Anschlag auf koptische Christen Sieben Tote in Ägypten nach Weihnachtsmesse


Muslimische Fanatiker haben vor einer Kirche in Oberägypten nach einer Weihnachtsmesse sechs koptische Christen und einen muslimischen Wachmann erschossen. Neun weitere Menschen wurden verletzt.

Die Gläubigen stehen nach dem Gottesdienst in der Nacht noch auf der Straße zusammen und plaudern, als plötzlich ein grüner Fiat mit drei Männern auf sie zukommt. Zwei von ihnen feuern wahllos auf die jungen Christen. Mehrere von ihnen sacken schwer verletzt zu Boden. Schreie gellen durch die Nacht.

"Gütiger Gott, richte diejenigen, die diese Märtyrer auf dem Gewissen haben, die für Jesus gestorben sind", schreibt eine fromme koptische Christin in einem Internet-Forum der ägyptischen Glaubensgemeinschaft kurz nach der Attacke. Doch einige Anhänger des koptisch-orthodoxen Glaubens wollen zunächst einmal Sicherheit und Gerechtigkeit im Diesseits. Sie verlangen, dass sie der ägyptische Staat besser vor der kleinen Minderheit fanatischer Muslime schützt, die Christen wegen ihrer Religionszugehörigkeit tötet.

"Die Sicherheitskräfte haben geschlafen", wettert der koptische Aktivist Mamduh Ramsi. Der Anwalt, der in Kairo lebt und aus Nag Hammadi stammt, glaubt, dass die Polizei und die Justiz nicht konsequent gegen "terroristische Gruppen" vorgeht, die Christen angreifen, dadurch fühlten sich diese "motiviert, immer neue Verbrechen zu begehen".

In Ramsis Heimatstadt in Oberägypten, die zu den konservativsten Flecken des Landes zählt, werden derweil die Leichen der getöteten jungen Männer den Angehörigen übergeben, die sie gleich begraben wollen. "Unsere Seele und unser Leben opfern wir für das Kreuz" rufen Dutzende von Kopten vor dem Krankenhaus. Sie stoßen Laternenmasten um und attackieren die Polizei mit Steinen.

Die ägyptische Regierung und die koptische Amtskirche beschwören in der Öffentlichkeit stets das Bild einer toleranten multikonfessionellen Gesellschaft. Doch unter der Oberfläche brodelt es seit Jahren gewaltig. Obwohl Kopten an den Universitäten und im Arbeitsalltag weitgehend normal miteinander umgehen, fühlen sich viele Kopten angesichts der zunehmenden Islamisierung des ägyptischen Alltags inzwischen als Bürger zweiter Klasse.

Anne-Beatrice Clasmann/DPA DPA

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