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Ende des Maya-Kalenders: Kultur und Kommerz statt Weltuntergang

Damit hätten wohl alle gerechnet: Der von einigen Esoterikern angekündigte Weltuntergang ist nicht eingetreten. Gewinnbringend war der Hype um das Ende des Maya-Kalenders trotzdem.

Es waren dann doch nur ganz normale 24 Stunden statt des Jüngsten Tages: Rund um die Welt haben am 21. Dezember 2012 viele Menschen friedlich den Beginn eines neuen Maya-Zeitalters erlebt.

Der Tag beflügelte Kultur und Geschäft. Jahrelang hatten Apokalyptiker dem Datum entgegengefiebert, an dem eine Ära im Maya-Kalender endete. Einige glaubten, womöglich gehe die Welt unter. Doch das geschah - wie alle ernsthaften Experten prophezeit hatten - nicht. Trotzdem gab es etwa in Dresden ein "Konzert zum Ende der Zeit" und in Hamburg eine "Weltübergangsparty".

In Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán, weihte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto am Freitagabend (Ortszeit) ein neues Maya-Museum ein. Der Staatschef, der vor erst zwei Wochen das Amt übernommen hat, sagte, er wolle das Kulturfest zum Maya-Kalender als jährliche Feier in Mexiko einführen. In der Kleinstadt Izamal in Yucatán servierte der dänische Starkoch René Redzepi ("Noma" in Kopenhagen) ein Luxus-Abendmahl zum Maya-Neujahr, das sich die Gäste umgerechnet um die 300 Euro kosten ließen.

10.000 Menschen besuchten Teotihuacan-Stätte

Das Anthropologische und Historische Institut Mexikos (INAH), das die archäologischen Maya-Stätten verwaltet, zählte am Freitag in den Stätten von Chichén Itzá, Tulum und Palenque etwa 28.000 Besucher. Zusätzlich hätten 10.000 Menschen die Teotihuacan-Stätte aufgesucht, obwohl diese nicht der Maya-Kultur angehöre.

Die prominenteste Veranstaltung zum 21. Dezember in Deutschland gabe es in der Dresdner Universitäts- und Landesbibliothek, die eine wertvolle Maya-Handschrift besitzt. Dabei äußerte der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk die These, die Politik versorge die Menschen permanent mit Endzeitvorstellungen. Er verwies auf Debatten etwa über den Klimawandel, das Versiegen der Ölreserven oder das Leerfischen der Meere.

Im Anschluss an die Diskussion ließen sich die international besetzten Dresdner Sinfoniker um Mitternacht mit Musikern in Mexiko für ein "Konzert zum Ende der Zeit" live zusammenschalten. Die dabei uraufgeführte Komposition "Albaktún" von Enrico Chapela steuerte mit intensivem Rhythmus auf ihren Höhepunkt zu: Um Punkt zwölf brach der mexikanische Dirigent José Areán ab. Auf einer Leinwand erschienen eine Sängerin und Musiker aus Mexiko und Guatemala live - das Werk ging dann synchron zu beiden Seiten des Atlantiks zu Ende.

Im Hamburger Völkerkundemuseum kamen Hunderte zu einer "Weltübergangsparty" mit zwei Maya-Priestern. In farbenfroher Kleidung begingen die Priester ein Ritual rund um ein kleines Feuer im Innenhof. Im Museum selbst konnten Besucher zwischen allerlei esoterischen Angeboten wie Klangschalenmassage, Stein-Orakel und Mantra-Singen wählen. Eine Kolumbianerin, die sich von dem Maya-Ritual "innere Reinigung" erhofft hatte, sagte über all den Weltuntergangs-Hype der vergangenen Tage: "Alles Geschäft."

steh/DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?