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Wulff soll mit Großem Zapfenstreich verabschiedet werden

Ungeachtet der andauernden Ermittlungen wegen Vorteilsnahme soll der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff mit einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr verabschiedet werden.

Ungeachtet der andauernden Ermittlungen wegen Vorteilsnahme soll der zurückgetretene Bundespräsident Christian Wulff mit einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr verabschiedet werden. Die Zeremonie soll am 8. März im Park des Berliner Schlosses Bellevue abgehalten werden, wie das Bundespräsidialamt mitteilte. Die Linkspartei diskutierte indes weiter über einen eigenen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) habe Wulff die Zeremonie angeboten, sagte sein Sprecher in Berlin. De Maizière habe sich darüber gefreut, dass Wulff dieses Angebot angenommen habe. Es entspreche "ständiger und beliebter Staatspraxis", dass Bundespräsident, Bundeskanzler und Verteidigungsminister mit einem Großen Zapfenstreich aus dem Amt verabschiedet würden.

Nach der überraschenden Vertagung der Entscheidung der Linkspartei über einen eigenen Bundespräsidenten-Kandidaten bekräftigte die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld indes ihre Bereitschaft zur Kandidatur. "Wenn mich die Linke am Montag zu ihrer Kandidatin küren sollte, nähme ich das an", sagte Klarsfeld der Nachrichtenagentur AFP. Sie hob hervor, dass bei der Wahl des Bundespräsidenten "die Moral der Person im Vordergrund" stehe.

Klarsfeld hatte zunächst als Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur der Linken gegolten, am Donnerstag wurden dann aber der Kölner Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge und die Linken-Abgeordnete Luc Jochimsen als mögliche weitere Kandidaten genannt. Die Entscheidung soll nun am Montag fallen, davor soll es am Wochenende persönliche Gespräche mit den Bewerbern geben.

Der von Union, FDP, SPD und Grünen nominierte Kandidat Joachim Gauck wird sich ab der kommenden Woche bei den Parteien vorstellen. Er wird nach Parteiangaben am Montag zunächst beim CDU-Bundesvorstand sein, für Dienstag ist eine Begegnung mit Bundesvorstand und Parteirat der Grünen vorgesehen.

Voraussichtlich wird sich Gauck auch mit den Linken treffen, die den früheren Stasiakten-Beauftragten nicht wählen wollen. "Wir werden Herrn Gauck selbstverständlich einladen", sagte Parteichef Klaus Ernst der "Leipziger Volkszeitung". Dabei sollten auch die Themen angesprochen werden, bei denen es Differenzen mit dem Kandidaten gebe. Gaucks Sprecher Andreas Schulze sagte der Zeitung: "Wenn die Linkspartei Herrn Gauck zu einem klärenden Gespräch einlädt, wird er dies sehr gerne annehmen."

Die Bundesregierung legte unterdessen offiziell die Zusammensetzung der 15. Bundesversammlung fest, die am 18. März das neue Staatsoberhaupt wählen soll. Das Gremium wird 1240 Mitglieder haben, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Dies sind die 620 Bundestagsabgeordneten sowie dieselbe Anzahl an Ländervertretern. Die Parteien, die Gauck nominiert haben, stellen mit rund 1100 Vertretern fast 90 Prozent der Wahlleute.

70 Prozent der Deutschen halten Gauck einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap zufolge für den richtigen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Für 19 Prozent der Befragten ist er nicht der geeignete Kandidat, wie aus der Erhebung für MDR aktuell hervorging. Im Westen Deutschlands ist die Unterstützung demnach etwas größer als im Osten: 71 Prozent stehen dort hinter Gauck, im Osten sind es 68 Prozent.

AFP / AFP