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Stella Steinigk : NEON-Traumjob: Wie wird man eigentlich ... Hebamme?

Traumjob gefunden: Stella, 21, ist Hebamme. Aber wie wird man das? Und was macht sie den ganzen Tag? Mit NEON hat sie über humorvolle Männer, herzzerreißende Momente und "Grey's Anatomy" gesprochen.

Von Katharina Weiß

Hebamme

Stelle Steinigk ist Hebamme und würde die Frage, ob sie trotzdem Kinder haben will, immer noch mit "Ja" beantworten

Um wen geht's?

Stella Steinigk ist 21 Jahre alt, lebt in Berlin und arbeitet in einem Krankenhaus als Hebamme.

Was machst du den ganzen Tag?

Wenn ich zum Schichtbeginn komme, weiß ich das noch nicht. Das macht auch den Reiz aus: Dass ich mich immer auf neue Situationen und neue Frauen einstellen muss. Ich habe mit Frauen gearbeitet, die sehr selbstbestimmt hereinspazieren – zum Beispiel nur im Bademantel, darunter nackt und noch halb im Stehen das Kind bekommen, fast beiläufig. Andere Frauen versuchen von vorne bis hinten alles durchzuplanen und haben komplett das Vertrauen in ihren Körper verloren. 

Abgesehen davon ist es immer sehr spannend, die Partner der Frauen zu beobachten. Viele sind unglaublich von der Nachgeburt überrascht. Dass da nach dem Kind noch etwas rauskommt, lässt sie staunen. Ein Mann war mal ganz besonders humorvoll unterwegs und sagte währenddessen: "Ich glaube, sie leidet gerade mehr als ich." Schön war auch das Pärchen, dass sich die Wehen mit ein paar Folgen "Grey's Anatomy" erleichtert hat.

Wie wird man Hebamme?

Momentan kann man den Beruf noch durch das Absolvieren einer Ausbildung erlernen, dafür braucht man einen Realschulabschluss mit guten Noten. Oder, wie ich, Abitur. Ohne vorheriges Praktikum sind die Chancen auf eine Ausbildungsstelle gering. Ab 2020 benötigt man ein Studium, um Hebamme zu werden. Der Grund: Als Hebamme ist man höher gestellt als Krankenpfleger, aber unter Ärzten. Das Studium soll wissenschaftliche Arbeit und Diskussionen auf Augenhöhe mit ärztlichen Kollegen ermöglichen. Die dazu schon bestehenden Studiengänge in Deutschland sind allerdings teilweise noch schlecht organisiert und bundesweit nicht einheitlich. Viele klagen darüber, dass die Praxis zu kurz kommt.

Hebamme bei der Arbeit

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

"Wird es noch schlimmer?" Die Antwort ist meistens "Ja!"
(Oder auch: "Tut es weh?")

Wie ist die Bezahlung?

Das Brutto-Einstiegsgehalt rangiert häufig zwischen 2.600 und 2.800 Euro im Monat.  Die Ausbildungsgehälter sind sehr unterschiedlich und können zwischen 200 und 1000 Euro im Monat liegen.

Was ist das Beste am Job?

Zum einen der Moment, wenn das Kind geboren wird. Man sieht langsam das Köpfchen kommen und auf einmal ist da ganz viel Liebe im Raum. Die häufig gestellte Frage "Wollen Sie selbst noch Kinder, nachdem sie das jeden Tag sehen?" würde ich also immer noch mit "Ja" beantworten.

Zum anderen ist die Verbindung, die man mit jeder einzelnen Frau eingeht, eine ganz besondere. Es gibt wenige so enge Beziehungen wie zwischen Frau und Hebamme. Sie begleitet dich, wenn du über deine psychischen und physischen Grenzen gehst – um sich da fallen zu lassen ist Vertrauen von beiden Seiten wichtig.

Was ist das Nervigste?

Es gibt nichts "Nerviges". Aber es gibt schlimme Tage. Wenn Kinder unerwarteterweise krank zur Welt kommen. Die Eltern erwarten ein gesundes Kind, ein perfektes Kind. Und wenn nach all den Schmerzen diese Perfektion rausgenommen wird, rollen oft Wut und Trauer über einen hinweg. Nach meinen Beobachtungen gibt es häufig eine Rollenverteilung bei den Eltern: Den versucht tapferen und den stark leidenden Part. Welchen die Frau übernimmt, und welchen der Mann, ist immer unterschiedlich. Einer der schlimmsten Momente ist auch, wenn eine Frau ins Krankenhaus und sagt: "Ich spüre mein Kind nicht mehr". Die manchmal vergebliche Suche nach den Herztönen des Babys ist herzzerreißend. Aber auch den Umgang mit Todesfällen muss man lernen. Wir bereiten die Körper dann für die Eltern vor. Hat das Kind zum Beispiel starke Fehlbildungen, decken wir es erst einmal sanft zu und zeigen den Eltern vielleicht erst mal eine Hand. Die Eltern haben mehrere Tage Zeit, um ihr Baby anzusehen oder sogar für 24 Stunden mit nach Hause zu nehmen. Manche Eltern hingegen gehen heim und wollen erst einmal gar nichts mit dem toten Kind zu tun haben, sie schaffen es einfach nicht. Auch hier ziehen wir die Kinder meistens an, machen Fußabdrücke, legen sie in sogenannte Moseskörbchen und machen Bilder – alles für den Fall, dass ihnen zwei Wochen oder 18 Jahre später doch noch das Bedürfnis kommt, ihr Kind zu sehen.

Dein Tipp für Newcomer?

Bereitet  euch durch Praktika und Ähnliches gut vor. Und dann gilt es durchzuhalten! Die Ausbildung kann sehr hart sein. Aber es lohnt sich. Vollkommen.

Mehr Traumjobs findet ihr unter neon.de/traumjob.

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