Nach dem gewaltsamen Tod des 36-jährigen Zugbegleiters (hier lesen Sie mehr) ruft die Eisenbahn-Gewerkschaft EVG zu einer Schweigeminute am Mittwochnachmittag um 15 Uhr auf. "Heute steht die Eisenbahnerfamilie still", erklärte der Chef der EVG, Martin Burkert. Der Überfall müsse ein Umdenken einleiten, forderte er. Die Politik müsse sofort mehr für die Sicherheit tun. "So ein Fall darf sich niemals wiederholen."
Die Gewerkschaft sei bestürzt und fassungslos über den Angriff. Vor allem aber seien die Beschäftigten "wütend", erklärte Burkert. Denn die Zahl der Übergriffe bei Bahn und Bus steige seit Jahren. "Und die Politik schaut zu." Jahrelang sei an der Sicherheit von Personal und Fahrgästen gespart worden, kritisierte der Gewerkschaftschef. "Auf vielen Zügen im Nahverkehr gibt es nur einen Zugbegleiter", fügte er hinzu. Sicherheitspersonal fahre fast nie mit. Doch die Gewerkschaft gibt sich kämpferisch: "Ab morgen erhöhen wir noch mal den Druck. Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten." Die Politik müsse Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreifen.
Von der Bahn und aus der Politik kommen erschütterte Reaktionen:
Bahn-Chefin Evelyn Palla
"Wir alle bei der Deutsche Bahn verurteilen aufs Schärfste diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen", erklärte die Vorstandschefin der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, am Mittwoch. "Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum kommt es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen", fügte sie hinzu. Ihr Mitgefühl gelte den Kollegen, Angehörigen und Freunden des Toten. "Heute ist ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land", ergänzte sie.
Verkehrsminister Patrick Schnieder
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) rief zu mehr Engagement für die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen auf. "Wir müssen gemeinsam mehr tun für den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein", sagte Schnieder laut einer Mitteilung.
"Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt", sagte Schnieder. Er sei entsetzt und fassungslos. Sein Mitgefühl gelte der Familie, den Kolleginnen und Kollegen sowie den Freunden des Getöteten.
Alexander Schweitzer und Anke Rehlinger
"Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück", teilten der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer und seine saarländische Kollegin Anke Rehlinger (beide SPD) mit. "Unsere Gedanken sind bei der Familie, allen Angehörigen und den Freundinnen und Freunden des getöteten Bahnmitarbeiters", schrieben die Regierungschefs. Man danke den Einsatzkräften und den Fahrgästen, die geholfen hätten.
"Diese Tat erschüttert die gesamte Bahn-Familie, und sie ist furchtbarer Ausdruck einer seit Langem steigenden Aggressivität bis hin zu Gewalt gegenüber Zugbegleitern", teilten Schweitzer und Rehlinger mit. "Damit Zugbegleiter und Fahrgäste besser geschützt werden, müssen sich alle Beteiligten zusammentun." Beide stünden im Kontakt mit dem Gesamtpersonalrat der DB-Regio.
Gordon Schnieder
Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat den tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter als "Angriff gegen uns alle" bezeichnet. "Ich bin fassungslos", teilte er in Mainz mit. "Der junge Mann hat seine Arbeit gemacht – Fahrkarten kontrolliert –, dabei wurde er brutal angegriffen. Er hatte sein ganzes Leben noch vor sich." Immer häufiger würden Uniformierte in Deutschland Opfer von Gewalt. "Wir nehmen wahr, dass die Hemmschwelle für Beleidigungen, Bedrohungen und Attacken sinkt – Verrohung hat viele Gesichter." Es sei "unsere Pflicht, solchen Angriffen entschlossen entgegenzutreten".