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Rapper Bausa: "Digga, du kennst den nicht?" – der Mann hinter "Was du Liebe nennst"

Mit "Was du Liebe nennst" steht Bausa derzeit auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Der Song ist eine Mischung aus Rap, Auto-Tune und R&B. Es ist sein erster großer Hit. Aber wer ist Bausa überhaupt?

Der Musiker Bausa bei einem Auftritt

Bausa bei einem Auftritt auf der IdeenExpo 2017

Ich saß neulich bei einem Kollegen im Wohnzimmer. Wir haben FIFA 18 gespielt. Nebenher lief Musik. Hauptsächlich Deutschrap. 95 Prozent der Lieder kannte ich schon, weil sie entweder alt waren oder ich sie irgendwann schon mal beim Feiern im Club gehört hatte. Doch dann lief auf einmal dieser eine Song: Der Beat erinnerte mich an die Gameboy-Spiele der 90er-Jahre. Eine verrauchte kratzende Auto-Tune-Stimme wiederholte ziemlich oft das Wort "ja". Die Nummer gefiel mir auf Anhieb. Deshalb fragte ich auch direkt meinen Kollegen, wie der Track heiße und er antwortete: "Digga, du kennst den nicht? Das ist "Was du Liebe nennst" von Bausa."

Bausa? Da war doch was? Richtig, der war auf der "Tannen aus Plastik EP" von Bonez MC und Raf Camora vertreten. Das war eines der angesagtesten Alben des letzten Jahres. Auf "Attramis" hatte er einen Gastbeitrag. Bereits dort ist er mir aufgefallen – und ich hatte mich schon damals gefragt: "Wer ist dieser Kerl?" Ihr kennt es bestimmt auch. Wenn ihr einen Künstler entdeckt, gebt ihr anschließend bei Spotify und Co. seinen Namen ein und hört euch an, was derjenige sonst noch so für Musik macht. Zu der Zeit, Ende 2016, gab es noch nicht besonders viel von ihm.

Trotzdem war er schon bei Warner Music unter Vertrag. Ein Major-Label-Deal. Dabei hatte Bausa gerade erst ein Mini-Album veröffentlicht – "Seelenmanöver". 2014 kam die EP raus. Und schon damals viel vor allem seine prägnante Stimme auf: "Ich weiß nicht, woher ich sie habe – sie war schon immer da und ist ein Geschenk Gottes", heißt es in seiner Biografie. Doch der Weg dorthin war kein leichter.

Vom Problemkind zum Nummer-Eins-Hit

1989 wird er in Saarbrücken geboren. Als Bausa sieben Jahre alt ist, kriegt sein Vater einen Job in Stuttgart. Die Familie zieht um – nach Bietigheim, eine Kleinstadt unweit der baden-württembergischen Landeshaupthauptstadt. Musik und vor allem Hip-Hop werden in dieser Zeit immer mehr zu seinem Lebensmittelpunkt: "Rap war dort allgegenwärtig. Wir haben alle Rap und R&B gehört, da kam man nicht drumherum", so der Musiker. 

Irgendwann fängt er an, selbst Musik zu machen. Zunächst bringt er sich auf seinem Keyboard das Spielen bei. Dann schreibt er seine ersten eigenen Texte. Mit 14 Jahren fängt er schließlich zu rappen an: "Es war anfangs nur Battlerap auf irgendwelchen Beats, die ich im Internet runtergeladen habe", erzählt er im Interview der Online-Seite "hihop-bb21". Schließlich beginnt er, seine Musik aufzunehmen, arbeitet sogar an seinem ersten eigenen Mixtape. Es kommt allerdings nicht raus. 

Der gebürtige Saarländer steht sich zunächst selbst im Weg. Er baut ziemlich viel Scheiße: Erst steckt ihn das Jugendamt in ein Erziehungsheim, dort kommt es wieder zu Problemen. Er fliegt nach nur einem Jahr raus und hat keinen Schulabschluss. Aber Bausa schafft es, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Er macht eine Ausbildung. Nur seine Musikkarriere steht erst einmal hinten an. Als er nach ein paar Jahren wieder anfängt, Musik zu machen, befindet sich Deutschrap "in einer Art Kreativpause". Seine Reaktion darauf: Er entfernt sich etwas vom Genre.

Bausa schafft den Grad zwischen cool und erfolgreich

Er macht fortan eine Mischung aus Rap, R&B mit Soul-Einflüssen. Mit Capo, dem kleinen Bruder von Haftbefehl, findet er einen Fan, der seine Musik feiert und ihn bei seinem Label "Hitmonks" unter Vertrag nimmt. Dort veröffentlicht er letztlich jenes Mini-Album "Seelenmanöver". Bereits in diesen Songs fällt auf: Rap im klassischen Sinn – also Kick, Drum, Snare, Sample – ist es nicht. Stattdessen sind viele Gesangsparts dabei. Die Hip-Hop-Online-Seite "16-Bars" trifft es ganz gut mit der Beschreibung: "Das Soundbild schwebt irgendwo zwischen basslastiger Trap-Musik und sphärischer Cloud-Rap-Atmosphäre." Genau diese Art von Musik kommt gut an. Es geht peu à peu bergauf. Features mit Sido und Haftbefehl folgen – und eben auch Bonez MC und Raf Camora.

Im April erscheint dann auch noch sein erstes Soloalbum "Dreifarbenhaus". Damit gelingt ihm sogar der Sprung in die Top-Ten der Album-Charts. Nun, fast ein Jahr später, steht er mit "Was du Liebe nennst" auf Platz eins der Single-Charts in Deutschland. Ein Aufstieg in so kurzer Zeit, der zeigt, dass Bausa etwas hat, was es bisher in der deutschen Musikszene nicht gab: ein Händchen für Hits, die zeitgemäß sind, aber nicht platt.

Das Problem vieler erfolgreicher Popsongs ist, dass sie oftmals nur der Mainstream gut findet. Bausa ist quasi das Pendant dazu. Seinen Hit "Was du Liebe nennst" feiern zum einen die Leute von der Straße und zum anderen beschweren sich auch die Älteren nicht, wenn der Track im Radio läuft. Und diesen Grad zwischen cool und erfolgreich zu schaffen, ist schwierig. Das gelingt ihm, weil er diese einzigartige Stimme hat und man ihn keinem bestimmten Genre zuordnen kann. Im Interview mit dem Vice-Ableger "Noisey" sagte er dazu: "Wer mein Album hört, dem fällt auch auf, dass da relativ wenig Rap drauf ist, für ein Rapalbum. Ich singe sehr viel. Dieses Musikalische will ich mehr in Angriff nehmen."

Man kann es als Ansage verstehen, dass "Wenn du Liebe nennst" erst der Anfang ist und in Zukunft wohl noch mehr solcher Hits folgen werden. Den Namen Bausa solltet ihr euch also, genauso wie ich, merken! 

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