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Diskussion auf Twitter: Die Angst fährt mit: Eine Frau erklärt, warum sie Taxifahrer regelmäßig anlügt

In vielen Situationen, über die die meisten Männer gar nicht groß nachdenken, haben Frauen Angst. Sei es, wenn sie durch den Park joggen, abends nach Hause gehen – oder auch, wenn sie allein Taxi fahren. Auf Twitter erklärt eine Frau, warum sie männliche Taxifahrer oft anlügt.

Eine Frau steigt in ein Taxi, aufgenommen in China

Überall auf der Welt haben Frauen Sorgen, die Männer oft gar nicht kennen

DPA

"Fahr mit dem Taxi nach Hause!" Das ist oft ein guter Rat, den man Töchtern, Freundinnen und generell jungen Frauen gern gibt, wenn sie abends ausgehen. Im Gegensatz dazu, zu Fuß im Dunkeln von einer Party nach Hause zu gehen, scheint diese Art der Beförderung sicher. Doch die meisten Frauen wissen: Sie müssen immer auf sich aufpassen. Auch in Situationen, über die die meisten Männer gar nicht groß nachdenken.

Jill Gutowitz, eine junge Autorin aus Los Angeles, schrieb auf Twitter nun ausführlich, was viele Frauen bereits erfahren mussten. In Amerika wird inzwischen oft der Fahrdienst Uber genutzt – er ist zwar günstiger als Taxis, am Steuer sitzen aber keine professionellen Fahrer, sondern Privatleute. Wenn Jill mal spätabends unterwegs ist und allein mit einem männlichen Fahrer im Wagen sitzt, wird es regelmäßig unangenehm.

Soll es zu ihrer Wohnung gehen? Ist sie Single?

"Männliche Fahrer fragen mich OFT, aber AUSSCHLIESSLICH nachts und wenn ich allein bin, wohin wir denn fahren würden. Wenn wir bereits unterwegs sind. Ich passe immer auf, dann nicht 'nach Hause' zu sagen." Denn, so erklärt sie: "Sie haben ja bereits die Adresse, darum ist es keine ernsthafte Frage. Sie wollen wissen, was diese Adresse für mich ist." Einem fremden Mann, in dessen Wagen man gerade so gut wie gefangen ist, zu sagen, dass man nach Hause fährt, wo man eventuell auch noch alleine wohnt? Wo er auch in den nächsten Tagen unerwartet vorbeikommen könnte? Das erscheint in der Tat keine gute Idee zu sein.

Jill gebraucht dann meist eine Notlüge. Eine, die ihr unangenehm ist und die sie auch wütend macht. "Meistens – bestimmt schon vier Mal dieses Jahr – antworte ich: 'Das ist das Haus meines Freundes.' Nur so lassen sie mich in Ruhe. Das ist scheiße – nicht nur, weil es sexistisch ist oder weil sie einen anderen Mann mehr respektieren als mich, sondern auch, weil ich lesbisch bin." Aber sie denkt, dass das keine Info ist, die man einem Fremden in einem solchen Moment geben möchte.

Für die Fahrer ist es vielleicht oft nur eine Situation, in der sie ihre "Chancen abchecken" wollen, "harmloses Flirten". Aber ihnen ist dabei offensichtlich nicht klar, wie ausgeliefert ein weiblicher Fahrgast ihnen in diesem Moment ist, und dass die Frau ihnen mit ihrer Adresse sensible Daten anvertraut hat. In einer solchen Situation braucht es Professionalität. Der plumpe Flirtversuch löst direkt Angst und Panik aus. Als Fahrgast möchte man nicht mit einem MANN allein im Auto sitzen, sondern mit einem FAHRER. Und da selbst eine "harmlose" Anmache angsteinflößend sein kann, weiß man nie, welche Intention der Mann wirklich hat.

Selbst "harmloses Flirten" ist völlig daneben

Auf Jills Tweets meldeten sich direkt viele Frauen, die Ähnliches erlebten und eigene Tricks haben, um aufdringliche Taxifahrer abzuwehren. "Verrückt, wie viele Frauen mir schon geantwortet haben um zu erzählen, wie sie reagieren, wenn sie gefragt werden, 'wo es denn hingehen soll'", schreibt Jill fassungslos. "Es ist Wahnsinn, dass das eine so verbreitete Erfahrung ist."

"Nur, wenn ich alleine unterwegs war, fragten mich männliche Uber-Fahrer, ob das mein Haus sei, ob ich allein wohne, ob ich Single sei. Es ist so unangebracht. Sie hören nur auf, wenn ich einen männlichen Partner erwähne. Dann sprechen sie gar nicht mehr mit mir. Das ist also nicht bloß Konversation", schreibt etwa Laura auf Twitter.

"Neben den VIELEN 'zu meinem Freund'-Lügen: Aus dem Nichts heraus erzählte mir ein Fahrer, dass er gerade versuche, weniger zu masturbieren. Ein anderer sagte mir, nachdem ich höflich meinte, dass ich zu müde zum Reden sei, ob ich ein heißes Bad bräuchte, er könnte mir bei sich zu Hause eins einlassen, um mich auf Temperatur zu bringen." Diese unangenehmen Erfahrungen musste Cerra machen.

Auch wenn die meisten Taxifahrer Profis sind, die weibliche Fahrgäste höflich behandeln: Es wird Zeit, dass ihre Kollegen, die das nicht tun, wissen, das Frauen sich über dieses Verhalten austauschen. Öffentlich.

Viraler Trend: Was denkt diese junge Frau wohl gerade? Twitter hätte ein paar Antworten parat ...
wt
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