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Gleichgeschlechtliche Ehe: Die Bundesbildungsministerin findet die Einführung der Ehe für alle "so nicht richtig"

Die CDU-Politikerin Anja Karliczek findet die Einführung der "Ehe für Alle" übereilt. Außerdem fordert sie eine Studie darüber, wie Kinder in Regenbogenfamilien aufwachsen.

Mann mit Jeansjacke

Befürworter der "Ehe für alle" setzten ihren Protest bunt in Szene

"Wir verschieben eine ganze Gesellschaft und reden gar nicht richtig drüber", sagte die Bundesministerin für Bildung- und Forschung, Anja Karliczek, am Dienstag in einem TV-Interview mit dem Sender n-tv. Sie kritisierte dabei die Art und Weise, wie die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt wurde. Zudem forderte die Politikerin weitere Langzeitstudien dazu, wie Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen.

Karliczeks Meinung

Bei der Abstimmung zur "Ehe für alle“ im vergangenen Juni hatte die Ministerin selbst gegen das "Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts" gestimmt. Die Entscheidung im Bundestag kam damals relativ schnell zustande, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer öffentlichen Veranstaltung gesagt hatte, sie könne sich eine Gewissensentscheidung der Abgeordneten, statt einer klassischen Abstimmung, vorstellen.

Die Bildungsministerin hält diese Entscheidung für überstürzt: "So, wie wir es gemacht haben, hat es eher für Polarisierung gesorgt", sagte sie. Man könne gesellschaftliche Strukturen nicht "mal eben mit einem Federstrich" verändern.

2017 hatte Karliczek ihre Ablehnung damit begründet, dass es noch keine Studien gebe, die die Auswirkungen auf Kinder aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zeigten. Im Gespräch mit n-tv hobt sie diesen Aspekt erneut hervor: "Solange wir nicht wissen, ob es was verändert oder nicht, solange muss man doch diese Entscheidung nicht treffen", sagte sie auf Nachfrage des Moderators. Es gehe jedoch nicht darum, ob Kinder aus gleichgeschlechtlichen Ehen glücklich und gut erzogen seien, sondern ob sie das "emotionale Spannungsfeld zwischen Vater und Mutter" bräuchten.

Wie reagiert die Politik?

Politiker aus allen Parteien kritisierten die Äußerungen der Ministerin. Jens Brandenburg, politischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für LSBTI-Themen, nannte die Forderung nach Langzeitstudien "absurd". Auf Twitter schrieb er: "Kinder in Regenbogenfamilien leiden nicht unter ihren Eltern, sondern unter den Vorurteilen anderer." 

In einer Pressemitteilung forderte Johannes Kahrs, Beauftragter der SPD-Bundestagsfraktion für die Belange von Lesben und Schwulen, eine öffentliche Entschuldigung der Ministerin bei den Betroffenen. Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann twitterte: "Ich fordere vielmehr eine Langzeitstudie, inwieweit so eine hinterwäldlerische und diskriminierende Haltung auf die Amtsausübung auswirkt."


lau