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Tierrecht Streit um Tötung: Pablo Escobars Nilpferde als juristische Personen anerkannt

Eines der Nachkommen von Pablo Escobars Nielpferden auf der "Hacienda Nápoles" in Kolumbien
Eines der Nachkommen von Pablo Escobars Nielpferden auf der "Hacienda Nápoles" in Kolumbien
© Luis Bernardo Cano / Picture Alliance
Der verstorbene Drogenboss Pablo Escobar hinterließ nach seinem Tod einen ganzen Privatzoo in Kolumbien. Seine Nilpferde werden dort aber zum Problem und entfachen einen Rechtsstreit um eine mögliche Tötung.

Als der kolumbianische Drogenbaron Pablo Escobar in den 1990er Jahren stirbt, hinterlässt er seinen eigenen Privatzoo. Fast alle Tiere werden verkauft, nur die Nilpferde dürfen bleiben. Da diese sich aber stetig fortpflanzen, werden sie mittlerweile zum Problem in Kolumbien. Während einige den Abschuss der Tiere fordern, setzen sich Tierschützer für den Erhalt der Hippos ein – und haben Erfolg.

Nilpferde schaden dem Ökosystem

In Kolumbien lebt die inzwischen größte Nilpferdherde außerhalb Afrikas. Und diese haben eine ungewöhnliche Herkunft: Sie stammen von Nilpferden ab, die dem ehemaligen Drogenbaron Pablo Escobar gehört haben. Escobar hinterließ nach seinem Tod einen Privatzoo, in dem er unter anderem Zebras, Giraffen und Kängurus hielt. Fast alle Tiere seiner Farm "Hacienda Napoles" wurden damals verkauft, nur die Nilpferde durften bleiben. 

Das Problem: Die Hippos pflanzen sich einfach zu schnell fort. Inzwischen zählt die Herde rund 100 Tiere. Da sie in Kolumbien als invasive Art gelten, schaden sie dem heimischen Ökosystem. Auch soll es bereits zu Angriffen auf Fischer gekommen sein. Um der unkontrollierten Vermehrung der Tiere entgegenzuwirken, wurden bereits 24 der Tiere sterilisiert. Es wird aber auch immer wieder diskutiert, die gesamte Herde zum Abschuss freizugeben.

US-Gericht trifft bahnbrechende Entscheidung

Um die Tötung der Tiere zu verhindern, setzen sich auf der anderen Seite Tierschützer:innen für die Nilpferdherde ein. So etwa die US-amerikanische Tierschutzorganisation Animal Legal Defense Fund (ALDF), die sich die rechtliche Vertretung von Tieren auf die Fahne geschrieben hat. Nun haben die Tierschützer Erfolg. Ein Bezirksgericht im US-Bundesstaat Ohio hat mit den Nachkommen von Pablo Escobars Nilpferden nun erstmals Tiere als juristische Personen anerkannt. Der Beschluss "wird den Flusspferden in ihrem Prozess helfen, nicht zu sterben", so Christopher Berry von der ALDF.

Warum darf ein US-Bundesgericht die Tiere in Kolumbien vertreten? In den USA gibt es ein Gesetz, nach dem US-Gerichte "interessierte Personen" in ausländischen Rechtsstreits vertreten dürfen. Der "Gemeinschaft der Flusspferde im Magdalena-Fluss" wurde nun dieser Status "interessierter Personen" zugesprochen. Die Tierschützer:innen setzen sich nun dafür ein, dass zwei Experten für die Sterilisation von Wildtieren vor dem Gericht aussagen dürfen, um die Nilpferde im Prozess zu unterstützen. "Im weiteren Sinne ist dies das erste konkrete Beispiel dafür, dass ein US-Gericht Tieren erlaubt, ein Recht im eigenen Namen auszuüben", erklärt Berry.

Quellen: Spiegel, Bild, FAZ


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