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Finanzen verstehen Nur noch 40 Jahre bis zur Rente? So sorgst du vor!

Um fürs Alter Vorzusorgen, muss man kein Finanzexperte sein
Wer schon jetzt anfängt, für die Rente vorzusorgen, kann später aus dem Vollen schöpfen.
© Unsplash
Was kann ich genau JETZT tun, um später keine Renten-Sorgen zu haben? Neon erklärt, was es mit Riester, Aktien, Versorgungswerken und Co. auf sich hat. 

Gesetzliche Rente, Betriebsrente, Lebensversicherung, Riester-Rente, Aktienfond ... STOP! In Deutschland gibt es für die Altersvorsorge unzählige Möglichkeiten. Und auch wenn du noch nicht alt bist, lohnt es sich jetzt, für später vorzusorgen. Warum? In 20 oder 30 Jahren willst du ja immer noch gut leben – oder sogar besser. NEON hilft dir beim Einstieg in den Vorsorge-Dschungel:

Schritt eins: Status checken

Die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland sind pflichtversichert. Wo du genau versichert bist, hängt von der Berufsgruppe ab.

Gesetzliche Rentenversicherung

Mehr als 30 Millionen Angestellten sind in unserem staatlichen Rentensystem pflichtversichert. Auch einige selbstständige Berufe aus dem Handwerk, Fahrlehrer, Erzieher oder Physiotherapeuten fallen darunter. Eine vollständige Listet findet ihr bei der Deutschen Rentenversicherung. Die gesetzliche Rente speist sich aus Beiträgen, die der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber anteilig einzahlen; sie werden direkt vom Lohn abgezogen.

Aber es gibt ein Problem: Dieses System beruht auf dem sogenannten Generationenvertrag. Junge Leute, die arbeiten, zahlen die Rente für Menschen im Ruhestand. In Deutschland wird die Gesellschaft aber immer älter – daher müssen in Zukunft immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner zahlen. Folge: Es gibt weniger Rente, das sogenannte Rentenniveau sinkt.

Heute bekommt jemand, der lange gearbeitet hat, 48 Prozent seines Gehaltes an Rente, gemessen am Durchschnittseinkommen der Deutschen. Das sind aktuell gut 1200 Euro – davon werden aber noch die Steuern abgezogen. In den kommenden Jahren wird dieser Wert aber deutlich sinken.

Berufsständische Versorgungswerke

Einige Freiberufler sind in sogenannten Versorgungswerken pflichtversichert. Dazu zählen unter anderem niedergelassene Ärzte, Architekten oder Rechtsanwälte. Anders als bei der gesetzlichen Rentenversicherung zahlen hier nicht die Jungen für die Alten, sondern das Geld wird aus den Rücklagen der Versorgungswerke gezahlt. Auch hier ist das Rentenniveau in der Zukunft gefährdet, da aktuell die Zinssätze für angelegtes Geld sehr niedrig sind.

Gesetzliche Pension

Wer als Beamter, Richter, Berufssoldat oder Pfarrer arbeitet, bekommt diese Art der Altersvorsorge. Ihre Rente wird vom Bund und den Ländern bezahlt. Trotzdem können Beamte auch privat vorsorgen.

Keine Basisversicherung

Auch das gibt es, denn oft sind Selbstständige in keiner der drei gesetzlichen Optionen versichert.

Jeder kann sich heute schon seine voraussichtliche Rente ausrechnen – entweder, indem man auf die gesetzliche Renteninfomation schaut, die jeder ab dem 26. Lebensjahr bekommt, der schon ein paar Jahre gearbeitet hat. Wer diese Info noch nicht hat oder sofort seine Rente einschätzen will, kann einen Online-Rechner benutzen. Danach folgt die Frage der Fragen: Reicht die Rente? Wichtig ist dabei die sogenannte Rentenlücke: Also die Differenz zwischen dem, was man an Rente bekommen wird und dem, was man eigentlich zum Leben braucht. Hat man diese Differenz ausgerechnet, kann man einschätzen, was man im Monat zurücklegen muss, um die eigene Rente langfristig zu sichern – und zwar so, dass sie den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Schritt zwei: Alternativen kennen(lernen)

In Deutschland ist die Altersvorsorge nach einem Drei-Säulenmodel gegliedert: Die Basis-Vorsorge mit der gesetzlichen Rente, die geförderte Vorsorge und die private Vorsorge. Für welche zusätzliche Form man sich neben der gesetzlichen Rentenversicherung entscheidet, hängt stark von der persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen ab. Daher sollte man sich alle Alternativen genau anschauen oder sich gegebenenfalls beraten lassen, bevor man seine Rente plant.

Geförderte Vorsorge

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Über den Chef und das Unternehmen, in dem man arbeitet, für das Alter vorzusorgen, hat in Deutschland eine lange Tradition. Bei der klassischen Form der bAV zahlt der Arbeitgeber allein Beiträge für seine Angestellten ein, um ihnen so eine zusätzliche Rente zu ermöglichen. Eine andere Möglichkeit ist der Arbeitgeberzuschuss. Hierbei zahlt der Chef einen Teil der Rentenversicherung für seine Angestellten. Seit 2002 gibt es außerdem das Model der sogenannten Entgeldumwandlung: Dabei kann der Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttolohns für eine Betriebsrente einsetzen – und dabei Steuern und Sozialabgaben sparen. Ihr habt bestimmt schon Begriffe wie Direktversicherung oder Pensionsfond in diesem Zusammenhang gehört. Dabei geht es darum, wie der Arbeitgeber die Altersvorsorge für seine Mitarbeiter organisiert: Ob er sich selbst um das Geld kümmert, oder die Anlage an ein externes Unternehmen auslagert.

Wenn das eigene Unternehmen euch anbietet, Beiträge in eine bAV einzuzahlen, solltet ihr diese Chance wahrnehmen. Zwar fallen auch auf diese Form der Rente später Abgaben wie die Einkommenssteuer und die Kranken- und Pflegeversicherung an – aber ihr erhaltet so oder so eine zusätzliche Rente, für die ihr nie Geld ausgeben musstet. Wer schon jetzt weiß, dass er seine Arbeitsstelle öfter mal wechseln wird, der sollte überlegen, inwieweit sich eine bAV lohnt. Viele Verträge lassen sich nicht zu einem neuen Arbeitnehmer mitnehmen. Die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich vor allem dann, wenn man plant, lange bei einem Unternehmen zu bleiben und zusätzlich recht alt wird.

Riester-Rente

Nicht Hamstern, sondern Riestern: Die Riester-Rente ist ein geflügeltes Wort, wenn es um die Altersvorsorge geht. Bei dieser Form der geförderten Vorsorge unterstützt der Staat den Arbeitnehmer und Beamte bei der Altersvorsorge. Seit ihrer Einführung nach der Rentenreform 2001 haben bis heute etwa 16 Millionen Deutsche Riester-Verträge abgeschlossen. Die Förderung bei der Riester-Rente besteht aus Zulagen und Steuervorteilen. Das System hinter dieser Form der Altersvorsorge ist eine Art Sparvertrag. Man schließt ihn bei einer für Riester-Verträge zertifizierten Bank oder einer Versicherung ab und zahlt privat bis zum Rentenalter Geld ein, das man sparen möchte. Diese Summe kann jeder bis zu einem gewissen Grad individuell wählen und auch jederzeit verändern. Je mehr man aber spart, desto mehr gibt der Staat an sogenannten Zulagen dazu –  um die volle staatliche Zulage zu erhalten, muss man aber einen Mindestbetrag einzahlen. Das sind aktuell vier Prozent des Bruttoeinkommens vom Vorjahr.

Seit dem Jahr 2018 liegt die staatliche Zulage bei mindestens 175 Euro im Jahr, zusätzlich gibt es für jedes Kind, das noch Kindergeld erhält, Zuschläge. Außerdem können die Sparbeiträge bis zu einem Wert von 2100 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Jedoch werden die Vorteile aus der Steuer mit den Zulagen verrechnet. Die Auszahlung der Rente beginnt frühestens mit 60 Jahren oder eben mit Rentenbeginn. Jedoch muss man auch hier Steuern auf die Rente zahlen. Aufgrund vieler Varianten des Riester-Sparens eignet sich diese Art der Versorge eigentlich für jeden – jedoch sollte man genau prüfen, welche Variante zur eigenen Lebenssituation passt, bevor man sich für eine Riester-Versicherung entscheidet. Besonders Familien mit vielen Kindern und Arbeitnehmer mit einem Einkommen ab 40 000 Euro im Jahr können profitieren.

Bei der Riester-Rente sind die eigenen Einzahlungen und die staatlichen Zulagen garantiert, das heißt, dieses angesparte Geld bekommt man auf jeden Fall ausgezahlt – nach Abzug der Steuern. Die Rendite, also das Geld, das man durch Zinsen oder andere Vorteile noch zusätzlich bekommen soll, hängt von der Art des Anbieters und der Art des Vertrages ab. Zudem haben die Verträge unterschiedliche Abschluss- und Verwaltungskosten.

Private Vorsorge

Lebens- und Rentenversicherung

Die Rentenversicherung soll Arbeitnehmer gegen ein "langes Leben" absichern – also dafür sorgen, dass man genug Geld hat, egal wie lange man lebt. So ist zumindest die Idee der Versicherungen. Jeder kann sein Geld privat bei einem Anbieter seiner Wahl hinterlegen und dann ansparen, um später seine gesetzliche Rente damit auszubessern. Hinter vielen Verträgen, die für die Altersvorsorge gedacht sind, steckt das Prinzip der Rentenversicherung. So zum Beispiel bei Pensionskassen als Model der betrieblichen Altersvorsorge oder bei der Riester-Rente. Die grundlegende Idee: Man zahlt bis zur Rente einen gewissen Beitrag ein. Dieser macht Rendite und das angesparte Geld wird ab einem gewissen Zeitpunkt in Tranchen bis an das Lebensende ausgezahlt. In welcher Form das angesparte Geld Rendite erwirtschaftet, sich also vermehrt, hängt von der Form der Rente ab. Bei der klassischen Rentenversicherung gibt es einen garantierten Zins, zu dem das Geld angelegt wird. Dieser liegt aktuell jedoch nur bei 0,9 Prozent. Bei Modellen der "neuen Klassik" wird kein Zins mehr garantiert. Dadurch kann der Versicherer das Geld gewinnbringender anlegen, weil er eben keinen sicheren Zins garantieren muss. Beim fondsgebundenen Rentensparen legen die Versicherer das Geld in Aktien-, Renten- oder Immobilienfonds an. Der Gewinn hängt dabei vom Erfolg oder Misserfolg der Aktien ab.

Bei dem Wort Lebensversicherung denken die meisten an eine Absicherung der Familie nach dem eigenen Ableben. Diese Variante, die sogenannte Risikolebensversicherung, ist aber nur eine Form dieser Art der Vorsorge. Als Sparprodukt kann man bei einer Lebensversicherung auch bis zu einem gewissen Punkt Geld einzahlen – und bekommt dann mit einem Schlag, zum Beispiel im Rentenalter, alles ausgezahlt. Diese Variante nennt sich klassische Lebensversicherung oder auch Kapitallebensversicherung. Der Zinssatz zu dem das Geld von einer Versicherung angelegt wird, liegt aktuell bei 0,9 Prozent. Aufgrund dieser niedrigen Zinsen erzielen Lebensversicherungen aktuell nur einen sehr geringen Gewinn – viele Anbieter und Versicherte steigen daher aus diesem Modell aus.

Aktienfonds/Sparplan

Die Deutschen sind weltweit für ihre Freude am Sparen bekannt – vor Anlagen am Aktienmarkt schrecken aber immer noch die meisten zurück. Um an der Börse zu investieren, musst du aber kein reicher Banker oder ein übermütiger Träumer sein. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, zum Beispiel um es als Altersvorsorge zu nutzen, der kann in Aktien investieren. Für Verbraucher, die Geld möglichst gewinnbringend anlegen wollen, aber nicht total viel Geld investieren können, gibt es sogenannte Fondsparpläne. Ein Fond bündelt Geld und legt es in bestimmte Werte an, zum Beispiel in Aktien – in welcher Höhe das geschieht, kann jeder dabei selbst festlegen. Bei manchen Banken sind schon Sparpläne ab 25 Euro möglich. Weil der Fond aus ganz vielen Aktien besteht, sinkt das Risiko, bei Verlusten an der Börse auf einmal viel Geld zu verlieren. Wer sich für diese Form der Geldanlage entscheidet, kann in aktive oder passive Fonds investieren. Bei der aktiven Variante sucht ein sogenannter Fondmanager gegen eine Provision für das investierte Geld einzelne Aktien aus.

In den letzten Jahren zeichnet sich unter Privatanlegern aber ein Trend zu passiven Fonds ab: ETFs (Exchange Traded Funds) oder auch Indexfonds erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie bilden Aktienlisten nach, sogenannte Indizes, wie zum Beispiel den Börsenindex DAX. Er zeigt an, wie viel die 30 größten Unternehmen in Deutschland wert sind. Ein ETF, der den Dax abbildet, würde dann genau diese 30 Aktien nachkaufen und sich so entwickeln wie der DAX. Anders als der Fondmanager versucht der ETF nicht, klüger als der Markt zu sein und so möglichst viel Gewinn zu machen, sondern er erzielt immer nur die Rendite des Indexes. Damit ist seine Rendite, also der Gewinn, kurzfristig zwar geringer, langfristig aber auch nicht so risikoreich.

Jeder Anleger kann ETFs kaufen, indem er bei einer Direktbank oder einem Wertpapierhändler, dem sogenannten Online-Broker, ein kostenloses Online-Depot eröffnet. Allein an der Frankfurter Börse Xetra sind aktuell mehr als 1300 ETFs verfügbar. Auch wenn diese Geldanlage traumhaft einfach klingt, gilt es auch hier, sich mit den unterschiedlichen Formen von ETFs und ihren Vor- und Nachteilen zu beschäftigen. Wer auf Nachhaltigkeit bedacht ist, sollte zudem überlegen, in welche Indexfonds er investiert, da dort auch Unternehmen abgebildet sein können, die man möglicherweise nicht unterstützen möchte, wie beispielsweise Waffenhersteller.

Mit einem Sparplan auf ETFs kauft man zudem regelmäßig Fondanteile. Da Aktienkurse sehr stark schwanken können, schwanken auch ETFs. Es kann sogar sein, dass der eigene Sparplan kurzfristig ins Minus gerät. Daher ist Fondsparen eine Form der langfristigen Geldanlage. Experten raten, nur Geld anzulegen, das man in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht benötig. Angst, am Ende ohne Geld dazustehen, muss man aber keinesfalls haben, da auf lange Sicht die Verluste immer wieder ausgeglichen werden.

lau

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