HOME

Schnappschuss als politische Bombe: Schönheitskönigin wird mit dem Tod bedroht - Grund dafür ist dieses Selfie

Nach einem Selfie mit "Miss Israel" wird "Miss Irak" mit dem Tod bedroht, ihre Familie floh offenbar in die USA. Vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts wird aus einem einfachen Schnappschuss eine politische Bombe.

Unscheinbarer Schnappschuss, ungeahnte Folgen: Adar Gandelsman, Miss Israel, und Sarah Idan, Miss Irak

Unscheinbarer Schnappschuss, ungeahnte Folgen: Adar Gandelsman, Miss Israel, und Sarah Idan, Miss Irak

Einmal knipsen - fertig ist der politische Skandal. Ein unbekümmert geschossenes Selfie mit Israels Schönheitskönigin hat für "Miss " und ihre Familie unangenehme Folgen: Wegen Anfeindungen und Drohungen seien Verwandte der 27 Jahre alten Sarah Idan vorübergehend aus dem Irak in die USA geflohen, meldete vor ein paar Tagen die israelische Nachrichtenseite Hadashot News und berief sich dabei auf Aussagen von "Miss Israel", Adar Gandelsman.

Jetzt meldet sich Sarah Idan selbst zu Wort. Die Schönheitskönigin aus dem Irak sagt dem US-Sender CNN, dass sie seit der Veröffentlichung des Fotos im November Morddrohungen erhalte. Zum Aufenthaltsort ihrer Familie wollte sich die 27-Jährige bisher bedeckt halten, teilte aber mit, dass ihre Familie in Sicherheit sei. Trotzdem habe sie Angst vor dem, was noch kommen könne. 


Ein Selfie für den Frieden - doch die Reaktion ist Hass

Idan und Gandelsman hatten sich Mitte November bei der Wahl der "Miss Universe" in Las Vegas gemeinsam ablichten lassen und Bilder über Instagram im Internet verbreitet. Idan schrieb dazu: "Frieden und Liebe von Miss Irak und Miss Israel." "Ich sagte damals: 'Lass uns ein Foto machen, damit unsere Leute sehen, dass wir kein Problem miteinander haben und eigentlich Botschafterinnen des Friedens sind'", erinnert sich Idan im Gespräch mit CNN. 

Get to know, this is Miss Iraq and she's amazing❤️

Ein Beitrag geteilt von Miss Universe Israel🇮🇱 (@adar_gandelsman) am

Doch der erhoffte Zuspruch blieb aus - im Gegenteil: Irak und Israel unterhalten aktuell keinerlei diplomatischen Beziehungen. Seit 1948 gilt ihr Verhältnis als feindlich, Auslöser war der Palästinakrieg. Das arglos geschossene wurde zur politischen Botschaft mit Sprengkraft.

"Die Drohungen waren wahnsinnig"

Nachdem sie das Foto online geteilt hatte, habe sie der Veranstalter der "Miss Irak"-Wahl dazu gedrängt, das Bild wieder zu entfernen oder ihr werde der Titel entzogen, erzählt Idan. "Der Leiter rief mich an und sagte, sie würden vom Ministerium unter Druck gesetzt." Dazu kam der virtuelle Shitstorm: "Die Drohungen, die ich online erhalten habe, waren wahnsinnig." 

Daraufhin habe sie ihre Familie, die im Irak lebt, angerufen. "Meine Mutter war am Verrücktwerden. Ich sagte: 'Mama, haut ab. Haut ab.' Ich sagte ihr, dass es mir leid tue und fragte sie, ob ich aus dem Wettbewerb austreten solle. Ich war bereit abzubrechen."

Am Ende brach Idan den "Miss Universe"-Bewerb nicht ab. Stattdessen erklärte sie sich bereit, ein Statement online zu verbreiten. Darin distanzierte sich die 27-Jährige von der israelischen Regierung und der Nahostpolitik, entschuldigte sich. Mit dem Bild habe sie nur ihren Wunsch nach Frieden zwischen allen Ländern ausdrücken wollen, hieß es in dem Statement.

"Miss Irak" beklagt mangelnden Rückhalt

Noch heute, Wochen nach dem und der "Miss Universe"-Wahl, erhalte sie Morddrohungen, sagt Idan. Doch sie versuche das auszublenden, wolle sich nun auf ihre Karriere konzentrieren. Die Regierung in Bagdad habe sie in der Angelegenheit nicht unterstützt, kritisiert die 27-Jährige im CNN-Gespräch. "Ich versuche, ein gutes Bild unseres Landes und unserer Menschen zu zeichnen, doch stattdessen erhalte ich negative Rückmeldungen. Von den Veranstaltern der 'Miss Irak'-Wahl und unserer Regierung habe ich keinerlei Rückhalt erfahren." 


Sarah Idan kehrte nach dem "Miss Universe"-Wettbewerb nach Los Angeles zurück. Die in Bagdad geborene Schönheitskönigin lebt unter anderem in den USA, besitzt neben der irakischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Vergangene Woche schrieb sie auf Twitter: "Ich bin weder die erste noch die letzte Person, die wegen einer Angelegenheit der persönlichen Freiheit Verfolgung ausgesetzt ist." Das Selfie mit "Miss Israel" hat Sarah Idan bis heute nicht gelöscht.  

pg