DB-Personalvorstand Martin Seiler sagte am Nachmittag in Berlin, dass der Zugbegleiter "vorbildlich gehandelt" habe. Er habe deeskaliert, sei aber ohne Gegenwehr gewesen. "Wir alle trauern um Serkan", fügte Seiler hinzu. Der Getötete hieß Serkan C.
Der 36 Jahre alte Zugbegleiter war am Montagabend von einem Schwarzfahrer lebensbedrohlich verletzt worden, als der Zug gerade den Bahnhof Landstuhl bei Kaiserslautern verließ. Er hatte den Reisenden zuvor kontrolliert und wollte ihn wegen des fehlenden Fahrscheins des Zugs verweisen, wie die Polizei in Kaiserslautern mitteilte.
Der Schwarzfahrer habe dann plötzlich angegriffen. Der Schaffner wurde durch Faustschläge gegen den Kopf so schwer verletzt, dass er reanimiert werden musste. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er am Mittwochmorgen starb. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken ordnete eine Obduktion des Leichnams an, diese sollte am Mittwoch stattfinden.
Der tatverdächtige 26-Jährige wurde noch vor Ort festgenommen. Das Amtsgericht Zweibrücken erließ am Dienstagabend Haftbefehl gegen ihn. Die Eisenbahn-Gewerkschaft EVG gedachte des Getöteten am Nachmittag in einer Schweigeminute. Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nahm daran teil.
Er äußerte sich nach der Gewalttat entsetzt, ebenso wie andere Politiker. Es sei furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit durch "rohe und sinnlose Gewalt" getötet werde", erklärte der aus Rheinland-Pfalz stammende Schnieder. Alle staatlichen Ebenen seien nun gefragt, um die steigende Gewaltbereitschaft einzudämmen.
"Ich bin bestürzt, erschüttert und tief betroffen vom Tod des Schaffners", teilte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit. Er forderte "entschiedene Konsequenzen" für zunehmende Gewalt gegen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und anderer Dienstleister und zudem härtere Strafen.
Auch die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und dem Saarland reagierten entsetzt. "Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück", erklärten der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (beide SPD) am Mittwoch gemeinsam in Mainz und Saarbrücken.
Im Juni waren nach einer Anfrage der Linken im Bundestag neue Zahlen zu Übergriffen auf Bahnmitarbeiter bekannt geworden: Delikte wie Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung und Bedrohung stiegen demnach von 2799 im Jahr 2022 auf 3151 im Jahr 2024.
Nach dem Tod des 36-Jährigen plädierten Gewerkschaften und der Fahrgastverband Pro Bahn nun für besseren Schutz für das Zugpersonal. EVG-Chef Martin Burkert forderte, der Überfall müsse ein Umdenken einleiten. Die Politik müsse sofort mehr für die Sicherheit tun. "So ein Fall darf sich niemals wiederholen."
Es sei "eine neue Dimension der Gewalt erreicht", sagte Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei der "Rheinischen Post" am Mittwoch. Er forderte sofortiges Handeln. "Uns ist bekannt, dass auf gewissen Strecken zu gewissen Zeiten Zugbegleiterinnen diese nicht mehr alleine fahren, da die Gefahren zu hoch sind", sagte er weiter.
Pro Bahn forderte Schutzausrüstung für Zugpersonal. Schutz vor Übergriffen könne nur die Begleitung durch Bundespolizei bieten, was bei der Menge der täglich fahrenden Züge aber kaum umsetzbar sei, sagte der Bundesvorsitzende Detlef Neuß der Zeitung. Bodycams oder Schutzwesten könnten zumindest bedingt schützen.
Am Mittwoch kam es unterdessen in Hamburg zu einem weiteren Angriff auf einen Bahnmitarbeiter. Ein 43-Jähriger soll die Aufsicht am Bahnsteig im Bahnhof Dammtor mit Faustschlägen gegen den Kopf und den Oberkörper attackiert haben, weil er einen Dienstraum nicht betreten durfte. Der Bahnmitarbeiter erlitt Kopfverletzungen und wurde mit dem Verdacht einer Gehirnerschütterung in ein Krankenhaus gebracht.