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Ordnungsmaßnahmen: 20 Euro Strafe: Stadt Dortmund verteilt Knöllchen an Obdachlose

Offiziell ist es in den meisten Städten verboten, draußen zu übernachten. Obdachlose werden vielerorts aber geduldet. In Dortmund dagegen bittet das Ordnungsamt die Menschen von der Straße zur Kasse.

Obdachloser

Auch im Winter müssen viele Obdachlose im Freien übernachten

DPA

Mit Beginn des Winters wird für Obdachlose das Leben noch einmal härter. Auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt haben viele von ihnen keine andere Möglichkeit, als die Nächte unter freiem Himmel zu verbringen. Doch als wäre dieses Schicksal noch nicht hart genug, werden sie dafür in Dortmund sogar noch zur Kasse gebeten.

Wie der WDR berichtet, wurden in diesem Jahr bereits 265 Mal Obdachlose mit einem Verwarngeld – einem sogenannten "Knöllchen" – belegt. Für das Schlafen im Freien werden damit 20 Euro fällig. Kann dieser Betrag nicht beglichen werden, droht ein Bußgeld in Höhe von 48 Euro. Sollte auch dieses nicht bezahlt werden, kann die Strafe in einige Tage Haft umgewandelt werden.

Sogar eine Haftstrafe ist möglich

Gegenüber lokalen Medien erklärte das Ordnungsamt, das für die Maßnahmen verantwortlich ist, dass man vor allem auf Hinweise von Anwohnern oder Gewerbetreibenden reagiere. Offiziell sei es im gesamten Stadtgebiet untersagt, auf "nicht besonders freigegebenen Flächen" zu übernachten, ließ die Stadt Dortmund gegenüber dem Nachrichtenportal "Dortmund24" verlauten. Wer nach einem Platzverweis erneut angetroffen werde, bekomme ein Knöllchen.

In Dortmund leben nach Angaben der Stadtverwaltung mindestens 400 Obdachlose. Das Angebot an Schlafplätzen liegt allerdings deutlich darunter. Bastian Pütter, Sprecher des Dortmunder Straßenmagazins "Bodo", kritisierte in der "WAZ" die Maßnahmen des Ordnungsamtes: "Wir haben es hier mit sehr drakonischen Strafen zu tun, die große Angst unter den Betroffenen auslösen. Die Obdachlosen können nicht nachvollziehen, warum sie aufgrund ihrer Situation bestraft werden." In anderen Städten in der Region wird die Thematik deutlich entspannter gehandhabt. So sagte ein Sprecher der Stadt Duisburg der "WAZ": "In solchen Fällen braucht es ein gewisses Fingerspitzengefühl." 

Quellen: "Dortmund 24" / "WAZ" / WDR

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