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Neue Sicherheitsmaßnahmen nach Amoklauf: Durchsichtige Rucksäcke als Schutz: So kreativ reagieren die Parkland-Schüler

An einer Schule in Florida starben 17 Menschen bei einem Amoklauf. Danach gingen Tausende in den USA auf die Straßen und demonstrierten für schärfere Waffengesetze. Stattdessen bekamen sie durchsichtige Schulrucksäcke. So kreativ reagierten die Schüler der High School in Parkland.

Durchsichtige Rucksäcke in Parkland

Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland müssen ab sofort durchsichtige Rucksäcke mit zur Schule nehmen

Picture Alliance

Gerade sind die Schüler der Douglas High School in Florida aus den Frühjahrsferien zurückgekehrt – und müssen sich nun erst einmal an neue Regeln in der Schule gewöhnen. So müssen nach dem verheerenden Amoklauf im Februar alle Teenager Namensausweise tragen, die sie klar als Schüler der High School identifizieren. Und: Stofftaschen sind auf dem Campus ab sofort verboten. Erlaubt sind nur noch durchsichtige Plastikrucksäcke, die die Schule unter den Schülern verteilte. 

Viele der Schüler sehen darin ihre Privatsphäre verletzt und können – zurecht – nicht verstehen, wie ein durchsichtiger Rucksack zu ihrem Schutz beitragen soll. Lauren Hogg, Schülerin an der MSD, schreibt auf Twitter zu einem Foto ihrer neuen Schultasche: "Mein neuer Rucksack ist so durchsichtig wie die Agenda der NRA. Ich fühle mich schon viiieeel sicherer. Ich bin dankbar für die Mühe, aber wir sollten uns lieber auf das grundlegende Problem konzentrieren, als unsere Schulen in Gefängnisse zu verwandeln." Das grundlegende Problem, da sind sich die Schüler nach wie vor einig, sind die laschen Waffengesetze in den USA.

Eine Mutter schreibt zu einem Bild ihres Sohnes mit seinem neuen Rucksack: "Wenn wir unsere Waffengesetze nicht überarbeiten, braucht mein Sohn einen kugelsicheren Rucksack, keinen durchsichtigen."

Die Schüler sehen ihre Privatsphäre in Gefahr

Nicht nur um die Effizienz der Rucksäcke sorgen sich die Schüler, auch ihre Privatsphäre sehen sie durch die neuen Regeln in Gefahr – es müsse schließlich beispielsweise nicht jeder wissen, welche Mitschülerin zu welchem Zeitpunkt ihre Tage habe und Tampons brauche. Schüler Cameron Kasky reagierte besonders kreativ auf diese Sorge: Er stopfte seinen Rucksack kurzerhand bis oben hin voll mit Tampons – und lernte dabei direkt ein bisschen was über Hygieneprodukte. In einem Tweet schreibt er: "An alle, die Fragen zu meinem Tampon-Rucksack hatten: Ich habe nur welche für leichte Tage gekauft. Ich hatte ja keine Ahnung. Kaufe für morgen größere. Größen, Preise, ich lerne so viel über die weibliche Gesundheit. Das Zeug ist teuer. Es sollten dringend Schritte eingeleitet werden, um diese Produkte zugänglicher zu machen." Preach it, Sister.

Nicht alle stimmen den Parkland-Schülern zu

Auf Twitter stoßen die Schüler mit ihren Protestaktionen auf überraschend viel Gegenwind. Überzeugte Waffenbesitzer fühlen sich vom Widerwillen der Jugendlichen auf den Schlips getreten. Man habe kein Problem damit, den Menschen ihr Recht auf eine Waffe zu entziehen, wolle aber für vermeintlich mehr Sicherheit nicht ein bisschen Privatsphäre einbüßen. Ob diese zwei Güter wirklich miteinander verglichen werden können? Spoiler-Alert: Können sie nicht.

Die Schüler sind sich jedenfalls einig: Durchsichtige Rucksäcke sind nicht die Lösung des Problems. Immerhin sei der Amokläufer kein aktiver Schüler an der High School gewesen. Außerdem würde ohnehin niemand ein Gewehr im Rucksack transportieren. Und wenn man doch eine Waffe in die Schule bringen wollen würde, gäbe es Wege, diese zu verstecken – auch mit einem durchsichtigen Rucksack. Eine echte Lösung muss also nach wie vor gefunden werden …


jgs