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Noch Fragen?

Frage Nummer 3000091447 StechusKaktus

Sollen Boni nur bei positivem Unternehmensergebnis gezahlt werden?

Grosse Empörung: Die Deutsche Bank zahlt Boni trotz Verlust und Stellenstreichungen. Skandal? Ich finde nicht. Ab einer gewissen Hierarchiestufe (die zu erreichen sich lohnt) gibt es neben dem Gehalt einen Bonus. Für die persönliche Leistung und in Abhängigkeit des Unternehmensergebnisses. Wenn nun jemand durch seine Leistung dazu beitragen konnte, dass der Verlust geringer wurde bzw. weniger Leute entlassen, warum sollte sich dieser den Bonus nicht verdient haben? Und was kann derjenige mit einer schlechten Leistung dafür, dass das Unternehmen zufällig Gewinne erzielt?
Antworten (12)
ing793
Da ist wieder das "jeder ist sich selbst der Nächste" ...

Aber Du hast prinzipiell gesehen recht. Wenn der Mitarbeiter gute Leistungen bringt (jedenfalls mehr, als mit seinem Fixum abgegolten), dann soll er auch einen Bonus bekommen.

Natürlich müsste die Höhe gekoppelt sein an seine Hierarchiestufe.
Ein Gruppenleiter (um das eine Ende zu nehmen) kann wenig beeinflussen, der Bonus sollte nur an seine persönliche Leistung gebunden sein, unabhängig vom Unternehmensergebnis. Im Gegenzug ist der Bonus im Verhältnis zum Fixum gering, vielleicht 10%, mehr sollte nicht sein.
Der CEO kann alles beeinflussen, das Unternehmensergebnis ist seine persönliche Leistung, der Bonus sollte an das Unternehmensergebnis gekoppelt sein. Der kann dann meinetwegen ein Mehrfaches des Fixums sein. Wenn nun das Unternehmen schlechter als im Vorjahr abschneidet, dann gibt es halt keinen Bonus.

Dazwischen gibt es verschiedene Abstufungen. Im Prinzip wäre von Stufe zu Stufe ein höherer Bonus gerechtfertigt, aber auch eine stärkere Kopplung an das Unternehmensergebnis.

Genau das aber passiert in den Banken -zumindest gefühlt- nicht. In schlechten Zeiten gibt es einen exorbitanten Bonus, in guten Zeiten einen obszönen.
rayer
Ich sehe im Falle eines Verlustes nicht, wo ein Management gut gearbeitet hat. Der Argumentation ich habe den Verlust verringert und daher steht mir ein Boni zu kann ich nicht folgen. Ein Unternehmen soll wirtschaftlich arbeiten und wenn Verluste anstehen wird beim privaten Unternehmen schnell Liebhaberei vom Finanzamt attestiert, folglich sehe ich das auch bei einem Konzern so. Der Manager hat Verluste erzeugt also ist die Sache mit dem Grundgehalt abgegolten.
Matthew
Wenn die Boni die Größenordnung einer Bestechungssumme haben, dann kan man schon mal darüber nachdenken, wer da in welchem Interesse beeinflusst werden soll.
StechusKaktus
1. Ich arbeitete einmal in einem Unternehmen, da lief das Jahr gut. Ein Verlust wurde trotzdem erlitten, weil ein Schiff mit der fertigen Ware aufgrund eines Streiks nicht auslaufen konnte. Der Ertrag wurde erst im darauf folgendem Jahr eingebucht. Und damit der Gewinn. Die Leute haben sich den Hintern für den Auftrag aufgerissen und konnten nichts dafür, dass die Ware den Hafen nicht rechtzeitig verliess.

2.
Matthew, ein variabler Gehaltsanteil ist für dich Bestechung? Für mich auch, denn viele Mitarbeiter bringen tatsächlich nur dann ihre Topleistung, wenn man ihnen eine Karotte vor die Nase hält.
Wo siehst du ein Problem dabei? Das Geld wird doch nur gezahlt, wenn bestimmte Ziele erreicht werden, die den Fortbestand des Unternehmens sichern.
Alienne
StechusKaktus, Matthew hat nicht gesagt, ein variabler Gehaltsteil sei Bestechung, er hat gesagt, wenn dieser Teil unsittliche Höhen erreicht, riecht es nach Bestechung. Ich habe öfter schon den Eindruck bekommen, dass du dir aus Antworten/Sätzen gern einmal den Teilaspekt herauspickst, über den du wieder auf der von dir bevorzugten Argumentationskette weiterreiten kannst.
Im Übrigen finde ich auch so manche Boni - insbesondere bei Banken und Schlüsselindustrien und insbesondere in den höchsten Etagen - nicht begründbar. Ein wie von ing geschildertes - transparentes - MBO wäre wünschenswert, dann kann es von mir aus fette Boni geben, da bin ich neidlos.
Matthew
@Stechus Deine Lesekompetenz lässt zwar nicht immer, aber auch in diesem Fall wieder zu wünschen übrig.
Wenn Du meinen Beitrag noch einmal in Ruhe liest, findest Du den Fehler sicherlich selbst.

Intrinische und Extrinsische Motivation sind ziemlich gut erforscht und die Ergebnisse in zahllosen Experimenten nachgewiesen. Die Mohrrübe wirkt, aber sie wirkt nicht lange. Und für eine Firma ist es eher von Nachteil, wenn die Mitarbeiter "an einem Strang" ziehen, aber nicht in dieselbe Richtung, weil dabei jeder seine Individual-Agenda verfolgt.
Matthew
Weil der Fehler vielleicht nicht offensichtlich ist:
intrinische => intrinsische
StechusKaktus
Naja, das hatte ich schon verstanden. Du hast eine Grenze genannt, diese aber so unklar gelassen, dass ich nichts damit anfangen konnte. Deshalb habe ich sie für mich ganz nach unten gesetzt. Ab wie vielen Monatsgehältern Bonus ist es denn "unzulässige Bestechung", einer Meinung nach?
ing793
@rayer: in einem vernünftigen Unternehmen gibt es eine Jahresplanung und, basierend darauf, eine Zielvereinbarung.

Die Ziele können unterschiedlicher Natur sein. Gewinn ist natürlich eines davon, aber auch Marktanteil, Umsatz, technische und wirtschaftliche Entwicklung (z.B. Verringerung des Verlustes), Wertsteigerung usw. können als Ziele definiert werden.
Wenn diese Planung realistisch ist, dann wäre das Erreichen der Ziele in meiner Idealvorstellung mit dem Fixum plus "Standard"bonus abgegolten. Wie das Verhältnis zwischen den beiden Bestandteilen ist, würde von der Hierarchiestufe abhängen.

Erreicht das Unternehmen die Ziele nicht, dann wird der Bonus -im Extremfall bis auf Null- abgeschmolzen.
Ist das Ergebnis besser, dann würde der Bonus entsprechend erhöht.

Wie Du an der Beschreibung siehst, bleibt der Bonus auch in einem normalen bis leicht schlechtem Jahr erhalten. Das ist nicht ehrenrührig und ich habe da kein Problem mit.

Leider ist es gerade in den oberen Etagen Usus, den Bonus weder bei schlechten Ergebnissen zu reduzieren noch bei guten Ergebnissen irgendwann zu deckeln. Da habe ich dann ein Problem mit.
DerDoofe
Die Deutsche Bank ist eine Aktiengesellschaft mit Hauptversammlung, Aufsichtsrat und Vorstand. Wenn die sich einig sind, dass trotz Verlusten die Investmentleute mit 1 Milliarde belohnt werden sollen, ist das doch in Ordnung. Wenn die Aktionäre freiwillig auf diesen Betrag verzichten, kann niemand etwas dagegen einwenden. Über die aktuellen Boni wird die DB-Hauptversammlung bei ihrer nächsten Sitzung entscheiden.

Um Moral geht es bei Deutschen Bank schon lange nicht mehr. In Ausland gelten die Banker dieses Hauses als Gewohnheitskriminelle, die DB als dubioses Unternehmen, mit dem seriöse Kaufleute keine Geschäfte machen. Kein anderes international tätiges Bankhaus hat einen auch nur annähernd so schlechten Ruf wie die Deutsche Bank.
Cordelier
Eine Nachbarin ist bei der DB weit im Management verwurzelt. Ein Haus, ihr Mann, keine Ahnung, schon seit zehn Jahren zu Hause und fröhnt seinem Hobby, Motorräder und Ami Schlitten, mind 5 x im Jahr Übersee-Urlaub, ein Schelm wer böses dabei denkt. Nun ist es ein wenig plausibler ;-)
elfigy
Boni sind Teil der Vergütung, die im Arbeitsvertrag geregelt ist. Dafür werden persönliche Ziele für den AN festgelegt. Wenn er diese Ziele, unabhängig vom Gesamterfolg des Unternehmens, erreicht, steht ihm der Bonus zu. Er könnte ihn sogar einklagen.
Wenn Managern ohne Zielerreichung Boni zugebilligt werden, z.b. denen, die für das Gesamtergebnis verantwortlich sind, dann ist der Aufsichtsrat dafür verantwortlich. Der Aufsichtsrat ist die Vertretung der Eigentümer. Es wäre Sache der Aktionäre, dagegen zu protestieren, bzw. diese Aufsichtsräte nicht mehr zu wählen, die Managern solche Arbeitsverträge geben.
Es ist aber nicht Sache der Politik oder der Gesellschaft, diese Boni zu reglementieren. Es ist auch naiv gedacht, eine Deckelung der Boni würde für die Arbeitnehmer irgendwelche Verbesserungen bringen. Der Mehrerlös durch niedrigere Boni würden als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Mir fällt bei solchen Debatten immer auf, dass die Gehälter von Sportlern oder Filmstars komischerweise nicht der gleichen Kritik unterliegen. Obwohl da oft auch für schlechte Leistungen astronomische Summen gezahlt werden.