Obwohl inzwischen rund 250 ehemalige Schülerinnen und Schüler der Bétharram-Schule von sexuellem, körperlichem und seelischem Missbrauch berichtet haben, ist dies erst das zweite Ermittlungsverfahren, das eingeleitet wurde. Die meisten mutmaßlichen Straftaten gelten als verjährt.
Bei dem anderen Beschuldigten handelt es sich um einen ehemaligen Betreuer, gegen den seit rund einem Jahr wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung von Minderjährigen ermittelt wird. Insgesamt wurden 15 Priester und vier nicht-geistliche Mitarbeiter der Schule im Südwesten Frankreichs beschuldigt, allerdings sind die meisten von ihnen verstorben.
Der Bétharram-Ordensgemeinschaft hat ihre Verantwortung anerkannt und Entschädigungen für alle Opfer in Aussicht gestellt. Die Schule hat inzwischen den Namen gewechselt. Die Schülerinnen und Schüler sollen zudem aus den bisherigen Schulgebäuden ausziehen, die mit dem Missbrauchsskandal verbunden sind. Die Ordensgemeinschaft hat weitere Einrichtungen in einem Nachbardorf.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der Bétharram-Schule hatten sich zahlreiche mutmaßliche Missbrauchsopfer an anderen, häufig katholisch geführten Schulen im ganzen Land gemeldet. Derzeit wird ein Gesetzentwurf debattiert, um Gewalt gegen Kinder an Schulen früher zu erkennen und zu verhindern.
Der Fall hatte auch deswegen in Frankreich Aufsehen erregt, weil der frühere Premierminister François Bayrou mit der Schule eng verbunden war. Eine parlamentarische Untersuchungskommission hatte Bayrou vorgeworfen, von den Gewaltakten gewusst zu haben, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Bayrou wies die Vorwürfe zurück.