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Finanzen verstehen: Brutto, netto - hä? Wir erklären dir deinen Gehaltszettel

Die erste Gehaltsabrechnung ist da - aber du verstehst nur Bahnhof? Kein Problem: NEON erklärt dir, wie das mit den Steuern und Versicherungen so läuft.

Von Katharina Viktoria Weiß

Gehaltsabrechnung

Juhu - das erste Gehalt ist da! Aber was steht da eigentlich auf der Abrechnung?

Wer erinnert sich noch: In der Glückseligkeit der Jugendjahre bekam man von Oma 50 Euro in die Hand gedrückt. Ganz nach eigenem Belieben durfte man diese dann in Boybandposter, Skateboard-Shirts und später dann in Schnaps investieren. In der Welt der Erwachsenen ist "bekommen=haben=ausgeben" keine so einfache Rechnung. Dass Arbeitgeber nicht so nett wie Omi sind, schwant einem schnell. Aber mit der Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettoeinkommen haben noch so manche Twentysomethings ihre Schwierigkeiten.

Brutto oder netto? Hier kommt die ultimative Eselsbrücke

Deshalb eine leicht dämliche, aber effektive Eselsbrücke: Brutto ist brutal, weil es noch nicht von Steuern und anderen Abgaben befreit wurde. Netto ist nett, weil man diesen Betrag tatsächlich auf das Konto überwiesen bekommt – dort bleibt er so lange, bis sich dein Mobilfunkanbieter oder Firmen wie Netflix davon ihre Scheibe abschneiden. Damit wären wir auch schon beim Thema: Was wird mir vom Brutto eigentlich abgezogen?

Wo finde ich was auf meinem Gehaltszettel?

Grundlegend dafür sind zunächst deine Merkmale als Arbeitnehmer, sie stehen meistens rechts oben auf dem Gehaltszettel. Der SV-Schlüssel gibt zum Beispiel Auskunft über das Angestelltenverhältnis: Als Werkstudent lautete deine Nummer zum Beispiel "0100", als voll versicherungspflichtiger Angestellter "1111".

Ein anderes Merkmal ist die monströse, zwölfstellige RV-Nummer: Hinter der ominösen Zahl verbirgt sich deine Rentenversicherungsnummer. Wurdest du nach 2005 geboren, hast du sie seit deiner Geburt. Bist du älter, wurde dir die Nummer bei Aufnahme deiner erste sozialversicherungspflichtigen Arbeit zugeteilt. Das heißt bei dem ersten Job, der dir mehr als 450 Euro im Monat einbrachte (oder mehr als 5.400 im Jahr). Diese Nummer bleibt dein ganzes Leben gleich und bescheinigt dir, wenn es dann endlich soweit ist, die Zugehörigkeit zur Rentenversicherung. Falls es dann noch Rente gibt, versteht sich.

In der Mitte des tummeln sich dann Stundenlohn, besondere Zuschläge oder Feiertagspauschalen und die Abzüge.

Lohnsteuer, Kirchensteuer, Soli

Den größten Abzug vom Brutto-Einkommen stellt die Lohnsteuer dar, sie liegt zwischen 14 und 45 Prozent des Jahreseinkommens.

Von diesem Betrag ausgehend wird auch die Kirchensteuer berechnet – soweit man Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche ist. In Bayern und Baden-Württemberg werden 8 Prozent des Lohnsteuerbetrags abgezogen. Im Rest Deutschlands 9 Prozent.

Anhand der Lohnsteuer bemisst sich auch der Solidaritätszuschlag, mit dem seit 1991 ursprünglich einmal das Entwicklungsgefälle zwischen Ost- und Westdeutschland ausgeglichen werden sollte. Wer im Monat mehr als 81 Euro Lohnsteuer zahlen muss, der muss noch einmal 5,5 Prozent des Lohnsteuerbetrags ans Finanzamt abdrücken.

Abgaben zur Absicherung

Von deinem Bruttogehalt wird dir außerdem 9,3 Prozent für die Rentenversicherung abgezogen. Hinzu kommt der Krankenkassenbeitrag: Für gesetzlich Versicherte liegt dieser bei festgelegten 7,3 Prozent. Darauf addiert sich ein Zusatzbeitrag, den deine Krankenkasse mit Blick auf die Höhe deines Einkommens und deiner gewünschten Leistungen erhebt. Neben dem Krankenkassenbeitrag muss auch eine Pauschale für die Pflegeversicherung entrichtet werden. Wer unter 23 und kinderlos ist, der zahlt 1,275 Prozent. Darüber sind es noch einmal 0,25 Prozent mehr. Zu guter Letzt leisten fast alle Angestellten einen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung, der liegt bei 1,5 %.

Der Rest wird dir dann als Nettogehalt ausgezahlt. Wer das schnell durchgerechnet hat und sich kurz für reich hält, der sollte aber bedenken: Von dieser Summe müsst ihr monatliche Fixkosten wie die Wohnungsmiete, Strom-, Wasser-, Gasrechnungen, Handypauschalen und Versicherungen wie die Haftpflicht oder Autoversicherung bezahlen. Von Spotify, Audible, oder Amazon Prime ganz zu schweigen.

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