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5 Fragen an junge Feministen: Gurr: "Nervigster Satz? Du spielst echt gut - für 'ne Frau"

Am 19. Januar vor 100 Jahren durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Wir nutzen diesen Anlass, um mit jungen Feministen und Feministinnen zu sprechen und sie zu fragen: Warum brauchen wir immer noch Feminismus? Wo hakt es noch? Und wo läuft es gut? Heute antwortet Gurr, das Indie-Duo aus Berlin.

Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins

2016 haben Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins ihr Debütalbum "In my Head" veröffentlicht

Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins lasen sich nicht gerne als "Girlband" bezeichnen. Immer wieder werden sie bei Interviews mit sexistischen Fragen konfrontiert. Auch die Musikbranche hat ein Gleichberechtigungsproblem, das bekommen Gurr oft zu spüren.

Musikalisch sind Gurr irgendwo zwischen Punk und Indie-Rock zuhause, sich in eine Schublade stecken zu lassen ist nicht so ihr Ding. Wir haben mit ihnen über Feminismus gesprochen.

1. 100 Jahre Frauenwahlrecht: Warum braucht es immer noch Feminist*innen?
Wie in anderen Bereichen, gibt es auch in der Musikindustrie noch unglaubliche Einkommensungleichheiten zwischen Männern und Frauen. Bei den Majorlabels verdienen Frauen im Durchschnitt 33,8 Prozent weniger als Männer. Auch bei Performern gibt es solche Ungleichheiten: Die amerikanische Band HAIM hat zum Beispiel im letzten Jahr ihren Agenten gefeuert, als sie herausgefunden hat, dass sie bei einem Festival nur ein Zehntel der Gage ihrer männlichen Kollegen bekommen haben.

2. Wofür brennt ihr besonders – und warum?
In erster Linie brennen wir natürlich für Musik. Aber seitdem wir Musik professionell machen, werden wir immer wieder auf Ungleichheiten in der Branche aufmerksam und versuchen unsere Position zu nutzen, um das zu adressieren. Manchmal bedeutet das für uns aber auch, Journalistinnen darauf hinzuweisen, dass Gleichberechtigung auch bedeutet, uns genauso wie unsere männlichen Kollegen zu unseren Songtexten und unserem Sound zu befragen, und nicht immer darauf zu reduzieren, dass wir Frauen sind.

3. Was läuft gut? Was braucht noch Veränderung?
Das Reeperbahnfestival hat sich als Newcomerfestival dazu selbstverpflichtet bis 2020 ein Lineup von 50 Prozent Frauen und Männern zu buchen. Auch das Primavera Festival hat in diesem Jahr ein Lineup, das zu 50 Prozent aus Männern und Frauen besteht. Bei anderen Festivals besteht da allerdings noch Nachholbedarf…


4. Welchen Satz könnt ihr nicht mehr hören?
"Du spielst echt gut für ne Frau," regt uns immer wieder auf oder die Bezeichnung, dass wir "Girl-Rock" machen. "Boy-Rock" ist doch auch kein Genre.

5. Wer sind eure Vorbilder?
Angel Olson ist eine tolle Songwriterin, Viv Albertine hat eine hammer Biografie geschrieben, aber auch so Courtney Love, Kim Gordon und Debbie Harrie waren hammer Musikerinnen und Ikonen, die einen eigenen Stil und Sound geprägt haben. Inspirierend sind gerade auch junge Künstlerinnen wie Princess Nokia, Grimes oder Kali Uchis, die musikalisch und kreativ ihre eigenen Wege gehen.

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