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Bundeswehr: Jede zweite Soldatin fühlt sich sexuell belästigt

Frauen in der Bundeswehr werden von ihren männlichen Kollegen weniger akzeptiert als noch vor neun Jahren - und jede zweite von ihnen fühlte sich bereits mindestens einmal sexuell drangsaliert.

Hinter jeder zweiten Frau im Flecktarn steht ein Mann, der ihr auf den Po schaut: Sexuelle Belästigung ist in der Bundeswehr an der Tagesordnung

Hinter jeder zweiten Frau im Flecktarn steht ein Mann, der ihr auf den Po schaut: Sexuelle Belästigung ist in der Bundeswehr an der Tagesordnung

Blicke, Sprüche, Berührungen und sogar Vergewaltigungen: Jede zweite Soldatin der Bundeswehr ist mindestens einmal sexuell belästigt worden. Das geht aus einer neuen Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr hervor.

Danach wurden insgesamt 55 Prozent der 3058 befragten Soldatinnen sexuell belästigt. Von verbalen Belästigungen berichteten 47 Prozent, von "unerwünschten sexuell bestimmten körperlichen Berührungen" 24 Prozent. 3 Prozent gaben an, gar bereits Opfer sexuellen Missbrauchs geworden zu sein.

Wachsende Vorbehalte gegen Frauen

Die Studie belege außerdem eine "Eintrübung des Integrationsklimas", formulierte Studienleiter Gerhard Kümmel bei der Vorstellung am Freitag in Berlin. Der Dienst von Frauen in der Bundeswehr stoße bei den männlichen Soldaten auf wachsende Vorbehalte. Mehr als die Hälfte der befragten Männer gab an, die Bundeswehr verändere sich wegen der Frauen zum Schlechteren, verliere an Kampfkraft und könne ihren militärischen Auftrag nicht mehr erfüllen. Diese Vorbehalte nahmen im Vergleich zu einer Befragung aus dem Jahr 2005 zu.

Erst mit der Änderung des Soldatengesetzes und Grundgesetzes nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs stehen Frauen alle Laufbahnen in der Bundeswehr offen. 2001 begannen die ersten 244 Soldatinnen ihre Grundausbildung. Derzeit sind 10,1 Prozent der Soldaten Frauen. Nur wenige von ihnen haben es nach ganz oben geschafft. Von aktuell rund 18.000 Frauen unter 185.000 Berufs- und Zeitsoldaten sind die meisten im Sanitätsdienst tätig.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte: "Wir müssen die Bundeswehr für Frauen noch deutlich attraktiver machen." Es müsse auch "besser sichtbar" gemacht werden, "wie sehr die Bundeswehr von der wachsenden Zahl Frauen in der Truppe profitiert".

jen/DPA/AFP / DPA
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