Arschbomben-WM Große Welle mit ein paar Wehwehchen


Sie machen die große Katze, den Anker, das Brett, die Kanonenkugel oder die Kartoffel und der Beste von allen ist Elvis. Bei der Arschbomben-WM in Hamburg geht es vor allem darum, die ganz große Welle zu machen - auch wenn es manchmal wehtut.

Thomas wagt den "Kartoffelsprung": Anlauf, Absprung, zehn Höhenmeter durch die Luft und - knall, platsch - kopfüber mit angezogenen Oberschenkeln im Schwimmbecken gelandet. Meterweit spritzt das Wasser zu allen Seiten, die Zuschauer auf den Rängen johlen, und die Jury gibt 8,5 von zehn Punkten für die "Potato"- Sprungfigur. Verkniffen grinsend steigt Thomas aus dem Becken und reibt sich die Schenkel. "Das tat weh", sagt Rob Parry am Beckenrand. "Aber der Schmerz geht schnell vorbei." Der 33-Jährige ist extra aus Australien angereist. Er will mit seinem Nationalteam bei der "Arschbomben-WM" der Freestyle-Turmspringer im Hamburger Kaifu-Freibad den Titel holen.

80 Athleten aus sieben Ländern hatten sich zu dem zweitägigen Wettkampf angemeldet. Offiziell heißt die Sportart Splashdiving und ist die Rebellen-Variante des Kunstspringens. Das Ziel dabei: Spaß haben, spektakulär durch die Luft wirbeln und es kräftig platschen lassen. Bis vor zwei Jahren nannte sich die Veranstaltung einfach "Arschbomben-WM", nun heißt sie Splashdiving World Championship. "Unser Sport erlebt einen gewaltigen Boom, auch im Ausland", sagt WM-Organisator Oliver Schill. Deshalb musste ein internationaler, englischer Name her. "Denn ich kann niemandem - sagen wir mal in Nigeria - auf die Schnelle erklären, was eine Arschbombe ist."

Schill, selbst ehemaliger Turmspringer, hat das Spaßspringen vor einigen Jahren wiederentdeckt und zum Funsport gemacht. Erfunden wurde es auf Hawaii: "Schon im 17. Jahrhundert haben die Ureinwohner dort Klippensprung-Wettkämpfe veranstaltet", erzählt der 38-Jährige. Das Ziel damals wie heute: Möglichst eine große Welle machen.

Die klassische Arschbombe ist beim Splashdiving nur eine von vielen Figuren. Große Katze, Anker, Brett, Kanonenkugel oder eben Kartoffel heißen die anderen. Die Athleten sagen vorher an, welche Figur sie springen, danach fällt die sechsköpfige Jury über alle drei Phasen der Vorstellung ihr Urteil - vom Absprung über den Flug bis zur Landung. Besonders viele Punkte gibt es, wenn ein Springer Schrauben, Schwünge oder einen Dreifachsalto dreht.

Der größte Könner darin ist der amtierende Weltmeister "Elvis". Eigentlich heißt er Christian Guth, kommt aus Bayreuth und ist Azubi. Der 22-Jährige sitzt am Beckenrand und verfolgt ungerührt die Qualifikation für das Finale. "Ich bin zum ersten Mal als Sechsjähriger vom Zehner gehüpft", erzählt er. Seither habe er "tausende Sprünge" gemacht. Sein Rezept lautet "Training und Körperspannung". "Wer oft genug springt, spürt keinen Schmerz mehr. Aber Anfänger holen sich schnell mal blaue Flecken."

Während "Elvis" auf seinen Auftritt wartet, jubeln mehrere hundert Zuschauer den anderen Athleten zu. Richtig Lärm machen Lia und ihre Clique. "Mein Verlobter ist auch dabei, da oben auf dem Turm steht er", ruft die 20-Jährige. Halsbrecherische Sprünge aber sind ihre Sache nicht: sie hat Höhenangst. Dabei könnte es Lia leichter als ihr Verlobter zum Sieg bringen. Denn während in der Hansestadt 78 Männer um den Titel kämpften, waren bei den Frauen nur zwei Teilnehmerinnen am Start.

Jan Dube/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker