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Kolumne

"Guck mal, wie der schläft": Im Internet wird moralisch über alles geurteilt – es sei denn, es geht um die gute Pointe

Die sozialen Netzwerke sind voll strenger Meinungen und moralisch harter Urteile. Außer, wenn es um den eigenen Spaß geht. Denn auf die Pointe auf Kosten anderer möchte dann doch niemand verzichten. Unser Autor erklärt, warum so ein Verhalten gar nicht geht.

Von Lars Weisbrod

Mann mit Buch auf Gesicht schläft im Zug

Wer im Zug schläft, sollte aufpassen, für andere nicht zur Witzfigur zu werden (Symbolbild)

Getty Images

In China essen sie nicht nur gelegentlich Hunde, sie überwachen sich dabei auch noch. "Kaufgewohnheiten, Einkommen, Gesetzesverstöße und jegliche Onlineaktivität münden in ein allumfassendes Bewertungssystem", schreibt die "Zeit". "Was wie beklemmende Science-Fiction anmutet, ist ein Projekt der chinesischen Regierung, die solch ein Bewertungssystem bis 2020 verwirklichen will." Ich will die schöne Beklemmung gar nicht stören, aber eine kurze Frage: Statt sich immer nur an China und den ganz großen Dystopien abzuarbeiten, könnten wir uns zu Hause am heimischen Router nicht erst einmal auf bürgerliche Höflichkeitsformen für den Internetalltag verständigen?

Soziale Netzwerke: moralisch überkorrekt und manchmal doch ganz schön unfair

Die sozialen Netzwerke machen uns auch im Abendland schlechte Laune. Weil sie einerseits mit Moral vollgestopft sind wie ein Einfamilienhaus-Hobbykeller; der sapiosexuell-exkludierenden Transfeindlichkeit oder Relativierung von militantem Linksradikalismus macht man sich da schneller schuldig, als die chinesischen Internetkontrolleure unseren Rewe-Einkauf abtippen könnten. Andererseits aber bleibt offensichtlich unsittliches Verhalten völlig ungestraft.

Häufig begegnen mir Tweets, Posts, Snaps und Storys, für die ein gefallsüchtiger Internetnutzer fremde Menschen in der Öffentlichkeit ungefragt abfotografiert hat. Ein prominenter Schauspieler zum Beispiel postete auf Instagram vor Kurzem ein Bild, das er von einem älteren Herrn im ICE-Abteil gemacht hatte. Dem Fotografierten stand nämlich, lustig, lustig, im Schlaf der Mund offen, und das Gesicht war ihm komisch zerknittert. Als reiche das nicht für die öffentliche Blamage, montierte ihm der Schauspieler ein Babyfläschchen-Emoji zum Nuckeln vor den Mund.

Um die Diktatur der Pointe sollten wir uns Sorgen machen

Und während noch beim letzten in Flammen gesetzten Nissan Micra irgendwer die alleinerziehende Pflegehelferin anführt, der da das Auto weggebrannt wurde, fragt angesichts solcher Schlafgesichtspranger keiner, welche harte Woche zwischen Schwerindustrie-Leiharbeit und schwer erziehbarer Teenagertochter der Mann hinter sich hat. Lasst ihn doch schlafen mit offenem Mund, guckt, wenn es unbedingt sein muss, einmal kurz hin, aber fotografiert ihn doch nicht dabei! Oder seid dann tapfer genug, ihn nach dem Knipsen kurz aufzuwecken: "Hier, ich habe sooo ein lustiges Foto von Ihnen gemacht, als Sie geschlafen haben, darf ich das meinen 10k Followern zeigen?" 

Solange schlafe ich im ICE jetzt nur noch ein, nachdem ich mir ein Schild um den Hals gehängt habe: Bitte nicht mein dummes Gesicht für Instagram fotografieren, hatte eine echt anstrengende Woche! Aber es ist doch so lustig! Aber wir lachen doch alle! Ja, und wenn’s in den sozialen Netzwerken eine Deformation des Diskurses gibt, über die man sich mal Sorgen machen sollte, dann nicht Political Correctness oder Hate Speech, sondern die Diktatur der Pointe. Wenn die chinesische Regierung jedenfalls ihre beklemmende Science-Fiction Realität werden lassen will, sollte sie sich vielleicht ein paar gute Witze zurechtlegen über die letzten Einkäufe und Gesetzesverstöße der Überwachten. Vielleicht ein Babyfläschchen-Emoji drüberkleben?

Dieser Artikel ist erstmal in der NEON-Ausgabe 09/2017 erschienen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(