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Merle Collet: NEON-Traumjob: Wie wird man eigentlich ... Schauspielerin?

Traumjob gefunden: Merle, 31, ist Schauspielerin. Aber wie wird man das? Und was macht sie den ganzen Tag? Mit NEON hat sie über die Bezahlung, harte Zeiten und Castings mit Elyas M'Barek gesprochen.

Merle Collet beim Gespräch mit NEON

Merle Collet beim Gespräch mit NEON

Um wen geht's?

Merle Collet ist 31 Jahre alt, lebt in Berlin und arbeitet als Schauspielerin. Sie dreht regelmäßig für TV-Filme oder die NDR-Comedy "Deich TV". Auch bei Serien wie "Einstein" oder "Familie Dr. Kleist" war sie schon zu sehen.

Was machst du den ganzen Tag?

Das ist sehr unterschiedlich. Gerade hatte ich eine stressige Woche mit völlig unterschiedlichen Castings. Das bedeutet dann den ganzen Tag Text lernen und proben. Castings sind sehr aufregend, letztes Jahr hatte ich eines mit Elyas M'Barek. Für die Rolle sollte ich in Unterhose vor ihm stehen – ich war doppelt nervös! Diese Woche habe ich mich auf eine Rolle als Roboter vorbereitet, auf eine als Hebamme und eine als Apfel-Plantagen-Besitzerin.

Wenn ich drehe, geht's morgens in die Maske, danach schlüpfe ich in mein Kostüm und es gibt erste Textproben mit dem Regisseur. Anschließend wird gedreht, dazwischen muss ich auch mal auf meinen Einsatz warten. Für eine Serienepisodenhauptrolle gibt es so zwischen drei und fünf Drehtage, die dann über einen Zeitraum von drei Wochen verteilt sein können. Ich lasse mich auch für jede Rolle coachen. Ich lese das Drehbuch und arbeite dann gemeinsam mit einem Coach an meiner Rolle. Sie ist quasi wie eine Psychologin für meine Figur, wir sprechen über den Charakter, den ich spielen soll.

Wie wird man das?

Bei mir war es eher ein Zufall. Ich komm vom Tanzen und hab schon vor meinem Abi überlegt, was ich damit machen könnte. Ich bin dann auf eine Musical-Schule gegangen und dort hat mir ein Dozent im ersten Semester gleich geraten, mich an den staatlichen Hochschulen für Schauspiel zu bewerben. Also hab ich in Berlin, Essen, Ludwigsburg, Hamburg, Hannover und Leipzig vorgesprochen. In Leipzig hab ich die Prüfung auch bestanden – war aber auf Platz zwei der Warteliste. Da merkt man schon, wie hart der Job ist. Von hunderten Bewerbern werden jeweils nur sechs Frauen und Männer genommen.

Ich hab den Platz am Ende nicht bekommen und stattdessen Literatur und Kunstgeschichte in Berlin studiert. Trotzdem hab ich nebenbei immer weiter gespielt, bei Kurzfilmprojekten zum Beispiel. Und ich hab immer weiter daran geglaubt, bis es irgendwann mit größeren und bezahlten Projekten geklappt hat. Aber ich hatte auch Glück, dass ich die richtigen Leute getroffen habe, die in mir die schauspielerische Begabung oder eine gewisse Austrahlung gesehen haben.

Merle bei den Dreharbeiten zu "Klicknapped", der neuen Serie von Funk

Merle bei den Dreharbeiten zu "Klicknapped", der neuen Serie von Funk

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

Die erste Frage von Außenstehenden ist häufig: "Kannst du davon leben?" Für mich ist das typisch Deutsch, immer geht es zuerst ums Geld. Natürlich ist das wichtig, aber in erster Linie sollte es doch darum gehen, seine kostbare Lebenszeit mit einem Beruf zu verbringen, der einen glücklich macht. Schauspielerei ist so vielseitig, auch wenn man manchmal vielleicht nur durch Nebenjobs davon leben kann. Wenn man ihn mit Leidenschaft macht und sich Zeit für die Kunst nimmt, kann das sehr bereichernd sein. Und von Castern kann ich nicht mehr hören: "Du bist Favoritin - aber wir müssen uns nochmal besprechen!"

Wie ist die Bezahlung?

Ich kann mittlerweile auch ohne Nebenjobs davon leben, was total schön ist. Aber das hat gedauert. 2009 hatte ich den Abschluss an der Musicalschule und zirka sechs Jahre lang habe ich nur nebenbei geschauspielert. Die Bezahlung variiert stark von Projekt zu Projekt. Beim Fernsehen kommt es auf den Sender an. Das ZDF guckt zum Beispiel, wie alt du bist, wie viel Erfahrung du mitbringst, ob und was für eine Ausbildung du hast. Von 700 bis zu mehreren tausend Euro am Tag ist alles drin, je nach Größe der Rolle. Bei den privaten Sendern ist es grundsätzlich aber mehr, bei Kinofilmen auch.

Was ist das Beste am Job?

Dieses Eintauchen in die Rolle. wenn ich einen Charakter mit Leben füllen darf, der irgendwann nur die Idee im Kopf eines Autors war. Und auch der Applaus, sei das jetzt in Form von persönlichem Feedback oder echtes Klatschen.

Was ist das Nervigste?

Das Warten nach einem Casting. Das kann sehr zermürbend sein, da es sich manchmal über Wochen hinzieht. Und weil ich mir jedes Mal wieder Hoffnungen mache und alle Möglichkeiten gedanklich durchspiele. Wenn es am Ende dann einfach nur eine Typ-Frage ist, dann kann eine Absage auch mal eine große Ernüchterung sein. Auch, wenn es natürlich erfreulich ist, überhaupt so weit zu kommen und sich zeigen zu dürfen.

Dein Tipp für Newcomer?

Trainiert das Handwerk! Man sollte ständig an sich arbeiten, auch wenn natürlich Talent dazu gehört. Und glaubt an euch! Man sollte sich Kritik zwar anhören, aber nicht nicht jede einzelne zu Herzen nehmen. So lange dir Leute sagen, dass du richtig bist, einfach weitermachen.
Und bei mir war der Schauspiel-Coach wirklich entscheidend, da hab ich nochmal viel an mir gearbeitet. Da geht zwar viel Gage drauf, aber das lohnt sich.

Mehr Traumjobs findet ihr unter neon.de/traumjob.

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