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Überalterung: Generationenkonflikt: Wir sind den Alten viel ähnlicher, als wir denken

Machen wir uns nichts vor: Die Menschen mit Pensionshintergrund sitzen am längeren Hebel. Und nun? Müssen wir streng mit ihnen sein oder sie einmal kräftig umarmen? Unsere Autorin erklärt, wieso wir mit Wertschätzung hier deutlich weiter kommen.

Von Astrid Hansen

Ältere Dame und junge Frau lachen zusammen

Fehlendes Verständnis für andere Generationen kann lustig sein, aber auch für Stress sorgen (Symbolbild)

Getty Images

Als Kind hielt ich ältere Menschen für furchtbar klug, wenn sie die deutschen Bundeskanzler aufzählen konnten. Adenauer-Erhard-Kiesinger-Brandt-Schmidt-Kohl-Schröder, wow! Bis mir dämmerte: Die waren da ja schon geboren und wer das Land regiert, bekommt man wohl gerade noch mit. Welch Vorteil beim Allgemeinwissensquiz! Ich fand das nicht fair. Ähnlich muss es meiner Stiefoma gehen, wenn sie mich am PC sieht. Dateien öffnen, Dateien löschen, für sie eine krasse Herausforderung. Andersherum: Meine 13-jährige Schwester macht lässige Selfies, verwendet den Begriff auch ohne jede Ironie. Ich stehe daneben und fühle mich: #awkward.

Als hätten wir nicht schon genug Konflikte

Fehlendes Verständnis für die Lebenswelt anderer Generationen kann lustig sein, sorgt aber oft auch für richtig Stress. Generationenkonflikt heißt das dann. Haben wir nicht schon genug Konflikte auf der Welt? Syrienkonflikt, Nordkoreakonflikt, Nahostkonflikt. Sollen wir uns auch noch Feinde nennen, weil wir unterschiedlich viele Kerzen auf der Geburtstagstorte haben?

Ich bin überzeugt: Wir und die Alten sind uns viel ähnlicher, als wir denken. Wir verpassen uns nur um ein paar Jahrzehnte. Erkennen wir uns selbst in dem anderen, das geht auch ohne Esoterik: Ich werde mal sein wie du. Oder: Ich war mal wie du. Was wir heute für richtig halten, entspricht nicht den Ansichten unseres 15-jährigen Emo-Ichs und sicher auch nicht denen unseres 50-jährigen Best-Ager-Ichs. Keine Altersgruppe hat die Gegenwart für sich gepachtet. Wer sollte die auch definieren? Apple? Einer der mehr als zwei Millionen Fans von Andrea Berg? Eben.

Keine voreiligen Schlüsse ziehen

Hinzu kommt: Menschen sind nun einmal scheiße. Auch egoistische Menschen werden alt. Ihr unsoziales Verhalten auf das Alter zurückzuführen ist ebenso unsinnig, wie es unsinnig wäre, es auf ihr Geschlecht oder ihre Lieblingsnudelsoße zurückzuführen. Einfache Schlüsse helfen nicht weiter, Alte als Feinde des Fortschritts etwa. Tatsächlich sind sie in ihrem Leben schon weiter fortgeschritten als wir. Dafür verdienen sie Respekt. (Und, nein, es hat mich kein alter Opa mit seinem Spazierstock getriezt, das zu schreiben.)

Bei allem Wohlwollen bleibt diese Generationensache aus Sicht der Jungen natürlich ziemlich unfair. Die meisten Alten kommen mit ihrer Rente weitgehend zurecht, für die wir jetzt wie blöd arbeiten, um eines Tages mit 86 bei einem Putzjob tot umzufallen. Die Alten sind mit dem Vertrauen auf eine ordentliche Rente aufgewachsen, wir mit dem Internet. Sie haben gut gefüllte Pflegekassen, wir haben Emojis. Ein schlechter Deal? Vor allem haben wir auch wahnsinnig viele Freiheiten, und die prägen uns. Bemitleiden wir die Alten für die verpassten Freiheiten, statt sie als engstirnig zu kritisieren!

Ignoranz ist auch keine Lösung

Und wollen wir verhindern, dass die Alten zu Wutbürgern werden, schließen wir sie nicht aus. Wie viele rüstige Rentnerinnen und Rentner sind auf der Suche nach einem Projekt, gegen das sie demonstrieren können? Mehr als unter uns Jungen, die mit ihrem Alltag und ihrer Karriere mächtig beschäftigt sind. Kanalisieren wir ihren Elan für unsere Zwecke! Heißen wir sie willkommen in der Welt der genderqueeren Hashtags und veganen Tinder-Dates. Ob aus Empathie oder Egoismus, ist erst einmal egal – Hauptsache, sie machen sich nicht aus lauter Frust darüber, nicht mehr recht gebraucht zu werden, für die AfD mobil. Sind wir nett, dann wird man auf den Seniorenkaffees der Volksparteien vielleicht breite Gehwege UND Breitbandinternet fordern.

Generationenverträglichkeitsprüfung

Eine echte Alternative haben wir nicht. In einer Demokratie kommen wir nicht gegen die Mehrheit an, und die hat in Deutschland nun einmal graue oder gar keine Haare mehr. Doch natürlich brauchen wir mehr als eine Zukunftsorientierung von Rentners Gnaden. Die häufig geforderte Generationenverträglichkeitsprüfung für politische Vorhaben finde ich da sehr charmant. Wir müssen nur noch die Alten davon überzeugen, dass eine Planung über die eigene Lebensspanne hinaus auch in ihrem Sinne ist. Ihr Vermächtnis quasi. Und falls das nicht zieht: ihnen im Bus einen Sitzplatz anbieten, ihre Einkaufstaschen in den dritten Stock tragen, lächeln und so die Generationenverständigung promoten. Zur Not eben als Guerilla-Taktik.

Dieser Artikel erschien erstmals in der NEON-Ausgabe 06/2017. 

Geld sparen für später - die Rente geht uns alle an.


heft/gho
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(