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Francesco Cossiga: Früherer italienischer Staatspräsident ist tot

Der frühere italienische Minister- und Staatspräsident Francesco Cossiga ist am Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Cossiga lag seit vergangener Woche mit Herz- und Atemproblemen im Krankenhaus.

Der frühere italienische Präsident Francesco Cossiga ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Cossiga erlag der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge am Dienstag einem Herzstillstand im Gemelli-Krankenhaus in Rom, in das er vor einer Woche wegen Herz- und Atemproblemen eingeliefert worden war. Der frühere Staatschef hinterließ dem Bericht zufolge Briefe an führende Politiker des Landes.

Der aus Sardinien stammende Cossiga prägte als Mitglied der inzwischen aufgelösten christdemokratischen Partei Democrazia Cristiana lange Jahre die italienische Politik. Kurzzeitig war er 1979 Regierungschef, zwischen 1985 und 1992 bekleidete er das Amt des Staatspräsidenten. Dabei wandelte er sich in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit zu einem scharfen Kritiker der Parteien und regte eine Umwandlung Italiens von einer parlamentarischen in eine präsidentielle Demokratie an. Im April 1992 trat er drei Monate vor dem Ende seines Mandats zurück, um sein Amt einem "starken Präsidenten" zu überlassen. Wie alle italienischen Ex-Präsidenten war er anschließend Senator auf Lebenszeit.

Nach Cossigas Einlieferung vergangene Woche hatte das Krankenhaus am Montag angekündigt, nicht mehr täglich über das Befinden des früheren Präsidenten zu berichten, da sich der Politiker auf dem Weg der Besserung befinde. In der Nacht auf Dienstag verschlechterte sich sein Zustand dann aber rapide, wie Ansa berichtete. Am frühen Nachmittag erlitt er dann einen Herzstillstand.

Cossiga hinterließ Ansa zufolge Briefe an den italienischen Staatschef Giorgio Napolitano, den Senatspräsidenten Renato Schifani sowie Regierungschef Silvio Berlusconi. Über den Inhalt der Schreiben wurde zunächst nichts bekannt. Cossiga soll im Familienkreis auf der Mittelmeerinsel Sardinien beigesetzt werden. Ein Staatsbegräbnis hatte er abgelehnt. In den Jahren als Senator auf Lebenszeit machte der für seinen scharfen Verstand und seinen bissigen Humor bekannte Cossiga immer wieder durch Äußerungen zum Tagesgeschehen und der Lage Italiens auf sich aufmerksam.

Papst Benedikt XVI. zeigte sich Radio Vatikan zufolge "tieftraurig" über den Tod des zweifachen Familienvaters. Der Chef der größten Oppositionspartei, Pier Luigi Bersani von der Demokratischen Partei, bezeichnete den früheren Präsidenten als "außerordentliche Persönlichkeit". Die rechtspopulistische Lega Nord würdigte Cossiga als Politiker, der "seinen eigenen Überzeugungen" immer treu geblieben sei.

Cossiga hatte 1976 inmitten der "bleiernen Jahre" des italienischen Links- und Rechtsterrorismus das Amt des Innenministers übernommen. Er musste miterleben, wie sein Parteifreund Aldo Moro 1978 von der Terrorgruppe Rote Brigaden entführt und nach wochenlanger Geiselhaft ermordet wurde. Der wegen des Umgangs mit der Entführung in die Kritik geratene Cossiga trat daraufhin zurück.

AFP/APN
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