Moretti gab sowohl bei seiner Ankunft als auch nach der Anhörung keinen Kommentar gegenüber den wartenden Journalisten ab. Er kündigte an, bald eine Erklärung abgeben zu wollen. Jessica Moretti soll am Donnerstag befragt werden.
In der Bar des Paares "Le Constellation" hatten in der Silvesternacht 41 zumeist junge Menschen bei einem Brand im Untergeschoss tödliche Verletzungen erlitten, darunter sechs italienische Minderjährige. 115 weitere Menschen erlitten Verletzungen, darunter teilweise sehr schwere.
"Ich hoffe, dass es Antworten gibt", sagte Opfer-Anwalt Nicolas Mattenberger vor den Journalisten. "Wir hoffen, besser zu verstehen, was passiert ist, und die Verantwortlichkeiten festzustellen."
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hatte am Montag erklärt, die Befragungen am Mittwoch und Donnerstag gäben den Anwälten der Zivilkläger die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sie bislang nicht stellen konnten.
Die mittlerweile 263 Zivilkläger werden von insgesamt 74 Anwälten vertreten. Der italienische Anwalt Fabrizio Ventimiglia erklärte, er erwarte nicht nur Antworten zu den Sicherheitsvorkehrungen in der Bar, sondern auch zur Zahl der Gäste auf der Party und zum Alkoholausschank an Minderjährige.
Auch Leila Micheloud, Mutter von zwei bei dem Brand verletzten Töchtern, kam zu der Befragung. "Es ist ein Pfad der Heilung", sagte sie. "Wir warten auf Antworten, die Wahrheit, dass sie die Wahrheit sagen, mehr verlangen wir nicht."
Micheloud war die einzige Angehörige eines der Opfer des Brandes die der Anhörung beiwohnte. Auf ihren Wunsch hin unterhielt sie sich in einer Pause mit den Morettis, wie Michelouds Anwalt, Sébastien Fanti sagte. Das Gespräch sei "sehr intensiv" gewesen, berichtete er im Nachhinein und sprach von einem "seltenen Moment". "Es wird eine Zeit geben, um festzustellen, wer wofür verantwortlich ist, aber es gibt auch eine Zeit der Menschlichkeit, im Gedenken an alle Opfer, an alle Verletzten", fügte Fanti hinzu.
Die Anwältin der Morettis, Yaël Hayat, sagte, er hoffe, dass das etwa 20-minütige Gespräch zwischen dem Paar und Micheloud das beiderseitig empfundene Leid etwas mildern konnte. Die Morettis seien bereit, auch mit weiteren Angehörigen von Opfern zu sprechen.
Jacques Moretti hatte wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zwei Wochen in Untersuchungshaft gesessen, bevor er am 23. Januar gegen Zahlung von 200.000 Schweizer Franken (218.400 Euro) Kaution und unter Auflagen frei kam.
Die Ermittler vermuten, dass die Brandkatastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die der Decke zu nahe kamen. Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaum an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und installiert zu haben.
Ermittelt wird zudem gegen den Sicherheitschef der Gemeinde Crans-Montana und seinen Vorgänger. Mehrere Opferanwälte forderten am Mittwoch weitere Untersuchungen zu möglichen Versäumnissen bei den Behörden.