel würden sich drei, vier, fünf Storylines aus der Show plötzlich im echten politischen Leben in Washington ereignen, so Spacey – immer genau in dem Zeitraum, in dem die Folgen bereits abgedreht, aber noch nicht veröffentlicht sind. Die Macher würden sich dann immer sagen: "Ok, jeder wird glauben, wir haben die Story aus den Nachrichten geklaut – dabei waren wir in Wahrheit doch die Ersten." Viele Fans befürchten deshalb schon, dass "House of Cards" in diesem Jahr langweilig werden würde, weil es nicht mehr mit der Realität mithalten kann. Spacey hält klar dagegen: "Ich glaube, wir waren nie zuvor so relevant."

Relevant ohnehin – aber wie nah am wahren Leben denn nun wirklich? Vergleiche zwischen Underwood und Trump werden jedenfalls schon seit geraumer Zeit gerne gezogen. Dabei gibt es in erster Linie einen gravierenden Unterschied zwischen den beiden Präsidentendarstellern, dem aus der Serie und dem aus dem echten Leben: Spacey steht als Underwood sehr überzeugend für das politische Establishment in Washington, gegen dessen verkrustete Strukturen Trump im Wahlkampf so beständig wetterte, dass es ihm letztendlich zum Triumph verhalf. Underwood ist ein berechnender Taktiker, Trump scheint dagegen ausgesprochen selten über sein Handeln nachzudenken.

Underwood und Trump: "Getting things done"

Trotzdem gibt es auch Aspekte, in denen sich die beiden Machtmenschen sehr ähnlich sind: Sie gerieren sich als Anpacker, die "Dinge erledigen" ("Getting things done" ist einer von Underwoods Slogans) und damit Wähler mobilisieren. Sowohl Trump als auch Underwood scheinen sich dabei ziemlich wenig um die Ideologie ihrer Parteien zu scheren. Demokrat Underwood hält mit der Verachtung seiner Genossen nur selten hinterm Berg, Trump widerspricht mit seiner Haltung bisweilen gar den grundsätzlichen Werten seiner republikanischen Partei.

Die eigentliche Pointe des Serienverlaufs von "House of Cards", das 2013 inmitten der Ära von Barack Obama startete, ist aber eine andere: Kritiker erkannten von Beginn an eher die Parallelen zwischen Frank Underwood und seiner Frau Claire sowie Bill und Hillary Clinton. Im Anschluss an die Präsidentschaften der Männer schien der Aufstieg der Frauen ins höchste Amt in Washington nahezu synchron zu verlaufen. Erst Hillarys Niederlage gegen Trump im vergangenen November setzte diesem spannenden Fall vom Leben, das die Kunst imitiert, ein Ende – und stellt die Netflix-Show vor ihre bisher größte Herausforderung. Sie dürften ihr gewachsen sein. Immerhin hat "House of Cards" ja die besseren Autoren.

"House of Cards": Wie viel Donald Trump steckt denn nun wirklich in Frank Underwood?

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