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Nach Social-Media-Wirbel: "Obszön" und "herabwürdigend": Werberat kritisiert "True Fruits"-Penisanzeige

Nach großer Kritik an einem sexistischen Werbemotiv eines Smoothie-Herstellers beanstandete der deutsche Werberat nun nachträglich die Kampagne.

"Sommer, wann feierst du dein Cumback?", stand unter zwei Bildern, mit denen der Smoothiehersteller True Fruits aus Bonn vor einigen Wochen warb. Auf dem Werbemotiv zu sehen: ein ejakulierender Penis, der aus Sonnencreme auf einen Frauen- und auf einen Männerrücken gemalt worden war. Die Social-Media-Kampagne für einen Saft mit dem Namen "Sun Creamie" löste eine Welle an Kritik aus. Auch, weil True Fruits auf die Beanstandungen stark provokativ und in den Augen vieler Nutzer herabwürdigend reagierte.

Mittlerweile sind die Bilder gelöscht – allerdings nur, weil True Fruits gegen die Vorschriften der zuständigen Bildagentur verstoßen hatte. Nun äußert sich nachträglich auch der Deutsche Werberat.

"Social-Media-Werbung von True Fruits überschreitet Grenze zulässiger Provokation"

Mehr als 900 Beschwerden sind dort eingegangen. Der Deutsche Werberat hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu kontrollieren, ob Werbung ethisch und moralisch Grenzen überschreitet. Im Fall von True Fruits sprechen sie eine Beanstandung der Social-Media-Werbung aus. "Die provokativen Darstellungen überschritten nicht nur die Grenze des guten Geschmacks, sondern auch zum Vulgarismus. Sowohl das weibliche als auch das männliche Model würden in herabwürdigender Art und Weise als Gegenstand sexueller Fantasien und Praktiken dargestellt", heißt es in einer Pressemitteilung.

Weiter erklärt Julia Busse, die Geschäftsführerin des Deutschen Werberats, dass Sexualität und der spielerische Umgang damit kein Tabuthema in der Gesellschaft seien, "True Fruits sollte sich aber schon fragen, ob die Obszönität und die Tonalität der beanstandeten Motive Gradmesser für legitime und gesellschaftlich akzeptierte Stilmittel zukünftiger Werbemaßnahmen sein sollten."

In Österreich war das Motiv bereits beanstandet worden

Wenn auch erst nachträglich, dürfte die Beanstandung viele Kritiker freuen. Der österreichische Werberat reagierte schon am 27. August auf die Social-Media-Werbung mit einer Beanstandung. True Fruits habe damals zugesichert, dass das Bild nicht mehr zum Einsatz kommen würde, was aus einer Pressemitteilung des Österreichischen Werberats hervorgeht. In Österreich hatte die Firma in der Vergangenheit bereits mit rassistischen und sexistischen Werbemotiven provoziert. So war neben einem Bild von schwarzen Flaschen der Satz "Schafft es selten über die Grenze" zu lesen, eine wiederbefüllbare Glasflasche mit Trinkaufsatz bewarben sie mit "Abgefüllt und mitgenommen".

Deshalb bekommt das Unternehmen regelmäßig großen Gegenwind. So fordert eine Petition gerade Supermärkte dazu auf, die Produkte aus den Regalen zu nehmen. Auch Influencer wie Dariadaria und Aminata Belli informieren ihre Follower über die Strategien des Herstellers.

ivy
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