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Politik für junge Wähler: Das passiert, wenn Jugendliche über eine Million Dollar entscheiden

Was tun, wenn die Wahlbeteiligung unter Jugendlichen gering ist? Die Stadt Boston lässt junge Wähler über einen Teil des städtischen Budgets entscheiden. Und die sind ganz schön kreativ.

Boston Wähler jung

Nix mit dicker Karre – in Boston haben Jugendliche die Chance, das Budget der Stadt in Infrastrukturprojekte zu investieren (Symbolbild)

Eine Million Dollar für Pizza – in welchem Land der Welt hält ein 12-Jähriger das für keine gute Idee? In Boston, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Massachusetts, bauen Schüler damit lieber behindertengerechte Spielplätze oder setzen sich für kostenloses WiFi ein. Boston ist nämlich die einzige Stadt weltweit, in der Jugendliche ab zwölf Jahren über den Haushalt mitentscheiden können, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Das Konzept hinter dem "Youth Lead The Change"-Programm ist simpel: Bürger kennen ihre Probleme meist besser als die Politik und junge Wähler lernen so, dass politische Beteiligung auch positive Auswirkungen auf ihr Leben hat.

Eine Stimme in der Demokratie

Denn weltweit lassen die Jungen häufig die Alten und Älteren über ihre Zukunft entscheiden. In Deutschland gehen nur knapp 70 Prozent der unter 25-Jährigen wählen. In Amerika ist die Lage noch schlimmer: Bei der letzten Präsidentschaftswahl ging bei den unter 29-Jährigen nicht einmal jeder Zweite zur Wahl. Dabei ist die Idee, Bürger an den Entscheidungen der Politik mitwirken zu lassen, in über 1500 Ländern der Welt verbreitet.

In Boston sammeln Kinder und Jugendliche im Herbst drei Monate lang Ideen für neue Infrastruktur- und Technologieprojekte. Im vergangenen Jahr nahmen 500 Kinder teil, 700 Vorschläge kamen zusammen. In diesem Frühjahr sucht ein Team aus "Change Agents" fünf realistische Vorschläge aus, die dann im Mai öffentlich zur Wahl gestellt werden. Darüber entscheiden dürfen nur Bostoner im Alter von zwölf bis 22 Jahren. Ruth Georges, die das Projekt seit eineinhalb Jahren leitet, ist immer wieder begeistert von den Ideen der Jugendlichen: "In der letzten Runde hatten wir allein drei ernsthafte Vorschläge für Solarenergie", sagt sie. "Es ist absolut erstaunlich, wo Schüler Verbesserungsmöglichkeiten identifizieren." Die Studierenden und Schüler würden durch das Projekt lernen, wie in einer Stadt die Entscheidungen getroffen werden und merken, dass sie in der Demokratie eine Stimme hätten.

Höhere Wahlbeteiligung in Boston

Weil das Programm so erfolgreich ist, wollen andere Städte wie Seattle und Chicago es nun ebenfalls einführen. Außer einer Million Dollar kostet das Projekt die Stadt drei Teilzeitstellen und das Gehalt für Managerin Ruth Georges. Auch in Deutschland gibt es ähnliche Bürgerhaushalte, etwa in Freiburg oder Köln; jedoch werden sie aufgrund angeblich zu geringer Beteiligung immer weniger.

In Boston hat sich das "Youth Lead the Change"-Projekt auch auf die echten Wahlen ausgewirkt. "Wir haben über die letzten Jahre eine Studie durchgeführt und sehen eindeutig, dass die Schüler, die bei uns wählen, dann auch überdurchschnittlich oft bei den richtigen Wahlen wählen", sagt Managerin Ruth Georges.

lau