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Nachhaltige Arbeitswelt: Neun-Stunden-Woche: Warum du fürs Klima weniger arbeiten solltest

Vier-Tage-Woche, Homeoffice, Sechs-Stunden-Tag – in der Arbeitswelt verändert sich gerade einiges. Doch was, wenn weniger Arbeiten nicht nur glücklich macht, sondern auch gut fürs Klima ist? Wie das funktionieren könnte, erklärt eine neue Studie.

Männer im Anzug schauen in den Himmel

Kopf raus aus den Wolken und rein ins Büro: Neue Arbeitszeitmodelle könnten auch Einfluss auf die Umwelt haben (Symbolbild)

Getty Images

In vielen Unternehmen setzt sich in den vergangenen Jahren eine neue Arbeitskultur durch. Arbeiten um zu leben – und nicht Leben, um zu Arbeiten, ist die neue Maßgabe. Vorbei die Zeiten von Nachtschichten im Büro und Schlafentzug. Nicht nur der Generation Y ist Freizeit wichtiger als Erfolg – immer mehr Unternehmen haben entdeckt, dass ihre Mitarbeiter einen Ausgleich zur Arbeit suchen und brauchen. Denn weniger Stress und Arbeit bedeutet im besten Fall glücklichere Mitarbeiter, die hinter dem Unternehmen stehen. Und moderne Arbeitszeitmodelle können laut einer aktuellen Studie nicht nur gut für die Mitarbeiter sein, sondern auch für die Umwelt.

Denn in unserem Arbeitsleben gibt es noch viel Entwicklungspotential beim Thema Klima. Und das bedeutet nicht, bei der Büro-Obstkiste auf regionale Äpfel statt auf Überseebananen umzusteigen. Nein, die ganze Wirtschaft müsste sich ändern: Industrienationen setzen seit Jahrhunderten auf Wachstum und oftmals Massenproduktion. Das verbraucht Ressourcen und Arbeitskraft – und schadet fast immer der Umwelt. Was also, wenn in Unternehmen weniger gearbeitet und produziert wird?

Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Treibhausgas

Dazu hat ein britischer Thinktank den Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und Arbeitszeiten untersucht. Das Ergebnis: Um die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, also das aktuelle Ziel der internationalen Klimapolitik einzuhalten, müssten wir nur noch neun statt vierzig Stunden in der Woche arbeiten. In ihrer Studie, die auf Daten der Welthandelsorganisation OECD und der UN beruhen, untersuchen die Autoren den Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und dem Bruttoinlandsprodukt in Großbritannien, Deutschland und Schweden.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fasst alle Güter und Dienstleistungen zusammen, die innerhalb eines Jahres in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. Im Vergleich mit dem CO2-Ausstoß kann man also sehen, welche Wirtschaft am meisten Kohlenstoff produziert und welches BIP nachhaltig wäre. Setzt man das in ein Verhältnis zu den Arbeitsstunden, ergibt sich, wie viel wir arbeiten sollten, um möglichst wenig Treibhausgase zu produzieren.

Tschüss, 40-Stunden-Woche!

Das Ergebnis lässt das Herz von Verfechtern moderner Arbeitsmodelle höher schlagen – denn es ist eine Abkehr von der klassischen 40-Stunden-Woche. Und in dieser 9-Stunden-Rechnung sind die anderen Auswirkungen von weniger Arbeit auf unseren Planeten noch gar nicht mit einbezogen. Denn weniger Arbeitsstunden würde auch weniger Pendler und damit weniger Verkehr und natürlich auch weniger Güter, weniger Transport und weniger Konsum bedeuten. "Der Weg zu einer grünen, nachhaltigen Gesellschaft erfordert ein Reihe von Strategien – eine kürzere Arbeitswoche ist nur eine davon", sagte Will Stronge, Direktor des Thinktanks, der die Studie verantwortet, dem "Guardian".

Der Vorschlag des Thinktanks ist jedoch vielmehr der berüchtigte Wink mit dem Zaunpfahl als eine wirkliche Empfehlung. Denn es ist nur schwer vorzustellen, wie eine Volkswirtschaft so eine Verringerung der Produktion umsetzen soll. Aber auch hier könnte eine kleine Veränderung schon viel bewirken. So zeigte eine Studie aus dem Jahr 2013, dass man die Erderwärmung um 25 bis 50 Prozent reduzieren könnte, wenn in den gesamten Vereinigten Staaten von Amerika die Arbeitszeit um 0,5 Prozent reduziert würde.

Mehr Produktivität trotz weniger Arbeit

Dass weniger Arbeiten dabei nicht unbedingt einen Verlust an Produktivität darstellen muss, zeigt ein Beispiel aus Deutschland. Eine Bielefelder Agentur führte vor einem Jahr die 25- statt der 40-Stunden-Woche ein: statt acht wird dort also nur noch fünf Stunden am Tag gearbeitet. Laut Angaben des Geschäftsführers hat sich die Leistung seiner Mitarbeiter keinesfalls verschlechtert, das Unternehmen hat sogar noch neue Mitarbeiter eingestellt. Dieses Ergebnis untermauern auch wissenschaftliche Untersuchungen: Laut einer Studie der AKAD Hochschulen werden 20 Prozent der Arbeitszeit in deutschen Unternehmen für ineffiziente Prozesse verschwendet – durchschnittlich geht damit allein ein Arbeitstag pro Woche ungenutzt ins Land.

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lau
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