China Serienmorde mit "starkem Rattengift"


Nach anfänglicher Zurückhaltung berichten die kontrollierten Medien in China verstärkt über die sich häufenden Serienmorde. Die Waffe ist in allen Fällen die gleiche: ein besonders tödliches Rattengift namens Dushuqiang. Die Regierung setzt auf Härte.

Ein Ladeninhaber in China vergiftet die Produkte seines Konkurrenten: 38 Tote. Eine Witwe mischt nach der Beerdigung ihres Mannes Gift in den Leichenschmaus: zehn Tote. Ein Mann rächt sich an seiner Liebhaberin, indem er ihren Kindern vergiftetes Popcorn schenkt: zwei Tote. Die Waffe ist in allen Fällen die gleiche, nämlich ein besonders tödliches Rattengift namens Dushuqiang.

Trotz eines Verbots, das bereits Mitte der 90er Jahre in Kraft trat, ist Dushuqiang - was übersetzt "starkes Rattengift" bedeutet - noch immer erhältlich. Es soll 100 Mal tödlicher als Zyanid sein. Schon fünf Milligramm genügen, um einen Menschen umzubringen. Die Regierung setzt im Kampf gegen das Gift auf Härte. Die Täter werden hingerichtet, und denjenigen, die ihnen Dushuqiang verkauft haben, droht dieselbe Strafe.

Haushalt für Haushalt soll durchsucht werden

Die meisten Produzenten des Rattengifts seien untergetaucht, sagte der stellvertretende Landwirtschaftsminister Fan Xiaojian im Oktober. Doch der Kampf sei noch nicht vorüber. Auch auf lokaler Ebene, insbesondere auf dem Land, müssten die Behörden das Gift aufspüren, sagte Fan nach einem Bericht der Tageszeitung "Renmin Ribao". Haushalt für Haushalt solle durchsucht werden.

Im ländlichen Raum in China sind Toxine wie Rattengift, Pestizide und Herbizide weit verbreitet, wie Wang Shizhou, Rechtsprofessor an der Universität von Peking, sagt. Die Bewohner seien jedoch nicht über den korrekten Umgang mit den gefährlichen Stoffen aufgeklärt. "Auf dem Land wissen die Menschen nicht, was einen vergiftet", sagt Wang. Möglicherweise hat ein Täter nur vor, seinem Opfer Magenschmerzen zu bereiten - doch am Ende hat er ein Dutzend Menschen getötet. "Dushuqiang ist so leicht zu bekommen", kritisiert Wang.

Nach anfänglicher Zurückhaltung berichten die staatlich kontrollierten Medien seit einiger Zeit verstärkt über Vergiftungsfälle. Der jüngste Fall, über den die "Beijing Chenbao" Mitte November schrieb, ereignete sich in der Provinz Hunan. Ein 26-jähriger Mann, der von seiner verheirateten Geliebten verlassen worden war, vergiftete Popcorn und Orangen und gab diese den Kindern der Frau. Ein Sohn, der die vermeintlichen Leckereien mit seinen Klassenkameraden teilte, starb. Auch ein zweites Kind kam ums Leben, 25 weitere wurden krank. Der Täter versuchte, sich mit dem Gift das Leben zu nehmen, aber die Polizei verhinderte den Selbstmord.

Tödlicher Leichenschmaus

Im Oktober machte ein Fall in der Provinz Hubei Schlagzeilen. Wegen eines Familienstreits soll eine Frau bei der Trauerfeier für ihren verstorbenen Mann Rattengift ins Essen gemischt haben. Die mutmaßliche Mörderin hatte sich nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua mit ihrer ältesten Schwiegertochter überworfen. Die Familien ihrer beiden Söhne hätten sich über das Erbe und die Unterstützung der Eltern gestritten. Zum Leichenschmaus war das halbe Dorf eingeladen. Zehn Personen wurden getötet, 23 weitere erkrankten.

Im September vergangenen Jahres bezahlten 38 Menschen in der ostchinesischen Stadt Nanjing eine Rivalität unter Geschäftsleuten mit dem Leben. Der Besitzer eines Imbisstandes, der auf seinen Konkurrenten wütend war, hatte dessen Essen mit Dushuqiang besprüht. Einen Monat nach der Tat wurde er hingerichtet.

Zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde auch der Besitzer eines Kindergartens in der Provinz Kanton. Der 29-Jährige mischte in der Kantine einer Schule, die er Berichten zufolge für seinen eigenen Misserfolg verantwortlich machte, Rattengift ins Salz. Etwa 70 Kinder und zwei Lehrer erkrankten.

Harte Strafen sollen künftige Täter abzuschrecken

China hofft, durch harte Strafen mögliche künftige Täter abzuschrecken. Das Ziel sei, Exempel zu statuieren, sagt Michael Dutton, Professor und China-Spezialist an der Universität von Melbourne. "Die Mörder hinzurichten und deren Lieferanten dieselbe Strafe anzudrohen, ist ein Weg, die Botschaft schnell zu verbreiten."

Stephanie Hoo DPA

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