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Nicht ohne Kritik: "A model's passport to everything": Diese App erlaubt es Influencern, alles umsonst zu bekommen

Je mehr Follower ein Influencer hat, desto mehr Rabatte und Gutscheine werden freigeschaltet – das ist das Konzept von "Neon Coat". Die Instagram-Stars posten und essen dafür umsonst. Doch es gibt auch Stimmen, die auffordern, die App sinnvoll zu nutzen – und Gutes zu tun. 

Influencer auf Neon Coat

"Neon Coat" erlaubt es Models und Influencern, Dinge umsonst zu bekommen

Unsplash

Dass Influencer einen Großteil ihres Geldes mit Werbung verdienen, ist keine Neuigkeit – immerhin ist es schon am Namen abzulesen. Sie beeinflussen (beeinflussen = to influence) ihre Follower in deren Kaufentscheidungen. Seit einiger Zeit gibt es nun eine App, die dabei helfen soll, kleinere Unternehmen und Influencer noch weiter zu vernetzen, damit diese gegenseitig voneinander profitieren können.

Sie heißt "Neon Coat" und gibt Unternehmen die Möglichkeit, Leistungen gegen Werbung anzubieten. So können Influencer beispielsweise in einem Restaurant umsonst essen – sofern sie ihren Besuch dort auf Instagram teilen und das Restaurant verlinken. Aber auch Friseure und andere Unternehmen nehmen teil. Die App selbst bezeichnet sich als "A model's passport to everything", denn tatsächlich kommt es den Kunden von "Neon Coat" nicht unbedingt ausschließlich darauf an, wie viele Follower ihre Kunden haben. Gegenüber der "New York Post" sagt Joseph Batista, Besitzer eines Cafés in New York beispielsweise: "Leute hier zu haben ist immer gut. Und wenn es attraktive Leute sind – umso besser." So seien zwei Models, die im Fenster sitzen, ein guter Anreiz für vorbeilaufende Männer, auch in den Laden zu kommen – zum Beispiel in der Hoffnung, mit den Damen ins Gespräch zu kommen. Zunächst habe er die App, die es bereits seit 2017 gibt, umsonst genutzt, inzwischen zahle er 200 Dollar im Monat für die Nutzung.

"Das Leben eines Models ist sehr einsam"

Für Co-Gründer Dan Berger und seine Business-Partnerin Larissa Drekonja ist die App außerdem eine Art und Weise, Models, die nicht so viel verdienen, wie ihre berühmten Vorbilder, ein wenig unter die Arme zu greifen. Ex-Model Drekonja: "Das Leben eines Models ist sehr einsam. Du bist hübsch und die Leute glauben, du würdest Millionen verdienen."

Auch in Deutschland gewinnt die App immer mehr Zulauf. Eine, die das nicht ausschließlich kritiklos betrachtet, ist Victoria van Violence. Auf ihrem Instagram-Account richtete sie sich nun an ihre Follower: "Mit meinem knapp 200.000 Followern habe ich mich nun auch mal dort registriert und ich bekomme wirklich viele Angebote über die App. Aber ich möchte keinen Deal abschließen, der mich dazu zwingt, nach einem Essen einen tollen Beitrag posten ZU MÜSSEN. Denn vielleicht mag ich das Essen ja gar nicht und würde euch ja somit Quatsch erzählen und für mich persönlich, fühlt sich das auch nicht richtig an."

Kaum Feedback von Infuencern: "Teilen ist nicht sexy"

Aber, und das sei der springende Punkt, Restaurants und Imbisse seien ganz offensichtlich bereit, Essen für umsonst auszugeben. "In Deutschland sind 1,5 Millionen Menschen auf die Tafeln angewiesen, während mancher Influencer dreimal am Tag kostenlos essen geht. Daher möchte ich euch meine Idee vorstellen: Liebe Influencer, werdet zu #carefluencer. Auf der Straße, vor allem in Berlin, sitzen so viele Menschen und fragen nach Essen. Wenn ihr beispielsweise am Hbf seid, dann zückt die App, holt euch euren Gratisburger und gebt ihm wen, der es wirklich nötig hat."

Auf Nachfrage erzählt Victoria NEON, sie habe bislang nur verhaltene Rückmeldungen auf ihren Post bekommen: "Wieso? Weil viele Influencer das eben gerne nutzen." Eine Influencerin habe ihr beispielsweise geschrieben, die App habe ihr vor nicht allzu langer Zeit mal richtig aus der Patsche geholfen, als sie "nur noch vier Euro auf dem Konto" hatte und durch die App essen gehen konnte. Aber das größte Problem sei, dass vielerorts "ein Lifestyle verkauft wird, der absolut nicht echt ist", so Victoria: "Und da Teilen nicht sexy ist, kam sonst nichts. Grund genug, das Ganze jetzt mal anzuheizen. Ich bekomme dank hoher Followerzahl gute Rabatte und Gutscheine und ich werde mir nun Aktionen überlegen."

So sei sie in Kontakt mit einer Berliner Organisation, die sich um wohnungslose Frauen kümmert: "Frauen, die sicher viele Jahre nicht mehr in einem schönen Restaurant waren, sicher auch schon lange keine richtige Mahlzeit mehr hatten. Das ist aber nicht das, was die Betreiber der Betriebe wollen und ich vermute, ich werde auf wenig Gegenliebe stoßen. Machen werde ich es trotzdem."

Quellen: "New York Post" / "Neon Coat"

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jgs