HOME

Konflikt um Konzert: Überraschendes Angebot: Feine Sahne Fischfilet können doch in Dessau auftreten

Die Punkband Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern wollte am 6. November im Bauhaus in Dessau spielen. Das sagte das Konzert jedoch auf Druck rechter Gruppierungen und konservativer Politiker ab. Nun gibt es womöglich eine Lösung.

Die Band Feine Sahne Fischfilet bei einem Konzert

Die Band Feine Sahne Fischfilet bei einem Konzert

Picture Alliance

Dass der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommerns sie, aus fragwürdigen Gründen, eine Weile beobachtete, hängt ihnen bis heute nach. Dabei sind die sechs Musiker der Band Feine Sahne Fischfilet das, was man reinsten Gewissens "gute Typen" nennen kann. Ungekünstelt, offen, sozial engagiert. Gerade für ihre Heimat Mecklenburg-Vorpommern tut die Punkband unheimlich viel. Seit 2014 kommen Sänger Monchi Gorkow und seine Kollegen auch in keinem Verfassungsschutzbericht mehr vor.

Das "Bauhaus Dessau", in dem die Band auf Einladung des ZDF am 6. November hätte spielen sollen, ließ sich von konservativen Politikern der CDU und AfD dennoch davon überzeugen, dass es keine gute Idee sei, die Band in den historischen Räumlichkeiten auftreten zu lassen. Wohl auch, weil man Proteste von rechten Gruppierungen fürchtete. Die hatte die Band unter anderem zuletzt mit ihrem Solidaritätskonzert in Chemnitz gegen sich aufgebracht.

Die Konzertabsage brachte dem Bauhaus viel Kritik ein: Man habe dort seine Geschichte verraten, hieß es. Das ZDF war empört – man plane "weiterhin die Aufzeichnung eines Konzerts zum aktuellen Album der Band", heißt es dort trotzig. Der Deutsche Kulturrat nannte die Absage einen "Skandal". Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters erinnerte eindringlich an die Kunstfreiheit.

Natürlich war auch die Band selbst wenig erfreut. "Das Bauhaus steht seit jeher für unabhängige Kunst, freie Architektur und hat historisch eine ganz klare antifaschistische Tradition, die von der Stiftung leider nun mit Füßen getreten wird. Das erschüttert uns und ist ein fatales Zeichen", kommentierten die Musiker enttäuscht auf ihrer Facebook-Seite. Sie planten entschlossen, dennoch in Dessau aufzutreten. Eine Anfrage beim Anhaltinischen Theater in Dessau wurde jedoch zuerst abgelehnt.

Niemand schien recht glücklich mit der Entscheidung zu sein – außer die rechten Kreise, die von Anfang an gegen den Auftritt waren. Vielerorts wurde nach Alternativen gesucht. Jetzt bot der Berliner Kultursenator Klaus Lederer an, die Band ins Bauhaus-Archiv in der Hauptstadt einzuladen. Unterstützt wurde das Angebot vom Trägerverein des Bauhaus-Archives.

Dessen Vorsitzender, Markus Klimmer, kritisierte die Dessauer Absage in der "Berliner Zeitung" deutlich: "Das Bauhaus ist ein politischer Ort. Wer etwas anderes sagt, hat das Bauhaus nicht verstanden." Zuvor hatte der Kulturminister von Sachsen-Anhalt, Rainer Robra, die Absage des Konzerts verteidigt: Das Bauhaus sei kein politischer Ort, so seine Meinung. Der CDU-Politiker nannte Feine Sahne Fischfilet eine "linksextreme Punkband". Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat widerspricht in einem MDR-Interview entschieden: "Diese Band ist sicherlich links, aber sie ist nicht extremistisch."

Nach der Einladung aus Berlin meldete sich allerdings auch das Anhaltische Theater in Dessau zurück. Plötzlich sieht die Theaterleitung die Situation ganz anders als zuvor – und entschuldigt sich für die vorherige Absage. "Nach der heftigen öffentlichen Diskussion hat die Theaterleitung verstanden, dass der Diskurs über Kunst nur geführt werden kann, wenn die Kunst sich unbedingt in aller Freiheit präsentieren kann“, heißt es. „Auch beim Publikum bitten wir um Entschuldigung für die viel zu lange Leitung.“ Man habe auch direkten Kontakt zur Band aufgenommen und sich entschuldigt.

Einem Konzert am 6. November in Dessau scheint nun nichts mehr im Wege zu stehen. Falls Feine Sahne Fischfilet nicht im Anhaltischen Theater selbst auftreten wollen, möchte man ihnen dort bei der Raumsuche helfen. Aber auch die Bühne stehe ihnen frei.

Das Dessauer Bauhaus bleibt übrigens bei seiner Absage, versucht sich aber zumindest an einer ungelenken Erklärung: Man habe sich gegen das Konzert entschieden, weil man Neonazis keine Plattform bieten wolle. Durch die öffentliche Aufmerksamkeit sei nun das Gegenteil geschehen. "Wir wollen in den kommenden Wochen die Kritik, vor den Rechten eingeknickt zu sein, zum Anlass nehmen, eine öffentliche Debatte darüber zu führen, wie wir uns heute für eine offene Gesellschaft und gegen Ausgrenzung engagieren."

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Der "Feine Sahne Fischfilet"-Sänger hat in Chemnitz nicht den Hitlergruß gezeigt




wt