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Amputation nach Boston-Anschlag Das tragische Schicksal eines frischvermählten Paares


Ein junges Paar feuert die Läufer beim Bostoner Marathon an. Dann geht die Bombe hoch. Die Verletzung der beiden ist so kurios wie bewegend: Beide verlieren jeweils den gleichen Teil des linken Beins.

Bis dass der Tod uns scheidet. Das hatten sich Jessica Kensky Downes und Patrick Downes geschworen. Erst wenige Monate sind seit ihrer Hochzeit vergangen. Und schon wird die Liebe des jungen Paares erstmals auf eine harte Probe gestellt. Eine Probe, die sie jedoch vermutlich noch stärker aneinander bindet: Denn Jessica Kensky Downes und Patrick Downes wurden beide Opfer der Anschläge von Boston. Durch die Bombe verloren sie beide den jeweils gleichen Teil ihres linken Beines.

Es war ein sonniger Tag. Der 15. April sollte nicht nur für die Sportler in Boston, sondern auch für die vielen Zuschauer ein großes Event werden. Auch Patrick Downes und Jessica Kensky Downes, Sportfans und selbst Marathonläufer, hatten sich an der Marathon-Strecke in Boston positioniert. Der 30-jährige angehende Psychologe, der am Boston College studiert hatte, kannte die Strecke gut, ist den Marathon selbst bereits gelaufen. Zusammen mit seiner Frau, der 32-jährigen Krankenschwester, wollte er in der Nähe der Ziellinie den Läufern applaudieren. Genau dort, wo die zwei Bomben am Nachmittag explodierten und drei Menschen in den Tod rissen.

Patrick Downes und Jessica Kensky Downes hatten Glück, sie überlebten den Anschlag schwerverletzt. Unmittelbar nach der Explosion wurden beide in unterschiedliche Krankenhäuser gebracht. Getrennt voneinander wurden sie operiert. Beiden wurde ihr Unterschenkel amputiert. An genau der gleichen Stelle des jeweils linken Beines.

Spendenaufruf im Netz

Freunde haben auf der Internetseite GiveForward.com eine Crowdfundingaktion gestartet, mit der sie Spenden für das Paar sammeln. Ein rührendes Foto ziert die Seite: Patrick Downes und Jessica Kensky Downes laufen Hand in Hand über den Harvard Square im Bostoner Vorort Cambridge, dort, wo sie auch geheiratet haben. Jessica Kensky Downes trägt ein rotes Kleid und High Heels. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Als selbstlos und lustig wird die junge Krankenschwester auf der Seite von Freunden beschrieben. Ihr Mann trägt seit der High School den Spitznamen "Jesus" - weil er so "fürsorglich und großzügig" sei. "Die Liebe zu seiner Familie, seinen Freunden und seiner Heimatstadt Boston ist ansteckend", schreiben seine Freunde.

Bis Montagmittag hatten sich über 10.000 Spender an der Hilfsaktion beteiligt und knapp 600.000 US-Dollar gesammelt. Der einzige Trost, so nennt es ein Freund der beiden, ist die Tatsache, dass das Paar ihr Schicksal jetzt gemeinsam durchstehen kann, dass sie den gleichen Genesungsweg vor sich haben.

Auf Facebook haben Bekannte des jungen Ehepaars das Profil "Patrick and Jess Running Again" angelegt. Tausende Menschen hinterlassen dem Paar dort ihre Genesungswünsche. Am Montagmorgen postete Patricks Cousin nach einem Besuch im Krankenhaus: "Er sieht fantastisch aus und hat viel gelacht". Am Sonntag befanden sich noch 57 der mindestens 170 durch die Anschläge Verletzten im Krankenhaus. Patrick Downes und Jessica Kensky Downes, die immer noch getrennt voneinander behandelt werden, werden in den kommenden Wochen das Krankenhaus verlassen. Und irgendwann, da sind sich ihre Freunde sicher, werden sie auch wieder rennen. Gemeinsam.

kmi

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