Ein eingespieltes Duo, harte Themen, internationale Schauplätze: Als die Krimireihe "Zielfahnder" vor zehn Jahren im Ersten unter Regie von Dominik Graf ihre Premiere hatte, waren die Kritiken voll des Lobes. Auf die furios-authentische Verbrecherjagd in Rumänien folgten ein neuer Hauptdarsteller und zwei weitere Filme, die in uruguayische und nordschwedische Gefilde führten. Im nunmehr vierten Fall der Reihe verschlägt es Ulrike C. Tscharre und Hanno Koffler als Ermittlerteam nach Malta, wo sie sich unter dem Titel "Zielfahnder – Kalte Sonne" diesmal in besonders düstere Abgründe und schließlich selbst in Gefahr begeben.
Ohne große Einführung wird man direkt reingeworfen in den Film von Regisseur Stephan Lacant, der bereits für den zweiten "Zielfahnder"-Teil "Blutiger Tango" (2019) verantwortlich zeichnete. Im Fokus steht eine skrupellose Menschenhändlerin, die einen globalen Prostitutionsring betreibt, junge Frauen auf brutalste Weise sexuell ausbeuten lässt und sich dafür zu Beginn vor Gericht verantworten muss. Herausragend verkörpert Susanne Wuest jene zynische Frau namens Maria Weinert als empathielose Täterin, der jedoch noch vor dem Urteil die Flucht nach Malta gelingt. Landauer (Tscharre) und Röwer (Koffler), nach dem Ausstieg von Ronald Zehrfeld seit dem zweiten Film dabei, nehmen die Fährte auf und ermitteln fortan auf der sonnigen Mittelmeerinsel.
Neues Gesicht, neue Identität
Die Spur führt zum deutschen Schönheitschirurgen Hendrik Meingast (Godehard Giese), der sich mit seiner Frau Ursel (Kim Riedle) auf Malta niedergelassen hat. Schon bald deuten die Ermittlungen darauf hin, dass die flüchtige Maria Weinert ihr Gesicht umoperieren lassen und damit eine neue Identität annehmen will. Während Röwer dem schmierigen Chirurgen auf den Zahn fühlt, nähert sich Landauer seiner fragilen Gattin, die sich als einstige gute Freundin der Menschenhändlerin herausstellt.
Derweil folgt das Publikum bereits der Täterin, die in ihrem Versteck mit hübsch horrormäßigen Gesichtsbandagen angespannt auf ihr neues Aussehen wartet. Weniger um unterzutauchen, sondern vielmehr, um ihr kriminelles Netzwerk namens "Pink Rose" weiterzubetreiben. In dessen mafiöse Strukturen und damit in Lebensgefahr gerät das Ermittlerduo schon bald hautnah: Weinert schickt ihrerseits brutale Typen auf Jagd nach Landauer und Röwer. Als hätten diese nicht auch privat genug Probleme. So sucht Landauers Tochter Kontakt, die bei einer anderen Familie aufwuchs und sich nun bei ihrer biologischen Mutter meldet.
"Es war, als würde mir die Seele weggerissen"
Ein weltweites Missbrauchssystem, das selbst Minderjährige versklavt, als Ware verkauft und niederträchtigen Männern zugänglich macht: Aktueller könnte ein Krimithema angesichts der fürchterlichen Realität patriarchaler Ausbeutungsverhältnisse und prominenter Gefälligkeitsnetzwerke (leider) kaum sein. Das Drehbuch von Mia Maariel Meyer, zuletzt gefeiert als Regisseurin des Alkoholismus-Dramas "22 Bahnen", erzählt schonungslos von jener Unmenschlichkeit – vor allem aber auch von den körperlichen, psychischen und sozialen Folgen für die Opfer. "Es war, als würde mir die Seele weggerissen", lässt sie eine der Betroffenen von ihrem Martyrium berichten.
Der vierte "Zielfahnder"-Film setzt auf wichtige Aufklärung über die gnadenlose Zurichtung im weltweit agierenden Menschenhandel, bisweilen aber auch auf abgenutzte Bilder zum Thema: Da liegen halbnackte Frauen hilflos im Scheinwerferlicht an schmutzigen Häfen, da suchen erschrockene Opfer-Gesichter die Träume der getriebenen Ermittler heim. Abgesehen von derlei und anderen Stereotypen (Stichwort: Ermittlungen in gleißendem Mittelmeerlicht) sowie manchem unglaubwürdigen Zufall kann der neue "Zielfahnder"-Teil aber als Krimithriller überzeugen. Die spannende Inszenierung, eine sehenswerte Kulisse und ein hochrelevantes Thema treffen auf ein glaubwürdiges Hauptdarsteller-Duo, von dem man gern noch mehr sähe.
Zielfahnder – Kalte Sonne – Sa. 18.04. – ARD: 20.15 Uhr