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Ein Ort atmet auf: Tatverdächtiger gesteht Mord an Tobias

Fast elf Jahre lebten die Menschen in Weil im Schönbuch in Ungewissheit. Wer hat im Oktober 2000 den kleinen Tobias erstochen? Die Festnahme und das Geständnis des 47-jährigen Täters lösen Erleichterung aus.

Die Nachricht sickert in dem kleinen Ort Weil im Schönbuch nur langsam durch. Die wenigen Menschen, die am Donnerstagmorgen ihre Einkäufe erledigen, haben meist noch nicht oder gerade erst von der Festnahme eines 47-Jährigen im Mordfall Tobias erfahren. Vor knapp elf Jahren hatte der Mord an dem kleinen Jungen, der mit zahlreichen Messerstichen in einem Teich gefunden worden war, den kleinen Ort in Baden-Württemberg erschüttert. Jetzt macht sich Erleichterung breit.

"Für die Gemeinde ist das die wichtigste Nachricht der letzten Jahre", sagt Wolfgang Lahl, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde, via Handy aus Dubai der Nachrichtenagentur dpa. Die Ungewissheit habe die Bürger über Jahre belastet. "Der Mordfall Tobias war im Hinterkopf immer da." Vor allem für die Eltern des Jungen sei die Festnahme natürlich ein wichtiger Schritt zur Trauerbewältigung. "Ich weiß, dass sie nicht mit dem Fall abschließen konnten."

"Man hatte schon Angst und hat sich immer Gedanken gemacht", sagt Gabriele Lutz, Fahrerin einer Bäckerei. Auch die 44-Jährige denkt zuerst an die Mutter des Opfers, die eine Kollegin von ihr ist: Sie sei jetzt vermutlich sehr aufgewühlt. An den Tag, an dem sie damals von dem schrecklichen Geschehen erfuhr, erinnert sie sich noch genau. "Ich habe es im Radio gehört." Ihr Sohn sei gleich alt wie Tobias gewesen. "Ich war fix und alle."

Von Erleichterung spricht auch Hartmut Jantsch. Die Polizei sei damals auch zu ihm gekommen - für eine der 13 000 Speichelproben, die damals genommen wurden. "Ich hatte ja nichts zu befürchten", betont er. Es sei aber gut, wenn die Sache jetzt geklärt wäre. Für die Menschen im Ort sei der Mord damals ein "fürchterlicher Schock" gewesen. Ausgerechnet dieser kleine Ort mache solche Schlagzeilen. "Darauf hätte ich wirklich verzichten können."

Nach und nach kommen mehr Menschen, immer wieder ist das Wort "Festnahme" zu hören. Erste Kameras werden von TV-Teams aufgebaut. Doch viele Bürger wollen sich lieber nicht offen äußern.

Während sich das Zentrum der Ortschaft nach und nach weiter mit Menschen füllt, ist es am Ort des grausigen Funds fast unheimlich still. Der Teich im Wald bei Weil liegt in der Sonne, Vögel zwitschern, Grashüpfer tummeln sich auf der Wiese. Von Menschen keine Spur. Auch am Grab des Jungen in Weil ist es ruhig. Trifft man dort jemanden, hört man oft die Hoffnung, dass jetzt irgendwann vielleicht auch die Familie des Jungen und die Menschen in Weil zur Ruhe finden. Doch Hartmut Jantsch macht deutlich: "Vergessen kann man das hier mit Sicherheit nie."

Wenke Böhm, DPA / DPA
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