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Computerspiele: Ausmachen oder laufen lassen?

Kinder kommen heute so früh und intensiv mit digitalen Medien in Berührung wie nie zuvor. Welchen Einfluss hat das auf sie und wie gehen wir am besten damit um?

Text: Benedikt Sarreiter, Anja Schauberger | Foto: Annika Pesch

1. Was bleibt bei einem fünfjährigen Sohn hängen, wenn er die »Tagesschau« guckt?

„Der Großteil der Nachrichten ist für uninteressant. Fünfjährige nehmen allenfalls einzelne Szenen wahr, weil das Gezeigte für sie unmittelbar Sinn ergeben muss. Das heißt, sie müssen einen Bezug zu ihrer Alltagswelt, zu ihren Erfahrungen erkennen. Deswegen könnte es sein, dass sie Bilder von anderen Kindern wahrnehmen oder Szenen, in denen es um Eltern und ihre Kinder geht. In den Nachrichten sind das häufig Bilder von Verletzten, Toten, weinenden Männern und Frauen. Kinder haben eine ‚Opferperspektive‘ und reagieren auf solche Szenen mit Mitleid und vielleicht mit Ängsten. Auch Bilder von Naturkatastrophen und von Unglücken, Berichte über Feuerwalzen, Überschwemmungen, Unwetter können Kinder stark aufwühlen. Denn es ist für sie kaum zu begreifen, warum das passiert – die zentrale Frage der kindlichen Neugier – und ob diese Gefahr auch sie selbst bedroht. Nachrichten sind also für Fünfjährige eher nicht geeignet.“

Sandra Fleischer ist Juniorprofessorin für Kindermedien an der Erfurt


2. Was kann mein Kind von Anakin Skywalker lernen?

„Kinder können von Anakin Skywalker lernen, dass das Handeln aus Hass und Angst falsch ist und der Zweck nicht die Mittel heiligt. Jedi sind sehr mächtige Superhelden, und wie wir aus Spider-Man wissen, ‚folgt aus großer Macht große Verantwortung‘. Die Star-Wars- Serie ‚The Clone Wars‘ zeigt, dass ein Jedi sich nicht von seinen Emotionen leiten lassen sollte, dass immer die Gefahr des Machtmissbrauchs droht, wenn jemand mit so großer Macht die Fassung verliert. ‚The Clone Wars‘ ist lehrreich, denn die Serie zeigt, dass man das Streben nach seinen Zielen nie über die Moral stellen sollte, der Zweck heiligt eben nicht die Mittel, weil man so letztendlich nur alle um sich herum verletzt.“

Ken Denmead ist Chefredakteur des „Wired Magazine“-Blogs „Geek Dad


3. Machen Fernsehen und Computerspiele intelligenter?

„Dass Computer und Fernsehen klüger machen, hört sich nach einer steilen These an, entspricht aber dem aktuellen Stand der Forschung.
Computerspiele schulen kognitive Fähigkeiten, also die Fähigkeit des Menschen, seine Umgebung wahrzunehmen und Signale zu verarbeiten. Ballerspiele wie ‚Counter Strike‘ lösen Angstreflexe bei Eltern aus, verkaufen sich aber nicht annähernd so gut wie ‚Die Sims‘, das erfolgreichste Computerspiel aller Zeiten, in dem man soziales Zusammenleben nachspielt und lernt. Es geht also eher darum, was man spielt, als ob. Mit dem Fernsehen verhält es sich ähnlich. Wer sich mal die Mühe macht, zusammenzuzählen, was in einer Woche alles an Müll läuft, wird viel finden.Wenn man aber alle anspruchsvollen Sendungen, Dokumentationen, Spielfilme zusammenrechnet, kommt man im Vergleich zu Mitte der 80er Jahre auf ein Vielfaches an Qualitätsfernsehen. Bevor man also Angst bekommt, immer dran denken: In den 50er Jahren dachten die Eltern, Rock’n’Roll wäre gefährlich.“

David Pfeifer ist Autor von „Klick – Wie moderne Medien uns klüger machen„, Campus


4. Machen Fernsehen und Computerspiele Dümmer?

„Digitale Medien nehmen uns geistige Arbeit ab. Und ebenso, wie unsere Beinmuskeln schrumpfen, wenn wir uns nur mit Fahrstuhl und Auto bewegen, schrumpft unser Gehirn, wenn wir geistige Arbeit auslagern. Wer etwa nur noch dem Navi folgt, wird bald merken, wie schlecht er sich auskennt. Bei Kindern und Jugendlichen sind diese Gefahren besonders groß, denn ihre Gehirne befinden sich noch in Entwicklung. Computer sind daher zunächst Lernverhinderungsmaschinen. Dazu gibt es Studien. Die Daten der Pisa-Studie wurden danach ausgewertet, ob ein Computer im Zimmer die Schulleistungen beeinflusst. Es fand sich ein negativer Zusammenhang. In Birmingham, Alabama, wurden im Jahr 2008 15 000 Laptops an Schüler verteilt, um deren Bildungssituation zu verbessern. Die Studie wurde abgebrochen, weil sich die Bildung bei den Schülern mit Computer gegenüber denen ohne deutlich verschlechtert hatte.“

Manfred Spitzer ist Autor von „Digitale Demenz – Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen„, Droemer, 19,99 Euro


5. Frau Theunert, was denn jetzt?

Weder noch! Medien sind in unser aller Leben integriert, auch in das von Kindern. Das heißt:
Wie Kinder mit der Medienwelt umgehen, hängt davon ab, unter welchen Bedingungen sie aufwachsen, ob sie Anregung und Förderung erhalten, sich mit ihrer Umwelt, den Medien und sich selbst auseinanderzusetzen.
Es gilt also, die richtige Balance zwischen medialer und realer Welt zu finden.
Ja, wer die Welt, die uns umgibt, gut versteht, lernt auch die Medienwelt besser einzuschätzen und aus ihr Nutzen zu ziehen. Plakativ könnte man also sagen: Medien können Kluge klüger und Dumme dümmer machen.
Wie verhindere ich Letzteres?
Entscheidend ist, dass wir alle Kinder so klug und so medienkompetent machen, dass sie die Potenziale der Medienwelt ausschöpfen und deren Zumutungen zurückweisen können. Eltern tragen hierfür Verantwortung, aber nicht allein. Sie haben ein Anrecht auf Unterstützung durch alle Erziehungs- und Bildungseinrichtungen.

Helga Theunert ist Professorin für Medienpädagogik an der Universität Leipzig


6. Ab welchem Alter kann man Kinder vor den Fernseher lassen?

„Kinder entdecken im Alter von eineinhalb bis zwei Jahren das Fernsehen für sich: einzelne Darstellungen von Objekten, Figuren und insbesondere Lieder und Töne. Zweijährige Kinder mögen schon Sendungen des Vorschulprogramms. ‚Der kleine Maulwurf‘, ‚Das Sandmännchen‘, ‚Chuggington‘ oder ‚Das Baumhaus‘ sind kurz, chronologisch, bieten eingebettet in eine positive Grundstimmung wenige, sympathische Figuren und ein Happy End. Kinder ab zwei Jahren können diese Sendungen verkraften, auch wenn sie sich eher äußerlich am Ton und am Aussehen erfreuen und die Inhalte der Geschichte zumeist noch nicht oder nur bruchstückhaft verstehen.“

Sandra Fleischer ist Juniorprofessorin für Kindermedien an der Universität Erfurt


7. Und muss ich dann dabeisitzen, wenn mein Kind fernsieht?

„Nein, immer dabeisitzen müssen Sie nicht. Aber: Wenn das Fernsehen für das Kind eine neue Erfahrung ist, dann sollten Sie beobachten, wie es darauf reagiert. Sie sollten da sein als Ansprechpartner für seine Fragen und Kommentare und ihm möglichst oft Gesellschaft leisten, damit das Medienerlebnis auch zu einer guten Erfahrung wird. Wenn Unterhaltung für Kinder gut gemacht ist, dann haben auch Eltern Spaß daran. Machen Sie sich auf jeden Fall ein Bild von der Programmqualität, denn im breiten Angebot des Fernsehens gibt es altersgerechte und völlig ungeeignete Formate für die Jüngsten. Gute Programme findet man über den medienpädagogischen Service von Flimmo oder bei kinderfilmwelt.de.“

Christian Exner ist wissenschaftlicher pädagogischer Mitarbeiter beim Kinder- und Jugendfilmzentrum in (KJF)


8. Testen bei Apple wirklich Kinder die Benutzerfreundlichkeit der Produkte?

„Nein, und ich glaube auch nicht, dass das schnelle Verstehen der Kinder primär auf dem Design gründet, sondern vielmehr Ergebnis eines kindlichen Auswahlverfahrens ist, bei dem sie sich nur das merken, was funktioniert. Mein Sohn Fritz, 8 Jahre alt, spielt mit Vorliebe mit meinem Mac und mit meinem I-Phone – er probiert einfach alles Mögliche aus; ganz anders als ich: Ich glaube immer, dass ich etwas lösche. Fritz entdeckt permanent Funktionen. Das führt inzwischen dazu, dass er mir immer wieder etwas erklärt, was ich noch nicht kannte. Bei unserem Fotoapparat oder unserem Navi ist es genauso – beide sind nicht von Apple.“

Volker Albus ist Professor für Produktdesign an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe


9. Wie hat sich die Kategorisierung der Altersangaben auf Filmen in den letzten zwanzig Jahren verändert?

„In den letzten zwanzig Jahren hat sich der Anteil der Freigaben von Filmen unter zwölf Jahren, also Kinderfilmen, vergrößert. Das liegt aber nicht an einer laxeren Bewertung durch uns, sondern an der einfachen Tatsache, dass mehr Kinderfilme auf den Markt kamen und kommen. Trotzdem prüfen wir noch genauso kritisch wie früher. Kleine Kinder reagieren sensibel auf Gewalt gegen Tiere, auf problematische Familienverhältnisse oder wenn Väter und Mütter in Gefahr geraten. Unsere Kriterien haben wir aber an die neuen Sehgewohnheiten angepasst. Kinder kommen heute mit schnellen Schnitten und lauterer Musik gut zurecht, da sie oftmals schon als Kleinkinder mit Fernseher und DVDs konfrontiert werden. Über die Zeit haben sich auch die Filmemacher an die veränderten Sehgewohnheiten angepasst und gestalten ihre Filme rasanter und spannender. Dies kann man gut an den ,Harry Potter‘-Filmen sehen. Die ersten beiden, die in den Jahren 2001 und 2002 herauskamen, haben daher auch eine Freigabe ab sechs, alle anderen ab zwölf.“

Sabine Seifert ist Ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK


10. Warum habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich kurz meine Ruhe haben will und deshalb meine Kinder vor die Glotze setze?

Nun, das Phänomen der „Gewissensbisse“, das Wissen um unsere moralische Pflicht, Gutes zu tun und Böses zu lassen, gehört zum Kern unserer Identität als Mensch und Person. Allerdings haben gerade besonders gewissenhafte Menschen mitunter auch zu Unrecht ein schlechtes Gewissen.

Warum?

Weil sie alles vorbildlich machen wollen. Das „moralische Gesetz in uns“ will aber nur, dass wir Gutes tun und Böses lassen. Wir müssen in unserem Handeln nicht immer perfekt und vollkommen sein. Manchmal haben wir es auch mit falschem Ehrgeiz und idealisierten Selbstbildern zu tun, wenn wir meinen, vom schlechten Gewissen gezwickt zu werden.

Auch wenn wir unsere Kinder vor den Fernseher setzen?

Ja, solange der eingeschaltete Fernseher die Ausnahme bleibt und nicht zum Dauerparkplatz der Kinder wird, müssen wir schon genau überlegen, was uns piekst: überhöhte Perfektionsansprüche, übertriebene Ängste oder wirklich die moralische Gewissheit, in dieser Situation Böses zu tun und Gutes zu unterlassen.

Dr. Hermann-Josef Große Kracht arbeitet am Institut für Theologie und Sozialethik der TU Darmstadt


11. Fünf gute Kinderapps

Für I-Phone + I-Pad
Apps für 1 bis 3 Jahre

KinderApp: Pädagogisch wertvolle und wunderschöne Spiele- und Bilderbuch-App zur Erweiterung des Vokabulars.
Schlaf gut – Gute-Nacht-Geschichte für Kinder und Kleinkinder In dieser aufwendigen und liebevollen Bilderbuch-App bringt man durch Antippen zunächst alle Tiere ins Bett, schaltet das Licht aus und wird dann selbst in Bett geschickt.

Apps für 3 bis 6 Jahre

Für kleine Maler: Geniale Mal- und Zeichen-App. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind sowohl bildhaft dargestellt als auch vorgesprochen.
So haben auch junge Maler schnell Erfolgserlebnisse, und das „Wie“ bleibt im Gedächtnis.

Teddy Mix 2: Mit dieser App können Kinder sehr kreativ ihre eigene Teddy-Welt erschaffen.
Vier verschiedene Umgebungen können themengerecht gebaut und eingerichtet werden.

Spielplatz HD – eine umfangreiche Spielesammlung für Kinder: Anstatt vieler kleiner Spiele-Apps laden Sie für Ihre Kids nur diese eine App mit zwölf unterschiedlichen Spielen, die alle hervorragend umgesetzt sind. Sie finden hier z.B. Suchbilder, Puzzle, Memory, Rubbelbilder und ein Tierklavier.

Kirstin Hofkens empfiehlt in ihrem Blog iPhoneKinderApps.de Apps, die sie zuvor mit ihrer Tochter (5) testet. Für Smartphones Kids Kids Socks Memory-Spiel für kleine Kinder. Famigo Sandbox In der Sandbox können Sie alle Kinder- Apps sammeln und verhindern, dass Ihr Kind während des Spielens Zugriff auf Telefon, SMS und Internet hat.


12. Brauchen es Kinder tendenziell lauter oder sogar leiser als Erwachsene?

„Weder noch, denn für Kinder gilt wie für Erwachsene: Sehr laute Geräusche oder eine langfristige Lärmbelastung können die Flimmerhäarchen in den Ohren dauerhaft zerstören und zu Schwerhörigkeit führen. Allerdings scheint Kindern Lärm oft nichts auszumachen, da sie oft selbst für Krach sorgen und scheinbar unbeeinträchtigt weiterspielen. Doch Vorsicht: Kinderohren sind genauso empfindlich wie die der Erwachsenen! Der laute Knall einer am Ohr abgefeuerten Spielzeugpistole genügt, um das Gehör dauerhaft zu schädigen.“

Elisabeth Thomas, Ärztin der DAK-Gesundheit


13. Was passiert im Gehirn meines Kindes, wenn es eine halbe Stunde Angry Birds spielt?

„Das wurde leider noch nicht erforscht. Ob Computerspiele die Gehirnstruktur und -funktion verändern, ist bisher noch weitgehend unklar. Allerdings gibt es erste Ergebnisse von Forschern der Charité und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin, die zeigen, dass Jugendliche, die viel Computer spielen (mehr als neun Stunden pro Woche) strukturelle Vergrößerungen im sogenannten Belohnungssystem (ventrales Striatum) des Gehirns zeigen. In einer neuen Untersuchung soll geklärt werden, ob die Größenunterschiede des ventralen Striatums möglicherweise bereits vor dem Spielen bestanden und somit eine Neigung zum Spielen erklären oder ob diese durch das Computerspielen hervorgerufen werden.“

Dr. Simone Kühn ist Entwicklungspsychologin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung


14. Was muss ich beim Kauf von Kinderkopfhörern beachten?

„Beim Kauf von Kinderkopfhörern sollte man neben dem Design vor allem auf sicherheitsrelevante Dinge achten. Gut sind Bügelkopfhörer. Sie liegen im Gegensatz zu In-Ear-Kopfhörern auf dem Ohr auf und sind somit nicht nur bequemer, sondern durch den größeren Abstand zum Trommelfell weniger laut. Ferner kann dieser Kopfhörer-Typ sehr häufig in seiner Größe verstellt werden und somit ‚mit dem Kind wachsen‘. Wichtig ist auch, dass die maximale Lautstärke innerhalb des gesundheitlich Vertretbaren bleibt und fixierbar ist – dies lässt sich mitunter über den Mp3-Player oder über spezielle Kopfhörer für Kinder steuern.“

Valentin Dushe ist Geschäftsführer von kinderkopfhörer.com


15. Führt Sponge- Bob zu ADHS?

„Sponge-Bob führt nicht zu ADHS. Keine ernst zu nehmende Studie hat da bisher einen Zusammenhang gefunden. Es gibt allerdings Untersuchungen, die zeigen, dass ADHS-Kinder mehr fernsehen, woraus man aber nicht ableiten kann, dass Fernsehen die Ursache für ADHS ist. Schnell geschnittene Sendungen fördern aber sicher nicht die Aufmerksamkeitsleistung, weil man sich wie bei vielen digitalen Medien nicht unbedingt auf eine Sache länger konzentrieren muss. Lesen ist da im Vorteil.“

Michael Simons ist leitender Psychologe an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters in Aachen


16. Wie drücke ich den Aus- Knopf, ohne dass mein Kind einen Nervenzusammenbruch bekommt?

„Wenn ein Kind beim Abschalten einen Aufstand macht, dann kann es daran liegen, dass ihm unerwartet ein schönes Gefühl ausgeknipst wird; oder es muss gerade erleben, dass es nicht seinen eigenen Willen behaupten kann. Eine kleine Vorwarnung, dass der Film bald zu Ende ist und die Einstimmung auf das, was man danach vorhat, entkrampfen den Übergang.“

Christian Exner ist wissenschaftlicher pädagogischer Mitarbeiter beim Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF)


17. Bekommt man wirklich eckige Augen, wenn man zu nah vor dem Bildschirm hockt?

„Nein, aber durch die relative Blickmonotonie, also das Starren auf den Bildschirm, sowohl am Fernseher wie auch am PC, kommt es häufig dazu, dass der Tränenfilm nicht gleichmäßig übers Auge verteilt wird. Das wiederum hat zur Folge, dass Bindehautreizungen begünstigt werden, und die Kinder deshalb oft anfangen zu blinzeln und zu zwinkern. Durch die Konzentration auf den Bildschirm werden zusätzlich die Schleimhäute etwas trockener mit der Folge, dass die Augen jucken oder brennen. Dagegen helfen Tätigkeiten, die für die Augen abwechslungsreicher sind, also mal rumschauen oder abschalten und nach draußen gehen.“

Georg Eckert ist Pressesprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands


18. Fünf gute neuere Kinderserien

„Shaun das Schaf“ (WDR)
Spaß für die ganze Familie bieten die „Wallace & Gromit“- Macher hier mit ihren liebevoll gestalteten Knetfiguren rund um einen Bauernhof.

„JoNaLu – Mäuseabenteuer zum Mitmachen“ (kika)
Großer Spaß für die Kleinsten. Die Mäuse Naya und Jo sowie ihr Marienkäferfreund Ludwig gehen spielerisch mit Sprache um und laden zum Mitsingen und Mitreimen ein.

„Die Sendung mit dem Elefanten“ (kika/WDR)
Der blaue Freund der Maus ist Namensgeber für das Magazin mit „Lach- und Sachgeschichten“, die durch hohe Qualität überzeugen. Lernen, Staunen, Lachen.

„Caillou“ (Super RTL)
Ein Knirps erlebt überschaubare Alltagsabenteuer. Nach einem Kinderbuch entstandene Trickserie, die die Erlebniswelt der Jüngsten widerspiegelt.

„Coco, der neugierige Affe“ (ZDF)
Ein vorwitziges Äffchen treibt beim Erkunden der Welt allerlei Unfug, kann sich aber immer auf seinen großen Freund Ted verlassen.
Coco ist eine Identifikationsfigur, die Kinder gut amüsiert.

Zusammengestellt von Kristin Langer, Mediencoach der Initiative „SCHAU HIN!


19. Ist es schlecht, wenn mein Kind mit der Oma »Traumschiff « schaut?

„Das ist nicht prinzipiell schlecht. Vorschulkinder sollten durchaus in der Lage sein, solche eher mittelkomplexen Filmepisoden zumindest ansatzweise zu verstehen. Trotzdem würde ich empfehlen, das Angebot an Bildungsprogrammen, Tier- und Dokumentarfilmen für Kinder auszunutzen. Speziell bei Bildungsprogrammen ließen sich in zahlreichen Untersuchungen positive Auswirkungen auf die Entwicklung ausmachen, die sich auch langfristig zeigen ließen. Omas und Opas ‚Traumschiff‘ und ‚Rote Rosen‘ sind also nicht an sich schädlich, aber bestimmt für Kinder weit weniger interessant als spannende Filmgeschichten, die literarisch anspruchsvoller ausfallen und das ‚narrative‘ Denken, also das Wissen um Geschichten fördern, das einen grundlegenden Einfluss auf das logische und soziale Denken hat.“

Gerhild Nieding ist Professorin für Psychologie an der Universität Würzburg und leitet dort das Forschungsprojekt „Erwerb medialer Zeichenkompetenz im Vorschul- und Grundschulalter“


20. Ist es okay, wenn mein Kind im Auto Videos schaut?

„Auf einer längeren Reise kann es für Kinder angenehm sein, wenn sie sich mal ein Video anschauen können. Allerdings sollen sie nicht stundenlang einen Film nach dem anderen konsumieren, sondern dazwischen wieder Pausen machen und sich anders beschäftigen oder ausruhen. Zu langes und wahlloses Videoschauen kann eher zu Unruhe und Reizbarkeit führen. Die Eindrücke überlagern sich und können nicht mehr verarbeitet werden.“

Daniel Süss ist Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften


21. Sind Kinder aktive oder passive Zuschauer ?

„Es gab in der Forschungsliteratur eine langjährige Debatte darüber, ob es sich beim Filmschauen von Kindern eher um einen passiven oder einen aktiven Verstehensprozess handelt. Aktuelle Modelle des aktiven Verstehens gehen davon aus, dass die Aufmerksamkeit von Kindern nicht passiv vom Fernsehen gelenkt wird (zum Beispiel durch viele Schnitte oder Spezialeffekte). Vielmehr können Kinder sie selbst steuern. Immer, wenn es potenziell relevante Informationen gibt, erhöhen sie ihre Aufmerksamkeit. Wenn sie zu wenig (Überforderung) oder zu viel (Langeweile) verstehen, verringern Kinder sie.“

Gerhild Nieding ist Professorin für Psychologie an der Universität Würzburg


22. Stimmt es, dass Bücher die Konzentration fördern und digitale Medien die Fähigkeit zur Konzentration schwächen?

„Beim Lesen eines Buches muss man sich in der Regel ganz aufs Lesen konzentrieren. Bei der Nutzung digitaler Medien neigt man eher dazu, vieles gleichzeitig zu tun und mit der Aufmerksamkeit ständig hin und her zu springen. Dieses Multitasking ist auf Dauer eher problematisch. Man macht mehr Fehler und es kommt zu Missverständnissen. Lesen von Büchern fördert also die Fähigkeit, sich ganz auf eine Sache zu konzentrieren. Das kann man aber auch im Umgang mit digitalen Medien üben: Sich ganz auf ein Game konzentrieren, auf ein Video, ein Musikstück oder auf eine Chat-Kommunikation. Wichtig ist also, immer wieder – egal mit welchen Medien – diese Fokussierung der Aufmerksamkeit zu pflegen.“

Daniel Süss ist Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften


23. Wie beeinflusst mein Umgang mit Computer und Fernseher mein Kind?

„Taten sprechen lauter als Worte. Das, was Eltern vorleben, zählt mehr als das, was sie sagen. Oder wie Karl Valentin sagte: ‚Erziehung ist zwecklos, die Kinder machen den Erwachsenen ja doch alles nach.‘ Allerdings muss man einräumen, dass im Jugendalter die Vorbildwirkung der Eltern nachlässt, Jugendliche orientieren sich zunehmend an Gleichaltrigen.“

Michael Simons ist leitender Psychologe an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters in Aachen


24. Was bekommen Säuglinge mit, wenn ich beim Stillen fernsehe?

„Ein Säugling hört, riecht, schmeckt, fühlt und sieht, wenn auch noch nicht ganz so gut wie ein Erwachsener. Die Forschung der letzten Jahre und Jahrzehnte hat gezeigt, dass Kinder sehr früh ihre Mutter an der Stimme und am Geruch von anderen unterscheiden können. Ihr Herzschlag wirkt beruhigend. Faktoren, die sich sehr positiv auf das Wohlbefinden des Kindes auswirken. Wenn jetzt beim Stillen der Fernseher läuft und sich die Mutter dabei entspannen kann, umso besser. Es muss ja nicht gleich ein Action-Film bei voller Lautstärke sein, das könnte dann zu einer nicht gewünschten Ablenkung des Kindes führen. Wenn sich das Kind trotzdem ablenken lässt, auch wenn der Ton sehr leise eingestellt ist, dann schauen Sie mit Kopfhörern.“

Moritz Daum ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich


25. Woran erkenne ich, ob mein Kind reif fürs Kino ist?

„Ihr Kind benötigt Erfahrungen mit Fernsehen und Film, es sollte also wissen, dass der Bildschirm eine Grenze ist, die eine Figur nicht direkt durchdringen kann (ca. ab 3,5 Jahren können das Kinder erkennen), dass es vor dem Bildschirm grundsätzlich in Sicherheit ist. Ihr Kind sollte seine Aufmerksamkeit längere Zeit aufrecht erhalten können, es sollte also einer Fernsehsendung mindestens eine Stunde aufmerksam folgen können. Laute Geräusche und Musik sollte es vertragen, auch aus Dolby-Surround- Anlagen, und es sollte Erfahrungen mit größeren Menschenmengen haben. Außerdem sollte Ihr Kind sich sicher sein können, dass es mit Ihnen das Kino verlassen kann, wenn es den Film und die Situation nicht mag.“

Sandra Fleischer ist Juniorprofessorin für Kindermedien an der Universität Erfurt


26. Fünf Beschäftigungen, die nichts mit Fernsehen, Internet und i-Pad zu tun haben, mein Kind aber trotzdem so gut ablenken, dass ich für eine halbe Stunde Ruhe habe.

1. Verstecken Sie Plastik- und Plüschtiere aus dem Kinderzimmer in der Wohnung. Erzählen Sie Ihrem Kind, dass der Tierpfleger vergessen hat, die Käfige im Zoo abzuschließen. Jetzt darf Ihr Kind helfen, sie wieder einzufangen und im Kinderzimmer auf ihren Platz zu legen.

2. Überlassen Sie Ihrem Kind Ihre Handtasche, die Sie zuvor mit ungefährlichen Dingen gefüllt haben. Ihr Kind wird begeistert darin wühlen und die Tasche ein- und ausräumen.

3. Befestigen Sie ein großes Blatt Papier mit Maler-Kreppband auf dem Tisch und legen farbige Wachs- oder Buntstifte bereit. Legen Sie eine rhythmische CD auf, lassen Sie Ihr Kind danach malen.

4. Geben Sie Ihrem Kind einen Stapel ausgelesener Zeitschriften. Es darf daraus all das herausreißen, mit dem es eine Fantasiefigur, ein Fabeltier oder auch ein außerirdisches Wesen zusammenkleben kann.

5. Geben Sie Ihrem Kind ein Kalenderblatt, das es in nicht zu viele Einzelteile zerschneiden darf. Es kann dann sein eigenes Puzzle zusammenlegen.

Die Tipps kommen von Ingeborg Ahrenkiel, eine der erfolgreichsten Spieleentwicklerinnen Deutschlands.


27. Was ist besser, Zeichentrickfiguren oder echte Menschen?

„Trickfilme bieten die Möglichkeit einer klaren Charakterisierung der Figuren und können durch ihre bunte Farbgebung intensive Stimmungen hervorrufen. Das kommt der Wahrnehmung von Kindern sehr entgegen. Aber auch unter Kindern sind die Vorlieben verschieden: Manche ziehen reale Darsteller in natürlichen Umgebungen den gezeichneten und am Computer entworfenen Fantasiefiguren vor. Lassen Sie Ihrem Kind die Wahl.“

Christian Exner ist wissenschaftlicher pädagogischer Mitarbeiter beim Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF)


28. Sind weiche I-Phone-Schutzhüllen giftig für Babys, die darauf rumkauen?

„Wie für Spielzeug gilt auch für Schutzhüllen von Smartphones, dass aus dem Kunststoff bei Hautkontakt und vor allem beim In-den- Mund-Nehmen Stoffe in kleineren oder größeren Mengen freigesetzt und von den Kindern aufgenommen werden könnten. Zu den möglicherweise kritischen Substanzen gehören unter anderem Schwermetalle wie Blei und Cadmium, die in Farben und einigen Weichmachern vorkommen können. Hüllen für Smartphones sind also kein Spielzeug.“

Maren Hermanns-Clausen leitet die Vergiftungs- Informations-Zentrale des Uniklinikums Freiburg


29. Muss man bei Hörspielen auch ein Zeitlimit setzen oder sind sie wirklich nur gut?

„Hörspiele regen die visuelle Vorstellung an und fördern die sprachlichen Kompetenzen von Kindern, besonders das Hörverstehen. Zeitlimits sind aber auch hier sinnvoll, weil Kinder nicht stundenlang im selben Modus beschäftigt sein sollten. Ein Wechsel zwischen aufnehmen, selber etwas gestalten, sich bewegen, ist wichtig. Und schließlich geht es auch darum, ob die Inhalte der Hörspiele gut gewählt sind: Sind es Geschichten, welche das Kind in seinen Interessen ansprechen? Ist die Sprache altersgerecht? Welche Werte und Botschaften enthalten die Geschichten?“

Daniel Süss ist Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften


30. Soll ich feste Regeln für den Umgang mit Medien einführen oder je nach Situation entscheiden?

„Medien sollten den Alltag von Familien nicht bestimmen, sondern ihn bereichern. Dazu gehören Regeln, die allerdings nicht starr, sondern flexibel sein sollten. Eine halbe Stunde Fernsehen pro Tag kann ja an dem einen Tag zu wenig, am anderen zu viel sein. Sinnvoller ist es, Vereinbarungen zu treffen, die dem Familienalltag einerseits und den Medieninhalten andererseits gerecht werden. So braucht man, um in ein Computerspiel einzusteigen, deutlich mehr Zeit als eine halbe Stunde. Eine flexiblere Lösung der Medienerziehung sind Gutscheine, die man entweder verteilt über die Woche oder gebündelt an wenigen Tagen einsetzen kann. Es ist also sinnvoll, von Situation zu Situation zu entscheiden. Die Medien nach der Nutzung auszuschalten und nicht nebenbei weiterlaufen zu lassen, sollte aber eine klare Regel sein.“

Kathrin Demmler ist Direktorin des Instituts für Medienpädagogik in München (JFF)


31. Was ist das Internet ?

5 Antworten von Kindern

August, 5: Da kommen so Filme in klein raus.

Fanny, 5: Das Internet ist das, wo man einkaufen und fernsehen kann.

Tim, 3: Da sind Oma und Opa und Bob der Baumeister drin.

Jakob, 6: Das Internet ist eine Sammlung von Filmen und Fotos und Straßenkarten, die im Computer sind. Die Filme, Fotos und Karten werden von Menschen und Maschinen gemacht.

Daniel, 4: Das Internet ist, wenn ein Affe auf Toilette geht.

Die kleinen Experten sind Kinder aus der Redaktion und ihre Freunde


32. Was passiert mit meinem Kind, wenn ich jeglichen Umgang mit elektronischen Medien unterbinde?

„Das ist schwer abzuschätzen, es dürfte aber auch sehr schwierig sein, den Umgang komplett zu unterbinden. Kinder kommen heute in einen sehr viel intensiveren Kontakt zu unterschiedlichsten Medien als jede Generation vor ihnen. Medienkompetenz wird deswegen immer wichtiger und kann natürlich nur im Umgang mit Medien gewonnen werden.“

Gerhild Nieding ist Professorin für Psychologie an der Universität Würzburg


33. Wirkt Fernsehen über den Beamer anders auf Kinder als der normale Bildschirm?

„Je kleiner die Kinder sind und je größer die Projektion, desto stärker werden die kleinen Zuschauer in den Bann der Bilder gezogen. Wenn das ganze Blickfeld ausgefüllt ist, kann man sich weniger gut von Sendungen distanzieren, die eventuell Irritationen oder Angst auslösen. Das kennen wir alle vom Kino. Für Kinder ist es wichtig, herauszufinden, was ihnen Spass macht und was sie überfordert. Sie brauchen die Möglichkeit, die Intensität der Eindrücke selbst regulieren zu können, das geht bei einem normalen Bildschirm leichter. Ein Kino-Erlebnis zu Hause mit dem Beamer ist also eher sinnvoll bei Spiel- oder Trickfilmen als bei normalen Fernsehsendungen.“

Daniel Süss ist Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften