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Doodle für Robert Moog: Wie die Musik aus der Steckdose kam

Der Synthesizer prägte das Musikverständnis einer ganzen Generation und gilt heute als musikalisches Sinnbild der 80er Jahre. Sein Erfinder, Robert Moog, wäre heute 78 Jahre alt geworden.

Von Oliver Noffke

Wenn jemand mit Mitte 30 von den Besten seiner Zunft einen Preis für sein Lebenswerk verliehen bekommt, muss er schon wahrlich Großes geleistet haben. Robert Moog war so ein Mann. Mit 35 Jahren bekam der Erfinder des Synthesizers einen Grammy für sein Lebenswerk.

Erst zwei Jahre zuvor erlebte die synthetisch hergestellte elektronische Musik ihren Durchbruch, als der von Moog beschäftigte Musiker Walter Carlos für das Album "Switched-On Bach" selbst drei Grammys erhielt - Klassik im wabernden Sound des Synthesizers. Wenige Jahre später eroberte diese Art des Musikmachens Hollywood. Carlos produzierte den Soundtrack für Stanley Kubricks kontroversen Film "Uhrwerk Orange" und später das düstere Thema von "Shining".

Mittlerweile waren Synthesizer überall zu hören. Aus den Lautsprechern der Diskotheken von Moogs Geburtsstadt New York bis in die hintersten Winkel der Welt hämmerten die Beats von "Axel F" oder Kraftwerk. New-Wave-Bands wie Depeche Mode oder The Human League wären ohne den Synthesizer nicht denkbar. Filme wie "Top Gun", "Scarface" oder "Terminator" wurden nicht zuletzt wegen ihres unverkennbaren 80er-Sounds zu Klassikern.

Aus "Switched-On" wurde "Unplugged"

Der große Erfolg des Synthesizers und die Beliebtheit des Geräts bei Produzenten und Künstlern führte irgendwann zur Gegenbewegung, die den Stecker wieder rauszog: aus "Switched-On" wurde "Unplugged". Der typisch sphärische Sound des frühen analogen Synthesizers spielt heute kaum noch eine Rolle. Die digitale Revolution beherrscht auch die aktuelle Populärmusik, wäre aber ohne Robert Moog nie möglich gewesen.

Moog war ein Tüftler und Musikliebhaber, dem die Kreation einer neuen Musikquelle wichtiger war als der wirtschaftliche Erfolg seiner Geräte. Moog starb 2005 an einem Gehirntumor. Heute wäre er 78 Jahre alt geworden. Google stellt dafür einen kleinen Synthesizer zur Verfügung, komplett mit Oszillatorreglern, Tastatur und einem vierspurigen Aufnahmegerät.

Oliver Noffke
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