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AfD: Dank kreativer Lehrer und Schüler: Warum das AfD-Beschwerdeportal kläglich scheitert

Die Berliner AfD-Fraktion ist am Montag mit ihrem "Beschwerdeportal" an den Start gegangen. Dort sollten Schüler und Eltern Lehrer melden, die sich negativ über die Partei äußern. Doch viele Bürger machten genau das Gegenteil.

Politiker, Lehrer, Schüler und Netzaktivisten rufen zum Protest gegen die Pläne der AfD auf

Politiker, Lehrer, Schüler und Netzaktivisten rufen zum Protest gegen die Pläne der AfD auf

Kritische Lehrer und "ideologisch einseitige Beeinflussung" melden – das soll die Idee hinter dem Beschwerdeportal "Neutrale Schule" sein, das die AfD seit Mitte Oktober in mehreren Bundesländern an den Start bringt. Schüler und Eltern könnten dort melden, wenn Lehrkräfte in "einseitiges politisches Weltbild" verbreiten, heißt es auf der Seite der Berliner AfD-Fraktion. Man habe im Vorfeld "laufend" solche Beschwerden erhalten. 13 AfD-Fraktionen planen ein solches Portal oder haben es bereits eingerichtet.

Berliner Portal zeitweise offline

Nach dem Start in Berlin und Brandenburg waren beide Portale jedoch teilweise nicht zu erreichen. User, die das Kontaktformular nutzen wollten, bekamen Montagabend und Dienstagmorgen öfter die Meldung "This form is disabled". Mittlerweile scheinen die Probleme jedoch behoben zu sein. Schon im Vorfeld hatten Politiker und Lehrer zum Boykott der Aktion aufgerufen. Politiker der Grünen, Linken und der Piratenpartei feierten, dass das Portal zeitweise nicht zu erreichen war. Die grüne Landesvorsitzende Nina Stahr und die bildungspolitische Sprecherin der Linken im Abgeordnetenhaus, Regina Kittler, hatten unter dem Hashtag #meldechallenge dazu animiert, das Portal mit Fake-Meldung zu fluten. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, hatte am Montag vorgeschlagen, doch Pizzabestellungen über das Portal aufzugeben, wie der rbb berichtet.

Piraten starten Gegen-Portal

In Baden-Württemberg mobilisierte die Piraten-Partei gegen das dort Anfang Oktober eröffnete Portal. Mit einem Meldeportal unter der Domain "mein-abgeordneter-hetzt.de" brachten sie nach eigenen Angaben das AfD-Portal zum Zusammenbruch. Nutzer können auf der Seite der Piraten Zitate von AfD-Politikern auswählen, die dann auf das Beschwerdeportal weitergeleitet werden. Darüber hinaus haben die Piraten die Domain "meinlehrerwehrtsich.de“ gestartet. Dort können Lehrer einen vorgefertigten Datenschutzgrundverordnungsantrag ausfüllen und an die betreffenden AfD-Seiten schicken. Die AfD muss dann innerhalb eines Monats Auskunft darüber geben, ob und wenn ja, welche Daten sie von den Lehrern gespeichert haben. 

Lehrer machen mobil

In Berlin machten auch die Lehrer mobil. Kurz vor der Eröffnung des Portals am Montag kursierte ein offener Brief der Berliner Lehrerinitiative "Bildet Berlin“ an die AfD-Fraktion, in dem die Lehrkräfte ihre "Vergehen“ schon im Vorfeld meldeten. "Wir gestehen, dass wir die Zeit des Nationalsozialismus nicht als kleinen 'Vogelschiss' behandelt haben“, heißt es dort unter anderem. Auch Lehramtsstudenten der Freien Universität solidarisierten sich mit den Pädagogen. Im Foyer des Steglitzer Fichtenberg-Gymnasiums hängten Schüler zudem ein Tuch mit der Aufschrift: "Wir sind nicht eure Spitzel. Spart euch Eure Petzplattform“ auf.

AfD kann Kritik nicht nachvollziehen

Die AfD kann die Kritik größtenteils nicht nachvollziehen. Von Denunziation oder gar einem Generalverdacht gegen Lehrer könne keine Rede sein, sagt der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Stefan Franz Kerker am Montag dem rbb. Das Portal sei notwendig, weil frühere Beschwerden oftmals nicht gegriffen hätten. So hätten Eltern berichtet, dass Schulleitungen auf Meldungen nicht reagierten.

lau