In einem weiteren Schreiben vom 20. April hatte Guzmán beklagt, dass seine Anfragen zu den Unterlagen, die seiner Verurteilung zugrunde liegen, unbeantwortet geblieben seien. Diese Dokumente würden "meine grausame Bestrafung" nicht rechtfertigen, schrieb er. "Das Urteil in meinem Prozess war nicht fair." Der ehemalige Drogenboss hatte sich in früheren Gefängnisbriefen wiederholt über Isolation, schlechte Bedingungen in seiner Zelle und den Mangel an Familienbesuchen beklagt.
Guzmán war im Jahr 2017 in die USA ausgeliefert worden, nachdem er zweimal aus mexikanischen Gefängnissen entkommen war. Er wurde zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt, die er in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Colorado verbüßt.
Das berüchtigte von Guzmán geleitete Sinaloa-Kartell schmuggelte nach Angaben des US-Justizministeriums in einem Zeitraum von 25 Jahren mehr als 495 Tonnen Kokain, 99 Tonnen Heroin, 49 Tonnen Metamphetamine und 99 Tonnen Marihuana in die USA. Aus Justizakten geht hervor, dass "El Chapo" zudem hinter zahlreichen Morden steckt.