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In der "Würstchenfalle": Gehaltserhöhung, Weiterbildung, Auszeit: Wie man sich beim Chef durchsetzen kann

"Chef, du kannst mich mal ... besser bezahlen, zur Fortbildung schicken oder ins Sabbatical lassen!" Drei Experten erklären, wie man sich besser durchsetzt und was man tun kann, wenn man bereits in der "Würstchenfalle" steckt.

Von Gina Nicolini und Charlotte Friederich

Frau liegt mit Kopf auf dem Tisch vor einem Laptop

"Wer gekränkt ist, ist weniger leistungsfähig", sagt Psychologin Bärbel Wardetzki (Symbolbild)

Getty Images

Ich bin 19 Jahre alt, als ich mich zum ersten Mal in ein Würstchen verwandle. "Nee, Gina, also die erste Gehaltserhöhung hat echt noch Zeit", sagt mein Chef süffisant. Ich möchte wohlgemerkt 50 Cent mehr pro Stunde: Ich möchte 7,20 Euro statt 6,70 Euro für einen stressigen Studentenjob, für den ich die erste Bahn um fünf Uhr nehme oder erst um 23 Uhr zu Hause bin und in einem hippen Café Thunfisch auf Sandwiches schmiere. Gibt’s aber nicht. Und nun? Ich stecke in der Würstchenfalle. Wehre ich mich – nur wie? –, ist die Chance groß, dass es scheitert. Wehre ich mich nicht und arbeite weiter wie gehabt, denkt mein Chef aller Wahrscheinlichkeit nach, ich sei ein armes Würstchen.

Fast alle bitten irgendwann in ihrem Job um etwas. Mehr Gehalt, Überstundenausgleich, eine Weiterbildung, andere Arbeitszeiten oder eine Auszeit. Wenn alles klappt: super! Wenn nicht, sind die meisten ratlos, was sie machen sollen. Schmollen, angreifen, nichts tun, kündigen?

Jannis, 30, aus Bielefeld erging es auch so. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung wurde er als Logistiker übernommen, und er hoffte auf eine Stelle im Außendienst. Dann bot ihm allerdings der Leiter des Innendiensts eine Stelle an. Jannis lehnte ab. "Es gab eine große Diskussion, und ich musste sogar bei der Geschäftsführung vorsprechen, damit ich überhaupt bleiben konnte", erzählt er. Immer wieder wurde Jannis mit leeren Versprechen auf die Außendienst-Stelle abgespeist. So ging das über Jahre. "Ich wurde bei Gehaltserhöhungen übergangen, und Kollegen wurden an mir vorbeibefördert. Ich kam mir blöd vor und machte irgendwann nicht mal mehr Dienst nach Vorschrift und war fast die Hälfte meiner Arbeitszeit krank."

Irgendwann hielt Jannis es nicht mehr aus, also stellte er seinen Chef vor die Wahl: Entweder die nächste freie Stelle wäre seine oder er würde kündigen. Es klappte. Jannis hatte Glück – denn Experten raten von solchen Ultimaten ab.

Schritt 1: Die Absage verdauen

Zuerst sollte man tief durchatmen und sich emotional von der Absage distanzieren. "Oft empfindet man es als persönliche Kränkung, wenn der Chef eine Forderung ablehnt", sagt die Psychologin Bärbel Wardetzki. Sie ist spezialisiert auf psychotherapeutische Ansätze zu Problemen am Arbeitsplatz. Sie beschäftigte sich etwa mit Mobbing, dem Umgang mit Blendern und schrieb ein Buch über die "Kränkung am Arbeitsplatz". "Wer gekränkt ist, ist weniger leistungsfähig und verliert die Motivation, Leistung zu erbringen", sagt Wardetzki. Wenn wir es also schaffen, eine Absage nicht persönlich zu nehmen und nicht als Kritik an uns als Person zu verstehen, wird das Gefühl, ein Würstchen zu sein, gleich viel kleiner.

Meist liegt die Ursache für gekränkte Gefühle viel weiter zurück. "Fühle ich mich schnell gekränkt, liegt dem meistens eine bereits vorhandene Verwundbarkeit zugrunde", so Wardetzki. "Darüber muss ich mir im Klaren sein und mich bewusst auf die Suche nach meinem wunden Punkt in meiner Vergangenheit machen, der der jetzigen Situation ähnelt." Hatten wir beispielsweise einen Lehrer in der Schule, der uns ungerecht benotet hat, werden wir eine ungerechte Behandlung automatisch als kränkender empfinden als jemand, der keine derartige Erfahrung gemacht hat. Aus verletztem Selbstwertgefühl verhalten wir uns oft destruktiv, geraten im schlimmsten Fall sogar völlig aus der Fassung und brechen in Tränen aus oder brüllen dem Chef ins Gesicht, dass wir ihn für einen unfähigen Trottel halten. Oder wir rutschen ins andere Extrem, werden passiv und pampig. Ungut.

Aber leider eben auch menschlich. Eine Situation, die der Doktorand Jonas, 28, aus München auch gut kennt. Er arbeitet in der wissenschaftlichen Forschung und wollte innerhalb seiner Abteilung einem anderen Projekt zugeteilt werden. Die Aufgaben wären cooler gewesen, hätten besser zu seiner Doktorarbeit gepasst. Doch seine Chefin lehnte ab. Sie sagte, sie glaube nicht, dass er den Aufgaben gewachsen sei. Allerdings nicht ihm. "Sie hat es mir nicht mal selbst gesagt, sondern ließ es mir über einen Kollegen ausrichten, ein Scheißgefühl." Die Stimmung im Büro war danach natürlich angespannt, er reagierte seiner Chefin gegenüber pampig und genervt, und seine Motivation rauschte in den Keller. Das Schlimmste war laut Jonas: "Ich konnte sie nicht einmal darauf ansprechen, weil sie meine Doktorarbeit betreute und ich Angst hatte, dass die Situation eskaliert." Jonas schwieg, ertrug es und sitzt die Sache noch immer aus.

Schritt 2: Das Gespräch suchen

Aushalten und abwarten sollte allerdings nicht der bevorzugte Weg sein, einen Konflikt bei der Arbeit zu beseitigen. Nur durch ein Gespräch kann man sich aus der Falle wieder herausbugsieren. Denn aufgestauter Ärger im Job kann zu psychosomatischen Symptomen wie Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen. Nachdem man die erste Kränkung verdaut hat, ist es deshalb am besten, den Mund aufzumachen und dem Chef oder der Chefin zu sagen, dass man mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden ist. Im besten Fall kommt es daraufhin zu einem klärenden Gespräch über die Absage, in dem konkrete Gründe genannt werden über die man im Zweifel auch diskutieren darf. Nur so besteht die Chance, aus der Würstchenfalle herauszukommen.

Die Rechtsanwältin Barbara von Petersdorff-Campen arbeitet als Mediatorin und weiß aus ihrer Berufspraxis, wie man ein konstruktives Verhandlungsgespräch führt. Es beginnt mit einer guten Vorbereitung: Was will ich fordern? Weshalb will ich das? Und wie begründe ich, dass meine Forderung angemessen ist? "Nur wer seine Wünsche klar und ohne Vorwurf formuliert, wird sein Gegenüber dazu bringen, das Anliegen ernsthaft zu durchdenken", sagt die Expertin.

Sie rät, dabei ausschließlich positive Argumente aus der Ich-Perspektive vorzubringen. Konkret bedeutet das: Dem Chef Argumente liefern. Warum bin ich überzeugt, dass ein Sabbatical dem Unternehmen und nicht nur mir hilft? In welcher Hinsicht würde sich die Fortbildung positiv auf meine Arbeitsleistung auswirken? Im besten Fall hat man das schon beim ersten Gespräch versucht. Wenn das nicht gefruchtet hat, ist es wichtig, sich beim Folgegespräch mit weiteren Argumenten auszustatten. Doch was macht man, wenn alles nicht hilft, es trotz aller Argumente immer noch bei einem Nein bleibt? Kann ich mich aus der Würstchenfalle herausklagen?

Schritt 3: Konsequenzen ziehen

Auch wenn man große Lust hat: Man sollte seinen Vorgesetzten nicht erpressen. Wirklich. Auch nicht sofort mit rechtlichen Konsequenzen drohen. Da sind sich die Experten einig. Nicht nur, weil ein offener Rechtsstreit das Arbeitsklima endgültig versaut. Viel häufiger gibt es gar keine rechtliche Grundlage. Die meisten Dinge darf man sich zwar wünschen, man kann diese Wünsche aber nicht einklagen. Manchmal schon. Und manchmal hilft es zu bluffen.

Der Münchner Fachanwalt für Arbeitsrecht Stefan Griebeling hat eine smarte Methode. Er rät, erst mal in Ruhe und im Geheimen mit einem Rechtsbeistand zu sprechen und von ihm die eigene Lage einschätzen zu lassen und sich dann gegebenenfalls Hilfe bei Formulierungen einzuholen. Griebeling sagt: "Ich agiere dann als Ghostwriter und schreibe im Namen der Person einen Brief." Der Brief signalisiere dem Arbeitgeber, dass sein Mandant fundiert über seine Rechte Bescheid weiß. Habe ich einen rechtlichen Anspruch auf meine Wünsche, oder wäre es ein persönliches Entgegenkommen der Firma? Arbeitet man in einer großen Firma, kann einem der Chef ein Recht auf Teilzeit zum Beispiel nicht verwehren. Und ist eine Firma an Tarifverträge gebunden, hat man auch eine Handhabe bei der Gehaltsverhandlung.

In vielen Fällen, so Griebeling, reicht so ein juristisch angereicherter Brief schon, um die Situation zu klären. Griebeling sagt: "Der Gang zum Gericht oder gar eine Kündigung sollte immer das letzte Mittel sein."

Also besser immer mit dem Florett als mit dem Säbel kämpfen. Ein Ultimatum ist zwar kein Kündigungsgrund, aber man sollte bedenken, dass ein Chef auch ein paar Joker im Ärmel hat. Etwa die "verhaltensbedingte Kündigung". Die kann der Chef immer dann zücken, wenn der Angestellte seinen Pflichten nicht nachkommt. Oder durchdreht. Ein Grund für die fristlose Kündigung kann die "Beleidigung des Arbeitgebers in seiner Anwesenheit" (§626 Abs. 1 BGB) sein. (Übrigens auch, wenn man das "Arschloch" in der nächsten Sekunde zurücknimmt, dazu gibt es ein Urteil.)

Damals im Café hatte ich dann übrigens doch noch Erfolg mit meinem 50-Cent-Anliegen. Nach ein paar Wochen, in denen ich gute Arbeit geleistet hatte und die Gäste zufrieden gewesen waren, kam mein Chef auf mich zu, und ich bekam meine Gehaltserhöhung ohne noch mal selbst fragen zu müssen.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 07/2017 erschienen.

Ausgestorbene Berufe
gho
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(