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Kommentar

Nach Aufreger-Aussage: Putin erteilt Russinnen Sex-Erlaubnis? Nope. нет. Nein. Das darf nicht sein.

Die Vorsitzende des Familienausschusses in Russland hat die Hoffnung geäußert, dass russische Frauen während der WM nicht mit internationalen WM-Gästen schlafen würden. Anstatt ihr die Meinung zu geigen, antwortet Putin mit patriotischem Wischiwaschi. Das findet unsere Autorin nicht in Ordnung.

Frau mit Russlandflagge und Wladimir Putin.

Wladimir Putin erlaubt den russischen Frauen Sex mit WM-Touristen – wie gnädig.

Zunächst möchte ich sicherstellen, dass wir uns in einer Sache alle einig sind: Es ist 2018. Alle bei mir? Super, musste nur kurz gesagt sein. Denn was uns diese Woche aus Russland zu Ohren kommt, könnte auch vermuten lassen, dass wir uns in der Steinzeit befinden. Das mag übertrieben klingen, aber ich bin nun mal leicht aufgebracht – okay?

Aber von vorne: In einem Radio-Interview hatte die russische Politikerin und Vorsitzende des Familienausschusses Tamara Pletnjowa die Hoffnung geäußert, dass russische Frauen während der WM nicht mit den internationalen WM-Gästen schlafen würden. (I KNOW! Kommen wir gleich nochmal drauf zurück, keine Sorge.) Ihre Begründung: Alltagsrassismus sei in Russland noch immer ein solches Problem, dass Kinder aus Beziehungen zwischen verschiedenen Ethnien mit hoher Wahrscheinlichkeit diskriminiert würden. Das wäre bei den Olympia-Kindern, die während der Olympischen Spiele in Moskau 1980 gezeugt wurden, auch schon ein Problem gewesen. Ja gut, da könnte man natürlich das Problem der Fremdenfeindlichkeit in Russland angehen – oder halt den wenig logischen Weg einschlagen und den russischen Frauen einen Keuschheitsgürtel anlegen.

Wladimir Putins Reaktion reicht so nicht aus 

Frau Pletnjowa ist 70. Und Vorsitzende des Familienausschusses. Und ganz offensichtlich wahnsinnig konservativ. Ihre Äußerung ist an sich schon sehr, sehr problematisch. Aber was so richtig den Vogel abschießt, ist die Reaktion des russischen Staatsoberhauptes. Denn anstatt seine Abgeordnete zurückzupfeifen und ihr erstens mal ein bisschen die Leviten zu lesen und zweitens ein Buch über Verhütung und eine Box Kondome zu schenken, meldete sich Wladimir Putin per Sprecher folgendermaßen zu Wort: "Die russischen Frauen können das wahrscheinlich für sich selbst entscheiden. Sie sind die besten Frauen der Welt." 

DIE KÖNNEN DAS NICHT WAHRSCHEINLICH FÜR SICH SELBST ENTSCHEIDEN, DIE KÖNNEN GOTTVERDAMMTNOCHMAL MACHEN, WAS SIE WOLLEN! Und wenn sie sich durch sämtliche Teilnehmernationen der WM pimpern wollen, dann können sie das auch machen. Und wenn sie das nicht wollen, auch okay. WIESO ZUR HÖLLE GIBT ES DIESE DISKUSSION ÜBERHAUPT!?

Der Präsident muss Frauen die Erlaubnis zum Sex geben? Das darf nicht sein.

Seine Abgeordnete geht im Radio an die Öffentlichkeit und bittet im Jahre 2018 um mehr Züchtigkeit und der Präsident hat nichts Besseres zu sagen, als "sie sind die besten Frauen der Welt"?! Das ist ja nett und so – aber nicht als Reaktion auf Sexismus und Rassismus Level 3000 aus seinen eigenen Reihen. Nope. Net. Absolutely not.

Jetzt klingt es, als habe Putin den russischen Frauen den staatlichen Segen zum Lakensport gegeben. So à la 'Es sei euch erlaubt, eure Sexualpartner frei zu wählen.' Meeensch, danke Wladi, zu gütig, so lieb, das wäre doch nicht nicht nötig gewesen. Was es als Antwort auf eine solch horrende Aussage stattdessen gebraucht hätte, wäre eine klare Positionierung gewesen. Kein patriotisches Wischiwaschi. Aber gut, was hatten wir von Wladimir Putin auch anderes erwartet?

Eine Kombo zeigt llinks Joachim Löw mit einer Espresso-Tasse am Mund und rechts Ägyptens Stürmer Mohamed Salah beim Training
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?