Mittelfristig müssten die Kassen ihre Verwaltungskosten "dringend halbieren", sagte Blumenthal-Beier. "Die Krankenkassen können ja mal ihre Mitglieder fragen, wofür sie ihre Beiträge lieber zahlen: Dafür, dass sie auch in Zukunft noch eine Hausarztpraxis finden oder dafür, 90 Kassen zu finanzieren."
Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK Verena Bentele nannte es in der "Rheinischen Post" "nicht mehr vermittelbar, dass wir uns in Deutschland ein System aus über 90 gesetzlichen Krankenkassen leisten". Diese "Kleinteiligkeit" schaffe unnötige Doppelstrukturen, etwa in Organisation, IT und Selbstverwaltung, und binde erhebliche Beitragsmittel in der Verwaltung. "Hier geht es um Milliardenbeträge, die direkt in die Versorgung der Patientinnen und Patienten fließen sollten."
Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek, nannte "eine Konsolidierung auf rund 20 bis 30 Kassen (...) ein realistisches und sinnvolles Ziel". Die Kassen seien gut beraten, "von sich aus verstärkt Synergien zu suchen, Kooperationen auszubauen und Zusammenschlüsse einzuleiten - bevor der Gesetzgeber handeln muss", sagte Holetschek der "Rheinischen Post".
Hintergrund der Forderungen ist, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen im vergangenen Jahr stärker gestiegen sind als die Einnahmen. Auch deshalb berät eine Kommission im Auftrag von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) derzeit Maßnahmen für eine dauerhafte Stabilisierung der Beitragssätze. Ergebnisse sollen Ende des Monats vorgelegt werden.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wies die Kritik zurück. Mit einem im Herbst beschlossenen Verwaltungskostendeckel leisteten die Kassen schon in diesem Jahr einen "Sparbeitrag in Höhe von 100 Millionen Euro", erklärte der Vorsitzende Oliver Blatt. Er verwies zudem darauf, dass sich die Zahl der Krankenkassen von über tausend in den 1990er Jahren auf nur noch 93 verringert habe. "Wenn alle Bereiche in unserem Gesundheitssystem so veränderungsbereit wären wir die Krankenkassen, wären viele Probleme sicherlich längst gelöst."
Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands ist der Anteil der Verwaltungskosten an den Gesamtausgaben der Krankenkassen von 4,88 Prozent im Jahr 2015 auf zuletzt 3,86 Prozent gefallen. Der Personalbestand der gesetzlichen Krankenkassen sank gleichzeitig um 3,1 Prozent von 136.493 Vollzeitstellen im Jahr 2015 auf 132.250 im Jahr 2024. Die Anzahl der Versicherten habe dabei aber gleichzeitig von rund 70,7 Millionen auf 74,6 Millionen zugenommen.
Rückendeckung bekamen die Kassen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): "Sparen gilt im Gesundheitswesen offenbar immer nur für die anderen", erklärte Vorstandsmitglied Anja Piel. Die Hausärzte erklärten die Krankenkassen "einfach zu Kostentreibern". Wesentlicher Faktor für die steigenden Ausgaben seien aber "die aus der Zeit gefallene Trennung zwischen ambulanter und stationärer Behandlung, Doppelstrukturen und Doppeluntersuchungen". Dies sorge dafür, "dass Kosten aus dem Ruder laufen - übrigens nicht nur in den Krankenhäusern, sondern eben auch bei niedergelassenen Ärzten".