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Wichtiges Zeichen: Australische Bindenwerbung zeigt rotes Blut: Werberat lehnt Kritik ab

Ein australischer Werbespot für Binden zeigt Menstruationsblut und erntet große Kritik. Doch der Werberat schmettert über 600 Beschwerden nieder.

Rotes Menstruationsblut in Werbung

Der Werbespot von "Libra" bekam viel Kritik

Menstruationsblut ist rot und von unterschiedlicher Konsistenz. Doch so wird es in der Werbung oft nicht dargestellt. Lange schon werden Hersteller von Periodenprodukten dafür kritisiert, die vollkommen normale Körperflüssigkeit blau darzustellen. Das australische Unternehmen "Libra" zeigt in seinem Werbespot jetzt Menstruationsblut – und das in der Prime Time. Die Kampagne #BloodNormal gefiel vielen australischen Zuschauern allerdings überhaupt nicht.

"Die Periode ist normal, sie zu zeigen, sollte es auch sein" 

Der fast zweieinhalb Minuten lange Spot zeigt aber nicht nur das Blut in seiner angemessenen Farbe, sondern stellt die Erfahrungen von Frauen während ihrer Periode realistisch dar und kämpft damit für eine Enttabuisierung der Menstruation. Die Szenen beinhalten eine Nahaufnahme einer Menstruierenden in der Dusche, der Wasser und Blut am Oberschenkel herunter läuft, Frauen, die über den Tisch im Restaurant rufen, "Hey, hast du eine Binde für mich?" und blutbefleckte Dessous. Männer, die Periodenprodukte kaufen oder Frauen, die Schmerzen UND Spaß haben – was sie aber nicht zeigen, ist Scham.
Eine Szene wirkt leider tatsächlich noch etwas unrealistisch und damit umso revolutionärer: Man sieht wie eine E-Mail geschrieben wird, in der es lautet, "Danke für Ihre E-Mail. Ich habe stark meine Tage und werde heute von zuhause arbeiten." So weit sind wir dann wohl doch noch nicht ganz. Als am Ende eine Jugendliche aufs Klo geht und ihre Binde wechseln will, wird das Bild aber verpixelt und die Worte "Die Periode ist normal, sie zu zeigen, sollte es auch sein" erscheinen auf dem Bildschirm.

Beschwerden sind nicht gerechtfertigt

Über 600 Beschwerden gingen daraufhin beim australischen Werberat, dem "Advertising Standard Board", ein: "Das Bluten eines Mädchens zu zeigen, ist zu jeder Uhrzeit unangemessen“, "extrem anstößig", "unnötig" oder "zu privat" sind nur einige Schlagworte aus den Beschwerden. Jeder wisse doch, wie eine Periode ablaufe, Menstruation sei eine Privatangelegenheit und es sei nicht angemessen für Kinder, schreiben sie. Doch trotz der Masse an Beschwerden wies der Werberat diese ab und lobte die Botschaft der Werbung. Sie sehe die Darstellung von Blut im Kontext einer Werbung für Damenhygieneprodukte nicht als schädlich für die Gesundheitsstandards der Gemeinschaft an, heißt es in dem Bericht. "Der Rat hält fest, dass die Darstellung eine akkurate Präsentation von real physisch auftretenden Begebenheiten ist." Zudem hält der Rat in seinem Bericht auch positive Kommentare zu der Werbung fest: "Ich liebe wie tägliche Situationen dargestellt werden und es die Periode normaler macht" oder "Ich mag, dass sie Blut zeigen", sind nur zwei Beispiele. Auch auf in den sozialen Medien bekommt die Firma viel Zuspruch und wird für ihren Mut gefeiert.

 

Die Kampagne #BloodNormal wurde schon 2017 gestartet und seitdem in einigen europäischen Ländern, Südafrika und Nord- und Südamerika ausgestrahlt. In Deutschland warten wir noch vergebens auf rotes Blut im Free TV.

Quellen: Twitter, "Advertising Standard Board"