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Meinung

Manspreading: Liebe breitbeinige Männer in der Bahn: Niemand braucht so viel Platz im Schritt!

Viele Männer hören das Wort nicht gerne, aber ALLE hassen Manspreading, das breitbeinige Sitzen in der Öffentlichkeit. Niemand braucht einen halben Meter Platz im Schritt, findet unsere Autorin – und fordert mehr Rücksichtnahme in der Bahn.

Sozialexperiment: Manspreading: Wie breitbeinig fährt Hamburg U-Bahn?

Es passiert eigentlich jeden Tag. Ich komme in die ohnehin schon übervolle U-Bahn am Morgen, schaue mich nach einem freien Platz um – und werde aggressiv. Aber nicht wegen der drängelnden Masse, sondern weil da noch Plätze sind, auf denen eigentlich jemand sitzen könnte – wenn da nicht ein paar Männer wären, die ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Freiheit im Schritt haben. 

Bevor jetzt alle Männer losschreien: Ich kann ja verstehen, dass ihr aufgrund eurer primären Geschlechtsorgane nicht so gemütlich die Beine überschlagen könnt wie wir Frauen, ABER niemand hat so große Organe, dass er einen halben Meter Platz braucht. (Nein, auch du nicht.) Vor allem nicht in einer vollen U-Bahn und bei einer Fahrt von wenigen Minuten. Wie ihr zu Hause auf dem Sofa sitzt, ist mir echt egal, aber in der Öffentlichkeit, in unmittelbarer Nähe zu anderen Menschen, wäre ein bisschen mehr Rücksichtnahme sehr lobenswert. 

Reddit-User findet Manspreading-Debatte überzogen

Auf Reddit hat gerade ein User die Diskussion wieder angestoßen. Er verteidigt das sogenannte Manspreading, nachdem ein anderer User einen Artikel geteilt hat, in dem vor dem Überhitzen der Hoden gewarnt wird, wenn ein Laptop auf dem Schoß liegt – was eine Belüftung des Schrittes durch breitbeiniges Sitzen verhindern könne. (Aber mal ehrlich, nicht mal ein Prozent der Männer, die in der Bahn breitbeinig rumsitzen, haben einen Laptop dabei.)

Der aufgebrachte User namens Jex117 fängt daraufhin an, mit wissenschaftlichen Fakten zu erklären, warum er die Debatte um das Manspreading für vollkommen überzogen hält. Männer seien durchschnittlich nun mal von Natur aus größer als Frauen und müssten mit einer tiefsitzenden und breitbeinigen Körperhaltung das Gleichgewicht ausbalancieren. Außerdem seien Hoden generell sehr anfällig für das Überhitzen und damit für das Sterben der Spermien. Das mag ja stimmen, aber hüftbreit Platz sollte dafür auch ausreichen. 

Das hat nichts mit Beinfreiheit zu tun

Lasst euch eins gesagt sein, liebe Manspreader: Alle eure Mitfahrer hassen das, besonders Frauen! Natürlich verlangen wir nicht, dass ihr eure Beine in Zukunft immer aneinander presst, wenn ihr Bahn fahrt. Aber wenn man mit dem Knie den Sitznachbarn ständig berührt oder einen zweiten Sitz blockiert, ist das definitiv asozial und hat nichts mit Beinfreiheit zu tun. Und nein, niemand möchte auf eure "Kronjuwelen" schauen können. Das sieht sieht einfach nur bescheuert aus.

Tatsächlich lustig anzusehen ist es allerdings, wenn zwei Männer mit ausgeprägtem Freiheit-im-Schritt-Bedürfnis nebeneinander sitzen und sich ihre Knie ständig berühren. Man sieht ihnen an, wie unangenehm es ihnen ist – und plötzlich können sie doch normal sitzen. Neuerdings handhabe ich das in Bahnen ähnlich. Ich setze mich mit Absicht neben den breitbeinigsten Mann, den ich finden kann und setze mich ebenso breitbeinig daneben. Die Reaktion ist dieselbe, es klappt fast immer. Wäre nur schön, wenn ich gar nicht erst so asozial werden müsste. Denn ja, breitbeinig sitzende Frauen sind genau so ätzend.

Sozialexperiment: Manspreading: Wie breitbeinig fährt Hamburg U-Bahn?
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