VG-Wort Pixel

#sitlikeagirl Ukrainerinnen teilen Fotos in Manspreading-Pose – was es damit auf sich hat

Olena Selenska, die First Lady der Ukraine, auf dem Cover der Vogue
Olena Selenska, die First Lady der Ukraine, auf dem Cover der Vogue
© Screenshot Olena Selenska / Instagram
In den sozialen Medien zeigen sich Ukrainerinnen in selbstbewusster, burschikoser Haltung. Die Fotos stehen in Zusammenhang mit der First Lady der Ukraine und ihrem Auftritt auf dem Cover der "Vogue". Was hinter #sitlikeagirl steckt. 

Breitbeinig sitzt sie da. In schwarzer Hose und weißer Bluse. Die Unterarme locker auf den Oberschenkeln abgestützt. Die Hände ineinander verschränkt. Klarer, selbstbewusster Blick in die Kamera. Im Hintergrund Säulen, in denen Sandsäcke stecken. So posiert Olena Selenska, die First Lady der Ukraine, auf dem digitalen Cover der "Vogue".

In den zwei Wochen seit ihrer Erscheinung haben die Bilder, aufgenommen von Star-Fotografin Annie Leibovitz, hohe Welle geschlagen. Auf weiteren Fotos ist Olena Selenska gemeinsam mit ihrem Mann, dem Präsidenten der Ukraine Wolodymyr Selensky, zu sehen.

Kritik an diesem Auftritt im Modemagazin "Vogue" kam aus verschiedenen Richtungen. Ein Foto-Shooting in Zeiten des Krieges – das sei unangemessen und stieß vor allem bei Betrachtern aus dem Westen auf. Die Opfer des Krieges sollten ihrer Meinung nach im Fokus stehen und Mode und Hochglanz keine Themen. 

Ukrainerinnen haben mit #sitlikeagirl eine Antwort gefunden

Dabei betont Olena Selenska im Zusammenhang mit ihrem "Vogue"-Auftritt wiederholt, in welcher Situation die Menschen in der kriegsgebeutelten Ukraine sind. In einem Beitrag zu den Bildern bei Instagram würdigt sie diejenigen, die Kämpfen, in Flüchtlingslagern helfen, die unter Sirenen arbeiten. Die vergangenen Monate seien die schrecklichsten ihres Lebens sowie des Lebens aller Ukrainerinnen und Ukrainer gewesen, sagt Selenska in einem zum Shooting gehörenden Text. In vielen positiven Kommentaren zur "Vogue"-Ausgabe, wird auch genau das gelobt: Dass Aufmerksamkeit auf das Land und die Situation der Menschen vor Ort gelegt werde. 

Wieder anderen missfiel die burschikose Haltung von Olena Selenska, die als unfeminin kritisiert wurde – das Gegenteil also zum "Glamour"-Vorwurf. Kritik von verschiedenen Seiten. Ukrainerinnen und auch Frauen aus anderen Ländern haben darauf inzwischen eine eigene Antwort gefunden. 

Sie zeigen sich solidarisch mit Olena Selenska. Unter dem Schlagwort sitlikeagirl (Sitze wie ein Mädchen), teilen sie Fotos von sich in ähnlicher Haltung wie die First Lady der Ukraine auf dem "Vogue"-Cover.


Die Bilder erinnern an Manspreading, dem breitbeinigen Sitzen von Männern, die damit viel Platz für sich beanspruchen, im öffentlichen Raum wie einer U-Bahn beispielsweise mehr, als ihnen zusteht, und die damit die Bewegungsfreiheit und den Raum anderer einschränken. Die Posen der Frauen unter #sitlikegirl deuten das Manspreading um. Mädchen und Frauen können genauso ihren Raum einnehmen. Sie können sitzen wie sie wollen. Was heißt das schon, wie ein Mädchen zu sitzen? Es kann alles heißen. Und es sollte keine Rolle spielen.

Einige der Frauen machen in ihren Beiträgen auch auf die Folgen des Krieges in der Ukraine aufmerksam. Sich Raum (zurück)erobern, Selbstbewusstsein zeigen – es sind auch die Themen eines ganzen Landes.

Quellen:Instagram, Newsweek, Vogue I, Vogue II, FAZ, Tagesanzeiger


Mehr zum Thema



Newsticker